
"Frauen in der EU verdienen etwa 15% weniger als Männer, in Deutschland 22%. Welche Gründe hat diese Ungleichbehandlung?"
Schon diese Formulierung ist tendenziös. Welche "Ungleichbehandlung"? Die läge vor, wenn Frauen durchgängig 15 Prozent weniger bekämen. Es handelt sich hier aber de fakto um einen Durchschnittswert. Wie der Artikel zart andeutet, "gehen Berufserfahrung, Aus- und Weiterbildung" in Arbeitsproduktivität und damit Belohnung mit ein. Dazu der gewählte Beruf (eine Frau, die Friseuse lernt, muss sich nicht über zuwenig Gehalt beklagen), die Branche, die Tarifarbeitszeit und die Überstunden. Rechnet man all dies heraus, so ergeben seriöse Untersuchungen, bleibt von den 22 Prozent Gehaltsunterschied nur ein minimaler Rest übrig. Das kann man nicht oft genug wiederholen!
Und dann der Höhepunkt: "Der dritte Grund hat damit zu tun, dass Männer mehrheitlich über Frauenkarrieren entscheiden und Frauen oft direkt diskriminieren." Schöner hätte es eine Erzfeministin auch nicht ausdrücken können. Auf den Gedanken, dass Entlohnung auch etwas mit Leistung und Motivation zu tun hat und dass Unternehmen ohne großen Wettbewerbsdruck evtl. mehr Geld zur Verfügung haben, Leistung stärker zu belohnen, scheint keiner kommen zu wollen.

Ungleichheit bedeutet nicht automatisch Ungerechtigkeit.
Die Ursachen für Ungleichbehandlung sind unzureichend analysiert.
Außerdem sollten die Autorinnen der Untersuchung ihren Geschlechtsgenossinnen mal an die Nase fassen. Wissenschaftliche Studien zeigen nämlich auch, dass Frauen eher auf Nr. Sicher gehen und nicht so risikofreudig verhandeln. Dann kommt auch weniger dabei heraus. Fr. Wissibesser sieht das auch so.
Mehr Wettbewerb soll den Frauen helfen? Kein Problem. Aber weniger Wettbewerb soll Unterdrückung untermauern? Das ist eine starke Annahme! Es gibt nicht nur die Arbeitgeber, sondern auch männliche und weibliche MitbewerberInnen und die weiblichen Bewerber. In einem schwierigen Umfeld gehen Frauen eher auf Nr. Sicher. Das ist auch eine Erklärung ohne Unterdrückung, warum Frauen lieber selbst zurückstecken. Offensichtlich soll das nicht hinterfragt werden.
Metastudien zeigen, dass 40% der Studien die Ergebnisse falsch interpretieren. Wissenschaftliche - auch von Frauen durchgeführte - Studien zeigen, dass sich Frauen beim logischen Denken schwerer tun als Männer. Insgesamt sollten Studien härter durchdacht werden, politisch motivierte Studien noch mehr. Von Frauen durchgeführte Interpretationen noch mehr ;-)

Die Autorinnen unterstellen Männern, Frauen in Niedriglohnsegmente abzuschieben bzw. gar eine Lust an Diskriminierung zu haben. Diffamierender können Unterstellungen kaum ausfallen. Wer nach den waren Unterschieden der Nominallohn-Unterschiede sucht wird in Richtung geleistete Überstunden, Gefahrneigung und Gesundheitsschädigung der Arbeit, mangelnder Leistungsmotivation des Feminats last not least Verhaftetsein des Feminats im traditionellen Rollenmodell fündig.

Ein gute Beitrag, in dem endlich auch Bezug zu empirischer Wirtschaftsforschung und zu sozialwissenschaftlichen Studien genommen wird.
Dennoch gibt es einen wichtigen Kritikpunkt:
Die Definition von Wettbewerb wir nicht klar. Die Indikatoren, die im hinteren Teil beschrieben werden, deuten eher darauf hin, dass so etwas wie "Freiheitsgrade" positiv wirken. Die Argumentation zielt aber in Richtung Wettbewerb. Dieser Zusammenhang hätte dargestellt werden müssen. So ist es auf den ersten Blick beispielsweise nicht offensichtlich, warum staatliche Eingriffe zum Schutz des Wettbewerbs, die Wettbewerbsintensität senken sollen.
Eine Lösung wäre gewesen, bei den anderen Ursachen im Text zu kürzen und den oben beschriebenen Zusammenhang ausführlicher zu behandeln.

