„Photokina 2008“

Unter Wasser, im Sand und im Regenwald

Von Christine Scharrenbroch und Johannes Winkelhage

Die Aussteller setzen auf der Photokina 2008 besonders auf die Robustheit ihrer Kameras

Die Aussteller setzen auf der Photokina 2008 besonders auf die Robustheit ihrer Kameras

23. September 2008 Die kleine Kompaktkamera von Olympus muss einiges aushalten: Erst wirft Gunnar Bellstedt sie in ein Wasserbecken, dann knallt sie in einem Plexiglaskasten aus einiger Höhe auf ein Holzbrett. Das Modell besteht den Härtetest. Es kann bis zu 10 Meter tief tauchen, mit einem besonderen Gehäuse auch bis 40 Meter. Stürze werden bis zu 3 Metern Fallhöhe abgefedert.

Der Apparat sei besonders für Familien mit kleinen Kindern und für Sportler geeignet, sagt Produktmanager Bellstedt. Er nehme die Kamera oft zum Segeln mit - komme etwas Wasser dran, sei das nicht schlimm. „Sie kann auch ruhig mal auf den Bordrand fallen.“ Bei der Frage nach dem Preis sind die Mitarbeiter am Stand etwas unsicher. Die Empfehlung laut auf 349 Euro. „Aber der Preis ist schon wieder gefallen“, heißt es. Im Handel sei sie auch schon für 299 Euro zu haben.

Vulkantour ohne Blessuren überstanden

Angesichts des harten Wettbewerbs setzen die Aussteller auf der Photokina bei den Kameras auf besondere Eigenschaften. Das Thema Robustheit scheint besonders angesagt: Auch auf dem Pentax-Stand liegen drei Kameras in einem Aquarium. Einen Schritt weiter wirbelt der staubdichten Spiegelreflexkamera K220D Sand ums Objektiv, ein wetterfestes Modell befindet sich in einem Glaskasten mit offensichtlich feuchtem Klima und vielen Pflanzen. Eine Vulkantour soll es kürzlich ohne Blessuren überstanden haben.

Die erste Spiegelreflexkamera, die Videos im neuen Full-HD-Format aufnehmen kann, stellt Weltmarktführer Canon vor. Die EOS 5D Mark II filmt bis zu 12 Minuten lang, nimmt 4 Bilder in der Sekunde auf und ist für rund 2500 Euro zu haben. Angepriesen wird sie als Kamera für Reportage- oder Hochzeitsfotografen, aber auch für den ehrgeizigen Amateur.

Bunte Kompaktkameras für die Zielgruppe „Frauen“

Den Spiegelreflexkameras Konkurrenz machen wollen Panasonic und Olympus mit einem neuen System, „das die einfache Bedienbarkeit der Kompaktkameras mit der Qualität der Spiegelreflexkamera verbinden soll“, wie Michael Langbehn von Panasonic erläutert. Beim sogenannten Micro-Four-Thirds-Standard fällt das Licht durch die Linse direkt auf den Chip. Auf einen Spiegelkasten wird verzichtet, was die Kamera kleiner und leichter macht.

Auf der Messe zeigt sich, welche Zielgruppen für die Hersteller immer interessanter werden: In den Farben Creme, Rosa und Hellblau gibt es die handlichen Kompaktkameras im Stil der fünfziger Jahren von Canon. „Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sie für junge Mädchen gedacht sind“, sagt Sprecherin Bettina Steeger. Sony zeigt mit der Cyber-Shot die angeblich dünnste Kamera - rund einen Zentimeter dick. In den passenden Täschchen in Grün, Pink oder Braun wirkt sie wie ein kleines Portemonnaie. „Sie passt in jede Westentasche“, sagt der Sprecher, obwohl die Kamera ganz offensichtlich für die immer häufiger fotografierenden Frauen gemacht ist.

Fotos auf einem digitalen Bilderrahmen

Mit einem neuen Sensor namens Super CCD EXR will Fujifilm bei seinen Kompaktkameras für eine höhere Auflösung, ein geringeres Bildrauschen und eine bessere Lichtempfindlichkeit sorgen. Neu ist auch eine Kamera mit 3-D-Effekt, die als Prototyp gezeigt wird und ohne 3-D-Brille auskommt. Der Blick auf das Display bedarf jedoch einiger Gewöhnung.

