Von Christine Scharrenbroch, Köln
18. August 2007 Stolz blickt sich McDonald's-Deutschlandchef Bane Knezevic bei der Neueröffnung in Köln um. Der 300. McCafé erinnert eher an ein elegantes Szenelokal als an eine Hamburgerbraterei. Die Wände sind in dunklem Holz getäfelt, die Möbel in Weiß, Beige und Braun gehalten, in Vitrinen werden bunte Glasflaschen angestrahlt. In nur vier Monaten Bauzeit ist das 2,45 Millionen Euro teure Gebäude an der Aachener Straße gegenüber dem Rhein-Energie-Stadion aus dem Boden gestampft worden. 2,7 Millionen Euro Umsatz soll es jährlich einbringen.
Bei der Expansion ihrer Kaffeebars legt die amerikanische Burgerkette hierzulande ein enormes Tempo vor. Im Oktober 2003 wurde zum ersten Mal ein Coffeeshop in ein McDonald's-Restaurant integriert. Erst im Mai 2006 feierte das Unternehmen die Eröffnung des 100. McCafés - ebenfalls in Köln -, jetzt sind es schon 300. Eigentlich hatte Knezevic bis Ende dieses Jahres die Zahl von 200 Kaffeebars angestrebt. "Das Interesse der Franchisenehmer war aber so groß, dass wir das Tempo erhöht haben", sagt er. Nächste Zielmarken: 500 McCafés bis Ende 2008, zwischen 600 und 700 bis 2011. Dann wäre - bezogen auf die heutige Anzahl - jedes zweite der 1280 Restaurants mit einer Kaffeetheke samt Sitzbereich ausgestattet.
Die Hemmungen fallen
Rund 250 Millionen Euro werden in diesem Jahr in den Umbau bestehender Restaurants in Filialen mit McCafé investiert - von McDonald's und den Franchisenehmern. Das Zusatzangebot zahlt sich laut Knezevic aus, auch wenn er den Umsatz aus dem Geschäft mit Kaffee und Kuchen nicht beziffern will. Seit 2004 habe der Kaffeeabsatz um 80 Prozent zugelegt, sagt er lediglich. Und: Werde ein bestehendes Burgerrestaurant mit einem McCafé ausgestattet, steige der Umsatz um 10 bis 15 Prozent.
Das liegt zum einen daran, dass Stammkunden auch das neue Angebot nutzen: 38 Prozent der Gäste bestellen sowohl an der McDonald's- als auch an der McCafé-Theke. Vor allem aber, betont der Deutschland-Chef, zögen die Kaffeebars neue Gäste an, vorwiegend aus der Generation "50 plus". Dass diese dann irgendwann auch ihre Hemmungen vor BigMac und Chicken McNuggets verlieren, ist seine Wunschvorstellung. "Dieser Prozess kommt gerade ins Rollen", meint er. Auch aus diesem Grund ist es nicht geplant, einen McCafé alleine - ohne Burgerlokal - zu eröffnen. Das Konzept lebe von der Marke McDonald's, erläutert Knezevic. Was sich auch gut trifft: McCafé hat seine Verkaufsspitze am frühen Morgen und am Nachmittag, "genau dann, wenn der McDonald's nicht gut läuft".
Gemüsestreifen mit Humus-Dip
Es sei nicht einfach, im eigenen Haus Angebote zu entwickeln, die mit den "Stammprodukten" konkurrieren können, räumt Vorstandsmitglied Holger Beeck ein. Getestet werden im neuen Kölner McCafé etwa Suppen, Sandwiches, gefüllte Tortillas und Gemüsestreifen mit Humus-Dip. Erfolgreich die Versuchsphase überstanden haben bereits Obstsalate und Joghurts. Sie werden - als Kontrastprogramm zum Burger-Angebot - bis Ende des Jahres bundesweit eingeführt.
Nicht nur McCafé, hinter Tchibo (500 Coffeeshops) die Nummer zwei am Markt, sondern auch andere Ketten expandieren stark. Auf 1700 schätzt Holger Preibisch, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbands, die Zahl der Coffeeshops in Deutschland. 2002 waren es noch 400. Preibisch rechnet mit einem weiter "rasanten" Wachstum. "Mittelfristig wird jede Einkaufsstraße einen Coffeeshop haben." Die Ketten, bisher vor allem in den Großstädten vertreten, drängten nun auch in die kleinen und mittelgroßen Städte.
Expansionsdrang wird kritisch
Die amerikanische Kette Starbucks etwa betreibt inzwischen 96 Kaffeebars in 26 Städten (Siehe auch: Starbucks: Für Erfolgsmenschen) und will in diesem Jahr noch die 100 erreichen. Die mit acht Lokalen in Berlin vertretene Kaffeerösterei Einstein hat zwei Filialen in Bonn und eine in Singen eröffnet. Auf 32 Filialen kommt die in Hamburg groß gewordene Balzac Coffee GmbH & Co KG.
Je zwei weitere Neueröffnungen in Hamburg und Hannover sowie jeweils eine in Köln und Hildesheim sind geplant. Der Düsseldorfer Lokalmatador Woyton unterhält mittlerweile 20 Geschäfte, darunter in Neuss, Oldenburg, Wilhelmshaven und Westerland auf Sylt.
Den Expansionsdrang der Branche sieht Woyton-Sprecher Christian Niemeyer dennoch kritisch. "An manchen Stellen empfinde ich das Angebot als ausgereizt." In Hamburg gebe es Standorte, "da würde ich keine Kaffeebar mehr aufmachen", sagt er mit Blick auf anderslautende Pläne der Konkurrenz.
Text: F.A.Z., 18.08.2007, Nr. 191 / Seite 16
Bildmaterial: F.A.Z., obs, REUTERS
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