Bahn

Offenbar kein eigener Tarifvertrag für die GDL

Von Matthias Müller, Berlin

Werden GDL und Deutsche Bahn nächste Woche zueinander finden?

Werden GDL und Deutsche Bahn nächste Woche zueinander finden?

23. November 2007 In Berlin mehren sich die Anzeichen, dass die Deutsche Bahn auch in ihrem neuen Angebot den Lokführern keinen eigenständigen Tarifvertrag angeboten hat. „Die Bahn kommt der Gewerkschaft in diesem Punkt nicht entgegen“, ist im Umfeld des Unternehmens zu hören. Dennoch wird in Bahnkreisen erwartet, dass die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) das nunmehr sechste Angebot der Bahn als Basis für neue Tarifverhandlungen akzeptieren werde. Dann könnten die Bahnkunden aufatmen, denn während dieser Tarifverhandlungen besteht für die Lokführer Friedenspflicht.

Am Montag kommender Woche wolle die GDL mitteilen, ob sie mit der Bahn wieder verhandeln werde, teilte die Gewerkschaft am Freitag mit. An der GDL-Entscheidung ist demnach nicht nur der Vorsitzende Manfred Schell, sondern der gesamte Hauptvorstand und die Tarifkommission der Gewerkschaft beteiligt. Offenbar geht in der Gewerkschaft die Meinungen über das Bahn-Angebot weit auseinander.

Neuer Ärger droht

Unter Druck: Bahnvorstand Margret Suckale

Unter Druck: Bahnvorstand Margret Suckale

Unklar bleibt jedoch, mit welchem Angebot die Bahn die GDL zum Einlenken in dem seit Monaten schwelenden Tarifkonflikt bewegen möchte. Die Lokführer pochen auf einen eigenständigen Tarifvertrag und fordern eine deutliche Lohnerhöhung, die nach Vorstellungen Schells im „zweistelligen Bereich“ liegen sollten. Allerdings sind der Bahn bei ihrem Angebot an die GDL die Hände gebunden. Bahn-Personalvorstand Margret Suckale betonte bis zuletzt, dass der Konzern der Forderung nach einem eigenständigen Tarifvertrag nicht nachkommen werde.

Doch wenn die Bahn den Lokführern statt eines eigenständigen Tarifvertrags ein Angebot vorlegt, das die Ergebnisse des Abschlusses mit den beiden anderen Bahn-Gewerkschaften Transnet und GDBA vom Juli dieses Jahres übertrifft, droht dem letzten großen Staatskonzern neuer Ärger. Denn die Bahn hatte Transnet und GDBA zugesichert, keinen besseren Tarifvertrag mit der GDL abzuschließen. Sollte das doch der Fall sein, könnten die beide Gewerkschaften ihren Abschluss kündigen. Transnet-Chef Norbert Hansen hatte deshalb schon einmal mit Streiks gedroht. Im Juli hatte sich die Bahn für 134.000 Beschäftigte mit Transnet und GDBA auf eine Einmalzahlung für Juli bis Dezember dieses Jahres von 600 Euro und eine Lohnerhöhung von 4,5 Prozent vom Januar kommenden Jahres an verständigt.

Geißler mahnt zur Mäßigung

Der CDU-Politiker Heiner Geißler, der neben Kurt Biedenkopf versuchte, die Auseinandersetzung zwischen Bahn und GDL als Moderator zu schlichten, rief beide Seiten auf, keine radikalen Positionen zu vertreten. „Ein eigenständiger Tarifvertrag ist dann möglich, wenn er in der Verantwortung für das Gesamtunternehmen Bahn und mit Rücksicht auf die anderen Mitarbeiter abgeschlossen wird“, sagte Geißler der Nachrichtenagentur dpa. Allerdings breche die deutsche Wirtschaft nicht zusammen, wenn durch den Streik mal ein paar Tage lang die Züge nicht ankämen, sagte Geißler. Wirtschaftliche Schäden entstünden bei jedem Streik, anders könne eine Gewerkschaft ja keinen Druck ausüben.

Auch die GDBA hat ihre Forderungen nach Einkommensverbesserungen für alle Bahn-Beschäftigte bekräftigt. Man müsse sich im kommenden Jahr mit der Bahn auf verbesserte Entgeltstrukturen einigen. Wegen der „Komplexität der Materie“ sei zwar in diesem Jahr nicht mehr mit einem Abschluss zu rechnen. Doch wolle man zumindest deutliche Signale, dass es bereits im kommenden Jahr „erste materielle Erhöhungen“ für die Eisenbahner geben werde, sagte der GDBA Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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