07. August 2005 Der Adidas-Chef Herbert Hainer über den Kauf von Reebok, den Angriff auf Nike, die Marke Michael Ballack und darüber, warum Frauen attraktiv sind.
Herr Hainer, haben Sie das Schicksal von Jürgen Schrempp verfolgt?
Nicht so eingehend.
Dem Daimler-Chef wurde letztlich die Übernahme von Chrysler zum Verhängnis. Jetzt kaufen Sie Reebok. Fürchten Sie Parallelen?
Die beiden Fälle sind nicht zu vergleichen. Ich bin überzeugt davon, daß unsere Fusion erfolgreich wird. Wir ergänzen uns bestens.
Was heißt ergänzen? Adidas wie Reebok verkaufen Turnschuhe. Händler wie Intersport fürchten eine Marken-Kannibalisierung.
Diese Furcht ist gerade am Beispiel Intersport leicht zu widerlegen. Wir machen mit denen international fast zehnmal soviel Umsatz wie Reebok - da kann nichts wegbrechen, da kann nur etwas aufgebaut werden. Wir helfen Reebok in Europa und Asien, wo wir stark sind. Sie helfen uns in Amerika, bei Sportarten wie Football, Basketball, Baseball. Da haben wir Nachholbedarf.
Wo Reebok erfolgreich ist, muß nicht automatisch mehr Adidas verkauft werden.
Wir bekommen aber in Amerika mit Reebok ganz neue Möglichkeiten, um den Markt dort zu durchdringen.
Heißt das, Sie streichen den Adidas-Vertrieb in Amerika zusammen? Entstehen so die versprochenen Einsparungen von 125 Millionen Euro jährlich von 2008 an?
Nein. Die Synergien setzen sich aus vielen Teilen zusammen. Wir kaufen jährlich für fünf Milliarden Euro Waren ein. Durch Bündelungen 40 oder 50 Millionen Ersparnis rauszuholen, das kann nicht so schwer sein. Die angekündigten Spareffekte liegen eher am unteren Ende.
Wie viele Stellen werden Sie durch die Übernahme einsparen?
Der ganze Deal ist angelegt auf Wachstum. Deshalb erwarte ich keine signifikante Reduktion bei den Mitarbeitern. Natürlich wird die eine oder andere Aufgabe zusammengelegt werden.
Zum Beispiel?
Heute haben wir zwei Organisationen von Trend-Scouts, die sich im Markt umschauen. Da reicht künftig eine. Dann gibt es in China bei den Fabriken, die unsere Schuhe produzieren, zwei Verbindungsbüros, die sich um die Fertigung kümmern. Auch da brauchen wir in Zukunft nur noch eines. Aber auf lange Sicht gibt es auch für die Mitarbeiter in einem größeren Unternehmen mehr Karrierechancen
Haben wir richtig verstanden, daß Reebok- und Adidas-Schuhe schon immer in denselben chinesischen Fabriken gefertigt werden?
Ja, das gilt aber auch für Nike, Puma und alle anderen Konkurrenten. Wir geben unsere Aufträge alle in dieselben Fabriken.
Die Schuhe unterscheiden sich also nur in Logo und Preis?
Nein. Wir haben unterschiedliche Technologien und eine unterschiedliche Machart.
Reebok steht für Mode, Adidas für Sport. Buhlen Sie mit Ihrem Zukauf verstärkt um die Frauen?
Frauen sind ein riesengroßer Markt, den wir noch nicht richtig erschlossen haben. Da wird uns Reebok helfen. Die haben den Aerobic-Trend mitbegründet, die sind im Frauengeschäft stärker als wir.
"Die" ist vor allem Reebok-Chef Fireman. Wie lange bleibt er noch im Konzern?
Paul hat mir versprochen, noch ein paar Jahre mitzuarbeiten. Reebok ist sein Baby, er hat die Firma gegründet und groß gemacht.
Aber Reebok wird künftig nicht im Firmennamen auftauchen.
Richtig. Wir werden bei der nächsten Hauptversammlung Salomon aus dem Namen rausnehmen und uns in Adidas AG umbenennen.
Dem Kapitel Salomon weinen Sie keine Träne nach?
Könnte man so sagen. Der Wintersportmarkt ist in den vergangenen Jahren um 50 Prozent zurückgegangen. Da konnten wir Salomon nicht mehr helfen.
Manche Analysten fürchten, die Reebok-Übernahme könnte sich wie Salomon als Flop herausstellen. Ihre Gewinnmarge schrumpft durch die Übernahme.
Das stimmt für die prozentuale Größe. Aber nicht für den Gewinn absolut. Der steigt. Schließlich ist Reebok hochprofitabel. Und am Ende leben wir von Euro und nicht von Prozenten.
Sie kaufen Reebok für drei Milliarden Euro - ist dieser Preis nicht zu hoch?
Ach, solche Einwände gibt es immer. Aus meiner Sicht ist das ein sehr vernünftiger Deal, fast schon günstig. Wir haben sofort einen höheren Gewinn pro Aktie, wenn man die beiden Unternehmen zusammennimmt.