Das Eis auf dem sich die EU-Kommission zum Thema Gehaltsunterschiede bewegt, ist wesentlich dünner, als das wenn Ökonomen versuchen, Unterschiede in der Gehaltsstruktur zu erklären. Denn Statistiken über durchschnittliche Einkommen überhaupt nicht geeignet, um sich ein Bild über Gehaltsunterschiede bei den Geschlechtern zu machen.
Beispiel 1:
Annahme: Betrieb mit 1000 Männer und 1000 Frauen.
Alle 1000 Frauen und 999 der Männer bekommen €1000. Einer der Männer ist Chef und gönnt sich €1000000.
Es ergibt sich folgender Durchschnitt in Abhängigkeit vom Geschlecht:
Frauen €1000.
Männer €1999 (!).
Beispiel 2:
Derselbe Betrieb; Frauen erhalten €1000, Männer nur €500. (Der Chef gönnt sich wieder die Million)
Durchschnitt in Abhängigkeit vom Geschlecht:
Frauen €1000
Männer €1499,50 (!)
Bei Verwendung und Vergleich des Zentralwertes (Median) statt ausreißeranfälligen Durchschnittas der wäre die Studie wesentlich aussagekräftiger. (Der Zentralwert ist bei beiden Geschlechtern €1000)
Wenn die Gehaltsstatistiken auf diese Art und Weise gewonnen und interpretiert werden, kann man davon ausgehen, das die feministische Lobby das Märchen der benachteiligten Frau in den Köpfen der Leute festsetzen möchte.

Man kann auch einige im Artikel genannten Problemfeld plakativ machen:
Frauen mußten/durften seit der Industrialisierung gewöhnlich keine Arbeiten in der Schwerindustrie verrichten. Sie haben sich selten mit hochgekrämpelten Ärmeln in der Kampfreihe faustgeballter Männer eingereiht, die um höhere Löhne stritten - auch um ihre nicht oder gering beschäftigte Hausfrau zu ernähren. Manche Frauen waren froh und dankbar, dass ihnen die oftmals überaus gesundheitsgefährdende schmutzige Arbeit der Männer ersparrt blieb.
Kindermädchen, Hausmädchen, Reinigungskräfte u.a. haben nie die Organisationsdichte eines männlichen Klassenkampfes erreicht, vor allem nicht dessen militante Duchschlagsleistung.
Männer beuten problemlos andere Männer, Frauen und Kinder aus - auch weil daheim die geliebte Hausfrau sitzt oder erst noch "erworben" werden muss. Frauen stehen Männer dabei aber nicht nach.
In der jetzigen postindustriellen Phase besteht tatsächlich die Chance auch in Deutschland die Löhne und Gehälter zwischen Mann und Frau anzugleichen.
Männer, die aus der Metallindustrie in z.B Call Center gewechselt haben, können nun gemeinsam mit Frauen um eine bessere Entlohnung streiten.

ist ein nettes Modewort. Leider gibt es eine solche sowohl gleichgeschlechtlich als auch gegenüber dem anderen Geschlecht. Das Frauen direkt benachteiligt werden, weil % mehr Männer in Führungspositionen (derzeit) über ihre Karierre entscheiden ist m.E. eine theoretische Annahme.
Auch den anderen Punkten des Hr. Becker kann man folgen oder es sein lassen, den Beweise für seine Annahmen werden nicht genannt. Einleuchtender erschien mir die in der Studie über og. Modewort genannte Baby-pause für einen Einkommensknick. Dies könnte statistisch durchaus die genannten 22% Gehaltsunterschied erklären. Eine Lösung ist aber nicht durch den Zwang zur Väterpause zu erreichen. In meiner Familie entschied meine Frau mit den Worten, dein Gehalt ist höher, du gehst arbeiten über dieses Thema. Die bessere Qualifikation (s. das neue schwache Geschlecht) wird m.E. für eine Umkehrung des geschlechtsspezifischen (?) Gehaltsunterschiedes wirksamer sorgen, als das EU oder Statistiker oder wer auch immer machen könnte.
Ich bin gespannt ob wir dann auch so schöne Förderprogramme der Marke "Girlsday" zu sehen bekommen, bezweifele es jedoch bereits jetzt stark. ;)