Buchhandel

Online-Buchhandel legt 10 Prozent zu

Der Buchversand über das Internet läuft

Der Buchversand über das Internet läuft

20. Oktober 2005 Der Buchhandel im Internet ist auch zehn Jahre nach seiner Erfindung auf Wachstumskurs. Allerdings fallen die Zuwächse in diesem Jahr wohl kleiner aus als in der Vergangenheit. „5 bis 10 Prozent wird der Markt in diesem Jahr zulegen“, schätzt Albert Hirsch, Vorstandschef der Buch.de Internetstores aus Münster, die mehrheitlich der Douglas Holding und Bertelsmann gehören.

Da der Marktführer Amazon, der nach Schätzungen etwa 55 Prozent des Online-Buchmarktes innehat, seinen Umsatz in Deutschland nicht veröffentlicht, kann das Marktvolumen nur geschätzt werden. Die meisten Fachleute erwarten in diesem Jahr ein Volumen von rund einer halben Milliarde Euro. Allerdings lassen sich die Umsätze mit Büchern und anderen Medienprodukten wie DVDs nicht immer sauber trennen.

Schulbücher sind Wachstumstreiber

Nach Schätzungen von Branchenkennern erzielt Amazon in seiner Buchsparte allerdings kaum noch Wachstum. Im vergangenen Weihnachtsgeschäft hatte der Online-Pionier mit Elektronikprodukten erstmals mehr Umsatz als mit dem Buchverkauf erzielt. Neben Amazon und Buch.de gehört der Augsburger Weltbild-Verlag mit mehr als 100 Millionen Euro Online-Umsatz zu den großen Anbietern.

„Der Markt ist inzwischen verteilt. Neueinsteiger haben es sehr schwer“, sagt Hirsch, dessen Unternehmen in diesem Jahr wohl mehr als 40 Millionen Euro Umsatz erzielen wird. Auch Klaus Driever, der bei Weltbild für das Online-Geschäft verantwortlich ist, erwartet eine weitere Konzentration auf die großen Marken, die sich aber auf mehrere Internetseiten verteilen können. Weltbild besitzt zusätzlich die Seiten Buecher.de und jokers.de, während Bertelsmann seine Buchseite Bol.de an Buch.de verkauft hat.

Als Wachstumstreiber gelten in diesem Jahr die Schulbücher. „Auch das Hörbuch entwickelt sich rapide“, sagt Ralf Kleber, Deutschland-Chef von Amazon. Von Januar bis Ende September ist der Umsatz mit Hörbüchern in Deutschland im Sortimentsbuchhandel, in Warenhäusern und über das Internet um fast 20 Prozent gestiegen, sagte Marc Sieper, Mitglied im Arbeitskreis Hörbuchverlage im Börsenverein des Deutschen Buchhandels, am Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse. Im laufenden Jahr könnte der Umsatz auf bis zu 100 Millionen Euro klettern. Ein Viertel der Verlage vertreibe seine Hörbücher im Internet.

Skepsis gegenüber der Volltextsuche

Umstritten ist in der Branche die Wirkung der Volltextsuche in den Büchern, die neben Amazon auch die Internetsuchmaschine Google vorantreibt. „Viele Bücher, die in der Versenkung verschwunden waren, werden den Kunden mit der Volltextsuche wieder vor Augen geführt“, sagt Kleber. Dabei suchten die Kunden keineswegs nur nach Sachbüchern, sondern auch nach Romanen oder Reiseliteratur. In Amerika hat Amazon den Umsatz mit diesen digitalisierten Büchern um 7 Prozent gesteigert.

Auch in Deutschland sind Zuwächse festzustellen, sagt Kleber. Die verkaufsfördernde Wirkung der neuen Suchtechnik ist aber umstritten: „Die Volltextsuche ist ein großer Hype für die Analysten in Amerika. Man muß diesen gefährlichen Kurs nicht fahren, um erfolgreich Bücher zu verkaufen“, hält Driever dagegen.

Eine Volltextsuche in populären Büchern hält er nicht für notwendig. Weltbild setze lieber auf Detailinformationen zu seinen Produkten. Zum Beispiel können die Kunden 6 bis 7 Seiten eines Buches im Volltext anschauen, um einen Eindruck vom Buch zu erhalten. Auch Hirsch zeigt sich skeptisch gegenüber der Volltextsuche: „Die Vorbehalte vieler Verlage sind nicht von der Hand zu weisen.“

Einen Wachstumsschub in der Branche erwartet Driever von der schnell steigenden Zahl der Breitbandanschlüsse in Deutschland. „Nach unseren Erfahrungen aus den Niederlanden und der Schweiz geht das Wachstum gigantisch nach oben, wenn Breitbandanschlüsse weiter verbreitet sind. Dieser Prozeß setzt nun auch bald in Deutschland ein. Daher wird der Online-Anteil am Markt für populäre Bücher nicht nur auf 20 Prozent, sondern in den kommenden 5 Jahren sogar auf 25 bis 30 Prozent wachsen“, erwartet Driever. Heute liegt der Anteil an diesem Buchsegment bei rund 15 Prozent.

Text: ht., F.A.Z., 20.10.2005
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

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