Von Herta Paulus
23. September 2005 Über Arbeitsmangel kann Monika Debey wahrlich nicht klagen. Erst im August unterzeichnete ihr Arbeitgeber, die Atos Origin GmbH, einen IT-Outsourcing-Vertrag mit dem Münchner Bezahlsender Premiere AG. Rund 100 Premiere-Mitarbeiter wechseln damit zu ihrer Firma.
Selbst Outsourcing-Opfer kann sie gut nachvollziehen, welche Ängste und Sorgen in den Köpfen der Neuen herumgeistern, für die sie als verantwortliche Human Ressources-Projektleiterin für Outsourcing und Integration eine zentrale Ansprechpartnerin ist.
Outsourcing heißt neu orientieren
Auch sie hat sich ihren neuen Arbeitgeber nicht freiwillig ausgesucht, sondern landete im Rahmen eines Outsourcing-Vertrags der Hamburger Firma abis, einer IT-Tochter der Philips-Konzerns, vor vier Jahren bei Atos Origin. Der Wechsel bedeutete auch: Ihre alte Position als Personalleiterin war besetzt, loslassen und neu orientieren waren angesagt. Das auf ihrer Visitenkarte nachzulesende, etwas sperrige Ergebnis empfindet sie durchweg positiv. Für mich ist das optimal gelaufen, auch wenn es kein klassischer Karriereschritt im hierarchischen Sinne war. Durch diese Spezialisierung kann ich meine Kreativität und die für dieses Thema erforderliche Sensibilität voll einbringen, erzählt Debey. Einziger Wermutstropfen: Wenn ich im privaten Umfeld erzähle, was ich mache, heißt es gleich: Ah, Heuschrecke.
Ein Vorurteil, an dem die Outsourcing-Dienstleister nicht unschuldig sind. Die mangelnde Sensibilität, mit der in der Anfangszeit des Outsourcing-Booms so mancher Deal abgewickelt wurde, wirkt noch immer nach. Outsourcing wird, gerade auch in den Medien, häufig vornehmlich mit Arbeitsplatzabbau und der Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland assoziiert oder gar als Sklavenhandel abgestempelt, weiß Wolfgang Fritzemeyer, Partner der internationalen Anwaltssoziätät BakerMcKenzie in München und Vorsitzender der European Outsourcing Association Germany e.V.
HR-Konzepte sind ein Wettbewerbsvorteil
Doch die Branche hat dazugelernt. Die Outsourcer haben erkannt, daß sie sich mehr auf die Mitarbeiter konzentrieren müssen und tun dies auch. Dieser Lernprozeß hat in den letzten zwei Jahren bei allen eingesetzt, erklärt Stefan Hardt, Human Ressources Director beim Beratungsunternehmen Capgemini, das rund 36 Prozent seines Umsatzes weltweit mit Outsourcing erwirtschaftet.
Wert wird auf die Themen Weiterbildung und Karriereentwicklung gelegt, wobei das von Atos Origin Geschäftsführer Gerhard Fercho gegebene Commitment, daß es keine Restrukturierungen geben wird in der Branche nicht selbstverständlich ist. Lieber investiere ich in die Ausbildung meiner Mitarbeiter, als Geld für Restrukturierungen auszugeben, bekräftigt Fercho. So diese dazu bereit sind. Wer nicht wachgeküßt werden, sprich sich beruflich weiterentwickeln will, dem bietet auch das neue Umfeld wenig Spielraum. Nicht jede Vita führt durch ein Outsourcing einen Schritt weiter. Wer sagt, ich will nur das tun, was ich kann und in gewissem Sinne einen Beamtenstatus pflegt, dessen Chancen sind begrenzt,erklärt Debey.
Erstungeliebtes Kind, jetzt Erfolgsfaktor
Im Umkehrschluß heißt dies aber auch: Wer outgesourct wird, muß mitnichten alle Karriereträume begraben. Im Gegenteil, wie eine unter ausgelagerten IT-Mitarbeitern durchgeführte Studie des Marktforschers Colemann Parkers Research nahelegt. Mehr als drei Viertel (78 Prozent) der befragten Arbeitnehmer in Deutschland stufen ihre Karrierechancen beim Outsourcer höher ein als bei ihrem vorherigen Arbeitnehmer, 59 Prozent sogar deutlich höher. Fast ein Viertel sehen keine Veränderungen, weniger als ein Zehntel sehen sich schlechter gestellt als vorher.
Die Erklärung für den Optimismus liegt für Outsourcing-Experten Fritzemeyer auf der Hand. War die outgesourcte Abteilung beim alten Arbeitgeber eher ein ungeliebtes Kind, ist der Mitarbeiter mit seinen Qualifikationen beim neuen Arbeitgeber zwangsläufig Mitglied des Kernkompetenz-Teams.
Chancen für die, die ins Ausland wollen
Personalleiterin Insa Zeller vom Outsourcer TDS AG in Neckarsulm kann dies nur bestätigen. Beim alten Arbeitgeber waren die Mitarbeiter nur ein Kostenfaktor. Wir machen mit ihnen unser Geschäft, so Zeller, die unter anderem auch Kleinteams mit zwei bis drei Mitarbeitern aus mittelständischen Personalabteilungen betreut. Hier können diese bei Eignung Leiter eines weit größeren Teams werden oder sich zum Spezialisten etwa für Altersvorsorge weiterbilden, verdeutlicht sie.
Karrieremöglichkeiten, denen bei international aufgestellten Unternehmen wie Atos Origin keine Grenzen gesetzt scheinen. Für Leute, die Karriere machen oder ins Ausland wollen, eröffnet sich eine ganz neue Welt, rührt der 37jährige Waldemar Gerlach die Werbetrommel für das Outsourcing im Allgemeinen und seinen Arbeitgeber im Besonderen. Er spricht aus Erfahrung, hat er es doch binnen zwei Jahren vom ingesourcten ITler zum Mitglied des Atos Origin Managements gebracht. Nicht als IT Manager wohlgemerkt, denn mit der Übernahme veränderte sich auch sein berufliches Profil schlagartig. Auf eigenen Wunsch wechselte er damals in den Vertrieb und ist heute Leiter des Gesamtbereichs Bid-Management.
Text: rwi
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