Handel

Middelhoff und Reischl werden Karstadt-Aufsichtsräte

Erfahrung im Beteiligungsgeschäft zählt: Thomas Middelhoff

Erfahrung im Beteiligungsgeschäft zählt: Thomas Middelhoff

26. März 2004 

Der mit Ertragsproblemen kämpfende Karstadt Quelle-Konzern holt sich zwei Top-Manager ins Aufsichtsgremium. In der Hauptversammlung am 4. Mai sollen Thomas Middelhoff und Hans Reischl in den Aufsichtsrat gewählt werden. Dem Vernehmen nach wird der ehemalige Karstadt-Quelle-Vorstand Reinhard Koep aus dem Gremium ausscheiden.

Der vor fast zwei Jahren wegen unterschiedlicher Auffassung über die Zukunft des Medienkonzerns im Streit bei Bertelsmann ausgeschiedene Middelhoff dürfte dem amtierenden Bertelsmann-Chef Dr. Gunther Thielen folgen. Mit den beiden neuen Aufsichtsratskandidaten zeichnet sich zugleich ein Wechsel an der Spitze des Gremiums ab.

Hans Reischl ist - noch - Vorstandsvorsitzender der Rewe-Gruppe

Hans Reischl ist - noch - Vorstandsvorsitzender der Rewe-Gruppe

Bisher ist Hans Meinhardt, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Linde AG, Aufsichtsratschef. Er wird im Mai 73 Jahre alt. Die Funktion des obersten Karstadt-Quelle-Aufsehers nimmt er seit der Fusion der Karstadt AG mit der Schickedanz Handelswerte KG, also der Quelle-Gruppe, im Jahr 1999, wahr. Zwar soll er auch weiterhin dem Aufsichtsrat angehören, an die Spitze wird aber Middelhoff rücken.

Middelhoff verantwortet seit knapp einem Jahr von London aus die europäischen Unternehmensbeteiligungen des international tätigen Finanzinvestors Investcorp. Bei Karstadt-Quelle dürfte weniger seine Expertise als früherer Chef eines Medienunternehmens gefragt sein als sein neuer Hintergrund, nämlich das Beteiligungsgeschäft.

Reischl ist derzeit noch Vorstandsvorsitzender der Kölner Rewe-Gruppe. Er wird zum Jahresende nach mehr als 30-jähriger Vorstandstätigkeit bei dem Lebensmittelfilialisten in den Ruhestand wechseln, allerdings nicht in den Aufsichtsrat seines Unternehmens einziehen. Hintergrund seiner Nominierung ist die geplante Kooperation des Warenhauskonzerns mit der Rewe-Gruppe. So soll das hoch defizitäre Lebensmittelgeschäft der Karstadt-Warenhäuser zum 1. Januar in eine neue gemeinsame Betreibergesellschaft ausgegliedert werden, die zwar unter dem Namen Karstadt aber unter der Regie von Rewe geführt wird.

Text: B.K., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.03.2004
Bildmaterial: AP

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