Fehlt nur noch, daß Sie von einer "Hochzeit im Himmel" reden, wie einst Jürgen Schrempp.
Ich denke, es ist ein absolut perfekter Fit. Die Reaktion am Aktienmarkt beweist, daß auch die Mehrheit der Analysten und Fondsmanager das so sieht.
Die Börse jubelte zuerst auch bei Daimler-Chrysler.
Ja, aber damals war das Umfeld am Kapitalmarkt ein anderes. Heute finden Sie wenige Zusammenschlüsse, bei denen der Aktienkurs so positiv reagiert wie bei uns.
Was bedeutet die Übernahme für die Branche? Geraten die Wettbewerber unter Zugzwang?
Es wird im Sportartikelbereich noch den einen oder anderen Zusammenschluß geben, schon weil es nicht jedem Unternehmen übermäßig gutgeht.
Und wann übernehmen Sie Puma? Ist das Ihr großer Traum?
Ich habe eine Menge Träume, der gehört sicher nicht dazu.
Ihr großes und unerreichtes Ziel ist es, Nike zu überrunden - was machen die besser als Sie?
In Europa und Asien kämpfen wir auf gleicher Augenhöhe. Der einzige Unterschied ist in Amerika. Nike versteht die Konsumenten dort besser. Das ist übrigens einer der Hauptgründe, warum wir Reebok übernehmen.
Um dann Nike zu überholen?
Das ist nicht unser primäres Ziel. Größe allein ist nicht ausschlaggebend - wie Sie an Daimler sehen.
Trotzdem wollen Sie die Nummer eins werden.
Natürlich wollen wir den Wettbewerb gewinnen, schon aus sportlichen Gründen. Und mit dem Zusammenschluß werden wir schneller wachsen als Nike. Wir wollen der führende Hersteller weltweit sein. Führend in Design, Technologie und im Verhältnis zu den Athleten. Und dann werden wir irgendwann auch die Größten sein.
Wie stark ist Ihr Einfluß auf die Top-Athleten, die Ihre wichtigsten Werbeträger sind? Bestimmen Sie, wo Ballack künftig spielt?
Nein. Da reden wir nicht rein. Das ist letztendlich Michael Ballacks Entscheidung. Auf der anderen Seite wäre es mir recht, wenn er beim FC Bayern bleiben würde. Er ist definitiv einer der besten Spieler in Deutschland.
2006 findet in Deutschland die Fußball-WM statt - ein Grund zum Jubeln für Adidas.
Na klar. Wir wollen im WM-Jahr mindestens eine Milliarde Euro mit Fußball-Artikeln verdienen. Die WM bringt uns sicher einen Zusatzschub in dreistelliger Millionenhöhe.
Heißt das auch mehr Stellen?
Wir haben in Herzogenaurach 100 Leute seit einem Jahr zusammengezogen, die sich nur um die Fußball-WM kümmern. Vor und während der WM werden wir zusätzlich ein paar hundert Mitarbeiter befristet einstellen. Unser festes Personal wird im kommenden Jahr sicher um 200 neue Angestellte allein in Herzogenaurach wachsen.
Sie produzieren zu 99 Prozent im Ausland, erzielen 90 Prozent des Umsatzes außerhalb Deutschlands. Kümmert Sie überhaupt noch, was hierzulande passiert?
Deutschland bleibt für uns wichtig. Hier wurde das Unternehmen von Adi Dassler gegründet. Hier sitzt der Vorstand. Hier ist unser größter Markt in Europa.
Was erhoffen Sie sich von der Bundestagswahl?
Ich wünsche mir, daß die Gewinner die Reformen anpacken, daß etwas passiert in diesem Land.
Die SPD hat entdeckt, daß höhere Löhne das richtige Mittel wären, die Wirtschaft anzukurbeln.
Da habe ich eine dezidiert andere Meinung.
Geringere Löhne und längere Arbeitszeiten sind Ihnen lieber.
Es wird keinem weh tun in Deutschland, ein paar Stunden pro Woche länger zu arbeiten. Daß man den Wohlstand mit weniger Arbeit steigern kann, das glaube ich nicht.
Das Gespräch führten Thiemo Heeg und Georg Meck
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 07.08.2005, Nr. 31 / Seite 31
Bildmaterial: AP
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Auch Holzexporte in der Finanzkrise
Ökonomie: Ein politischer Nobelpreis
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 5.062,45 | +11,40 |
| TecDax | 584,64 | +13,14 |
| DowJones | 9.032,06 | +6,87 |
| Nasdaq | 1.764,51 | +6,97 |
| STOXX 50 | 2.688,32 | +11,00 |
| Nikkei 225 | 8.276,43 | -9,62 |
| S&P 500 Zert. | 9,30 | +5,32 |
| Euro/Dollar | 1,35 | -0,40 |
| Bund Future | 114,16 | -0,44 |
| Gold | 837,70 | -1,14 |
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