07. Mai 2004 Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) sieht den aktuell hohen Ölpreis mit Besorgnis, ist nach Aussage ihres Präsidenten, Purnomo Yusgiantoro, aber derzeit nicht in der Lage, auf die Entwicklung einzuwirken.
Die Gründe für den Anstieg des Ölpreises liegen außerhalb des Einflußbereiches der Opec, sagte der Präsident am Freitag. Er verwies darauf, daß die Fördermenge derzeit bereits um 1,5 bis 2,0 Millionen Barrel pro Tag über dem offiziellen Limit liege.
Eine mögliche Anhebung des aktuellen Preisbandes von 22 bis 28 Dollar werde auf dem nächsten informellen Treffen am 24. Mai in Amsterdam mit Sicherheit beraten, fügte Purnomo hinzu.
Amerikanische Regierung für Senkung des Ölpreises
Die amerikanische Regierung hat die Opec aufgefordert, ihre Rohölförderung zu erhöhen. Nach einem Treffen mit dem amerikanischen Energieminister Spencer Abraham sagte der algerische Ölminister Chakib Khelil, Abraham habe sich für eine Erhöhung der Förderquote ausgesprochen. Ich werde seine Botschaft bei der nächsten Opec-Konferenz überbringen, ergänzte Khelil.
Nach Ansicht des Algeriers gibt es genügend Rohöl auf dem Markt, doch die gespannte Lage im Nahen Osten und die erhöhte Nachfrage aus Asien habe eine neue Situation geschaffen, die die Spekulation anheize.
Ebenso forderte der philippinische Energieminister Vincent Perez die Opec auf, die Fördermenge zu erhöhen, um einen weiteren Anstieg des Rohölpreises zu verhindern. Es wäre eine große Enttäuschung, sollte der hohe Ölpreis die konjunkturelle Erholung bremsen.
Volkswirte rechnen mit Auswirkungen ab Rohölrpreis von 40 Dollar
Volkswirte sehen den rasanten Anstieg der Ölpreise nicht als unmittelbare Bedrohung. Erst ab einem Preis von 40 Dollar für ein Barrel Öl der Nordseesorte Brent wird es eng, sagte Norbert Walter, Chefökonom der Deutschen Bank. Auch der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, rechnet derzeit nicht mit Auswirkungen des Ölpreises auf das Wirtschaftswachstum.
Er verwies darauf, daß sich die Weltwirtschaft in einer robusten Erholung befände. Nach der Sitzung des EZB-Rats am Vortag hatte Trichet jedoch alle Partner aufgefordert, ihrer Verantwortung für die Weltwirtschaft nachzukommen. Dies wird als Signal an die Opec verstanden, den Ölpreis nicht zu hoch steigen zu lassen.
Der Korbpreis für die sieben Rohölsorten der Opec stieg am Donnerstag auf 35,88 Dollar je Barrel, wie die Opec am Freitag in Wien mitteilte. Damit notiert der Korbpreis auf dem höchsten Stand seit dem 15. Oktober 1990. Zudem ist es das höchste Niveau seit der Einführung des Preisbandmechanismus im Jahr 2000. Rohöl der Nordseesorte Brent notierte aktuell bei 37 Dollar je Barrel.
Die Fördermenge der zehn Opec-Mitglieder außer Irak sank der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge im April um 220.000 Barrel auf 25,86 Millionen Barrel pro Tag. Die zehn Opec-Mitglieder übertrafen damit ihre Förderquoten um täglich 2,35 Millionen Barrel.
Text: @nal mit Material von Dow Jones-vwd, Bloomberg
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.
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