07. Januar 2009 Der deutsche Energiekonzern RWE sieht trotz des kompletten russischen Gas-Lieferstopps weiterhin keine Auswirkungen für die Verbraucher in Deutschland. Kein RWE-Kunde muss frieren. Deutschlands Wohnzimmer bleiben warm, sagte ein Sprecher am Mittwoch. Dank großer Reserven und einer Vielzahl von Lieferländern sei Deutschland in einer komfortablen Position. Die gut gefüllten Speicher könnten fast ein Viertel des Jahresbedarfs von Industrie und Privatkunden decken. Ähnlich äußerte sich auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft: Kein Verbraucher muss Angst haben, dass er in der kalten Wohnung sitzt, sagte Geschäftsführer Martin Weyand.
Vom Lieferstopp ist nach Angaben des Mieterbundes fast jeder zweite Haushalt in Deutschland mittelbar betroffen. Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine um die Lieferung von Gas bedroht mehr als 20 Millionen Haushalte mit Gasheizungen sowie Teile der Stromversorgung und Fernwärmeerzeugung, erklärte der Präsident des Deutschen Mieterbundes (DMB), Franz-Georg Rips. Die Bundesregierung müsse alles daran setzen, die Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen zu verringern. Das Energiesparen und der Ausbau der Öko-Energie müssten verstärkt werden.
Zwei Drittel des Gases aus westeuropäischen Quellen
RWE gab auch für andere Länder teilweise Entwarnung. In Tschechien müsse niemand frieren, hieß es. Zwar komme in das Nachbarland seit der Nacht zu Mittwoch kein Gas aus Russland mehr an. Durch den erhöhten Transport von Erdgas aus Norwegen und die Öffnung von Speichern sei die Lage auch dort entspannt. Die RWE-Tochter Transgas ist der größte Energieversorger in Tschechien. Technisch weit schwieriger sei es in weniger zentral gelegenen Ländern Südosteuropas, russische Lieferungen zu ersetzen, erklärte der RWE-Sprecher. Hier gebe es kaum Ausweichrouten und Alternativ-Pipelines, um Erdgas etwa aus Norwegen anzuzapfen.
Zwei Drittel der für Deutschland bestimmten Erdgaslieferungen stammen aus westeuropäischen Quellen, aus den Niederlanden, Norwegen sowie aus der heimischen Produktion, sagte Energieverbands-Geschäftsführer Weyand. Diese Bezugsquellen könnten auch kurzfristig erhöht werden. Zudem sei es möglich, über Weißrussland russisches Gas zu beziehen.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa
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