„Wir zeigen hier keinen neuen Film“, sagt Sprecherin Petra Fujiwara ironisch, hat der japanische Konzern doch stark unter dem Einbruch des Filmmarktes zu leiden. Fujifilm habe die Wende hin zu neuen Segmenten geschafft, sagt sie und verweist auf Digitalkameras, digitale Bilderrahmen und Fotobücher. Filme will Fujifilm so lange herstellen, solange es eine Nachfrage dafür gibt.

„Dass die Aufnahmen auf dem PC verschwinden“, will Kodak nach den Worten von Gerd Böhm verhindern. Per drahtloser Datenübertragung können auf einem digitalen Bilderrahmen Fotos gezeigt werden, die auf Computern in anderen Räumen gespeichert sind. Ebenfalls per W-Lan sorgt der Mediaplayer für die Übertragung von Fotos auf den Fernsehbildschirm. Neue Kiosk-Systeme für den Fotofachhandel sollen außerdem dazu beitragen, dass noch mehr Bilder ausgedruckt werden.

Rund 500 Mal macht es in Deutschland klick - in jeder Sekunde

Stark steigt nach Angaben des Oldenburger Fotodienstleisters Cewe Color die Nachfrage nach Fotobüchern. Nach 1,5 Millionen Stück im vergangenen Jahr rechnet Vorstandsvorsitzender Rolf Hollander für 2008 mit einem Absatz von mehr als 2,5 Millionen. Zum Vergleich: 2005 wurden erst 71.000 Exemplare verkauft. Die Palette reicht von einfachen Ringheften bis hin zu Hardcover-Büchern. Deren Durchschnittspreis liegt bei 35 Euro.

Die Tendenz gehe zu höherwertigen Alben im großen Format, sagt Hollander. „Das bestellen sich die Leute nicht mit Bildern vom Sonntagsausflug, sondern vom Toskana-Urlaub oder dem fünfzigsten Geburtstag.“

Das ist allerdings angesichts der Zahl der Fotos die täglich in Deutschland gemacht werden, nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Rund 500 Mal macht es in Deutschland klick - in jeder Sekunde. Daraus ergibt sich die stattliche Anzahl von rund 15 Milliarden Fotos, die jedes Jahr auf die digitalen Datenträger gebannt werden. Daher sehen die Anbieter der Fotobücher und der klassischen Papierabzüge durchaus Chancen für ein weiteres Wachstum ihrer Geschäfte. Vor allem vom Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr versprechen sie sich den nächsten Absatzschub.

Neue Version von Adobe Elements - pünktlich zur Photokina 2008

Dafür müssen die Bilder natürlich erst einmal am heimischen Rechner aufgearbeitet und digital veredelt werden. Entsprechend gefragt sind auch die entsprechenden Computer-Programme. Dabei reicht die Palette von kostenlos angebotener Software bis zum High-End-Profiprogramm Photoshop vom amerikanischen Marktführer Adobe.

Im Segment der ambitionierten Privatnutzer hat Adobe traditionell harte Konkurrenz vom kalifornischen Hersteller Apple, der seine Computer beim Kauf schon mit dem Programm iPhoto bestückt, das für viele Anwender einen ausreichenden Funktionsumfang bietet - und dabei über die Korrektur des berühmten „rote-Augen-Effektes“ weit hinaus geht. Auf der Ebene der Profinutzer macht Apple Adobe mit dem Programm Aperture Konkurrenz, das vor allem als Verwaltungsprogramm von großen Bildarchiven bei Fotografen beliebt ist.

Ganz kostenlos ist hingegen das Google-Programm Picasa, das auf der einen Seite die Einbindung von Fotos in die Google-Welt von „You Tube“ bis „Google Maps“ ermöglicht auf der anderen Seite aber auch ein respektables Bildbearbeitungsprogramm bietet. Den etwas anspruchsvolleren Kunden versucht wiederum Adobe abzuholen. Pünktlich zur Photokina kommt eine neue Version des umfangreichen Bildbearbeitungsprogramms Adobe Elements auf den Markt, das einer abgespeckten Version von Photoshop entspricht. Daran zeigt sich: Fotografie im privaten Umfeld ist heute auch, was man am Rechner daraus macht.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, Edgar Schoepal - F.A.Z., Hersteller, obs, Photokina, REUTERS

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