30. Juli 2007 Die Krise am amerikanischen Hypothekenmarkt für schlechte Schuldner (subprime") hat nun auch in Deutschland ein erstes Opfer gefunden. Der Vorstandsvorsitzende der IKB Deutsche Industrie Bank AG, Stefan Ortseifen, musste in der Nacht zum Montag seinen Sessel räumen. Ortseifen musste offenbar für Geschäftsbeziehungen der IKB zu dem Investmentvehikel Rhineland Funding Capital die Verantwortung übernehmen.
Dabei ging es auf der einen Seite offensichtlich um eine große Kreditlinie, welche die IBK der Rhineland gewährt hatte; die KfW hat diese Verpflichtung übernommen. Möglicherweise wurde Ortseifen aber auch wegen einer fragwürdigen Bilanzierungspraxis der IKB der Stuhl vor die Tür gestellt. Ein IKB-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern. Die IKB hatte erst am 20. Juli mitgeteilt, von Bonitätsherabstufungen von Subprime-Wertpapieren nur in Höhe eines einstelligen Millionenbetrags betroffen zu sein. Diese Angabe war offensichtlich fragwürdig. Die Rhineland hatte nach Angaben eines IKB-Sprechers Ende Mai ein Volumen von 12,7 Milliarden Euro.
Eine Zweckgesellschaft
Bei der Rhineland handelt es sich um eine Zweckgesellschaft, ein Conduit. Eigentümer der Rhineland, deren Eigenkapital 500 Dollar beträgt, ist eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Delaware. Aufgabe des Conduit ist es, am Markt Kredite und verbriefte Wertpapiere anzukaufen und diese über Ausgabe von kurzlaufenden Wertpapieren (Asset Backed Commercial Paper, ABCP) zu refinanzieren. Offenbar um der Rhineland als Emittentin eine gute Bonitätsnote zu verschaffen, hat ihr die IKB eine Kreditlinie gewährt.
Der Gewinn, den Conduits machen, wird üblicherweise über Beratungs- und andere Gebühren an die Bank abgeführt, die letztlich hinter dem Conduit steht. Die IKB hat das Beratungshonorar der Rhineland auf rund 54 Millionen Euro beziffert. Die Conduit-Konstruktion wurde früher oft gewählt, weil das Geschäft des Conduit dadurch außerhalb der Bankbilanz blieb und deshalb nicht mit teurem Eigenkapital unterlegt werden musste. Nach der Enron-Pleite, bei der solche Conduits eine zentrale Rolle spielten, wurden die Rechnungslegungsstandards IAS verschärft. Die IAS-Interpretation SIC 12 gibt seit einiger Zeit Regeln vor, wann Banken Conduits konsolidieren müssen - zum Beispiel, wenn die Bank den Risiken des Conduits ausgesetzt ist. Viele Banken haben die Conduits deshalb konsolidiert.
Außerhalb der Bilanz
Ein Sprecher der IKB sagte auf Anfrage, die Rhineland sei außerhalb der Bilanz geführt worden. Das lässt der Vermutung Raum, dass sich die Angaben vom 20. Juli nur auf die in der IKB-Bilanz verbuchten Geschäfte bezogen. Zudem könnten Aufsicht und Großaktionär beanstandet haben, dass diese Geschäfte nicht konsolidiert wurden. Der IKB-Sprecher sah sich außer Stande, diesbezügliche Fragen zu beantworten. Die Höhe der Eventualverbindlichkeiten, zu denen zum Beispiel Kreditzusagen gehören, hat die IKB zum Stichtag Ende März mit 17,7 Milliarden Euro angegeben (plus 2,7 Milliarden Euro), die aufsichtsrechtlichen Eigenmittel mit 4,1 Milliarden Euro.
Nach Angaben des IKB-Sprechers hat die Rhineland 12,7 Milliarden Euro in Kredite und Kreditverbriefungen investiert, dabei auch in Subprime-Wertpapiere. 30 Prozent der Anlagen entfallen demnach auf Engagements mit der höchsten Bonitätsnote AAA, 40 Prozent auf AA, knapp 20 Prozent auf A, 8 Prozent auf BBB und der Rest auf Engagements, die als riskant (non investment grade) gelten. Die Immobilienkrise in Amerika hat in den vergangenen Tagen eine Krise auf den Kreditmärkten ausgelöst. In diesem Zuge wird nun selbst die Werthaltigkeit von AAA-Papieren, die mit Subprime-Krediten unterlegt sind, bezweifelt, was zu Kursverlusten geführt hat (F.A.Z. vom 28. Juli). Vor diesem Hintergrund tat sich die Rhineland offensichtlich schwer, für ihre ABCPs neue Käufer zu finden. ABCPs haben meist Laufzeiten von 30 bis 90 Tagen; Käufer sind zum Beispiel Versicherungskonzerne, die Liquidität zur Bedienung von Schadensfällen vorhalten müssen.
Fachleute zufolge ist offen, ob die Subprime-Wertpapiere mit guten Bonitätsnoten tatsächlich einmal Kapitalverluste erleiden werden. Einiges spreche dafür, dass diese Papiere gegen Hypothekenausfälle tatsächlich recht gut abgeschirmt seien. Dann könnten den derzeitigen Abschreibungen auf diese Papiere Hochschreibungen und Buchgewinne folgen.
Text: bf. / F.A.Z., 31.07.2007, Nr. 175 / Seite 14
Bildmaterial: Edgar Schoepal - F.A.Z.
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