Marktbericht

Kursfeuerwerk nach dem Sturzflug

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24. Januar 2008 Am deutschen Aktienmarkt ist es am Donnerstag zu einer massiven Kurserholung auf breiter Front gekommen. Der Dax gewann 5,9 Prozent oder 381,86 auf 6.821,07 Punkte und schloss damit nur knapp unter dem Tageshoch von 6.854,98 Punkten. Der MDax kletterte um 5,2 Prozent auf 8.485 Zähler, der TecDax um 5,1 Prozent auf 767 Stellen.

Teilnehmer meinten, die Korrektur mit dem scharfen Kurseinbruch der vergangenen Tage sei vermutlich fürs erste ausgestanden. Nachbeben seien zwar in den kommenden Wochen möglich, hieß es. Denn eine längerfristige Bodenbildung benötige vermutlich Zeit. Die Mittwoch-Tiefs mit dem Future-Tief aus dem Späthandel von 6.380 Punkten sollten allerdings zumindest mittelfristig nicht mehr unterschritten werden.

Société Générale an allem Schuld

Baisse und Hausse - Bär und Bulle

Baisse und Hausse - Bär und Bulle

Erleichtert nahmen Anleger nun auch eine erste Erklärung zum Kurssturz von Montag bis Mittwoch auf. Anscheinend habe die Societe Generale wegen eines mutmaßlichen Betrugsfalls in Europa Positionen von 50 Milliarden Euro bis 100 Milliarden Euro zwangsliquidiert. Das Gute daran sei, dass ein Stück der Unsicherheit wegen des extremen Kursverfalls vom Markt genommen sei.

Widerstände sehen Analysten nun bei 6.880 und 6.970 Punkten. Sollte der Dax den Freitag Richtung 7.000 Punkte beschließen, deute der Wochenchart auf deutliche Entspannung hin, heißt es. Nach unten sei der Dax um 6.750 Punkte unterstützt.

Der Dax profitierte mit den starken Gewinnen zum einen von den günstigen Vorlagen der amerikanischen Börsen und aus Asien. An Wall Street war es im Späthandel zu einer Schlussrally gekommen, die dem Index nach einem schwachen Start ein Plus von 2,5 Prozent beschert hatte. Daneben profitierte die Stimmung auch von einem nicht erwarteten Anstieg des ifo-Geschäftsklima-Index. Die Konjunkturängste ließen so etwas nach. Außerdem hoben gute Unternehmensberichte die Stimmung, so von Siemens und Nokia.

Erholung auf breiter Front

Besonders deutlich stiegen die Titel, die in den vergangenen Tagen sehr stark verloren hatten. So gewannen Allianz 11,3 Prozent auf 123,85 Euro. Allianz hat erste Zahlen zum vergangenen Jahr vorgelegt. Angesichts eines Gewinns von 8 Milliarden Euro sprachen Analysten
von starken Ergebnissen. Auch Deutsche Börse legten zweistellig zu, sie stiegen um 11,4 Prozent auf 114,13 Euro. Sal. Oppenheim hat die Aktie auf „Strong Buy“ hochgestuft.

Am Ende dann doch: Gewinne an der Wall Street

Am Ende dann doch: Gewinne an der Wall Street

Tui gewannen nach der Dividendenankündigung 8,9 Prozent auf 14,51 Euro. Der Reiseveranstalter hat am Vorabend die Wiederaufnahme von Dividendenzahlungen angekündigt. Sie soll für das laufende Jahr bei 0,25 Euro liegen. Auch Münchener Rück und Metro legten um mehr als 8 Prozent zu, Deutsche Postbank gewannen sogar 9,5 Prozent auf 56,14 Euro.

Als stützend auch für den Gesamtmarkt erwiesen sich die vorbörslich veröffentlichten Quartalszahlen von Siemens. Diese wurden im Handel als „durchweg positiv bezeichnet“. Besonders hervorzuheben seien der Ordereingang, das Ergebnis der fortgeführten Geschäftstätigkeit und das erhöhte Margenziel für die Energiesparte. Siemens legten um 2,5 Prozent auf 84,30 Euro zu. Gedämpft wurde der Kursanstieg von der nach wie vor schwelenden Korruptionsaffäre.

Gnädige Stimmung

Zu den Zahlen der Deutschen Post vom Vorabend hieß es, dass sich diese im Rahmen der Erwartungen bewegten. Die gemeldete Abschreibung von rund 600 Millionen Euro auf das amerikanischen Geschäft sei leicht positiv zu sehen, sagte ein Händler: „Hauptsache das Problem wird angegangen“. Zum weiteren Vorgehen mit dem amerikanischen Geschäft mutmaßte ein Analyst, dass die Post wahrscheinlich eine Sanierung einem ebenfalls möglichen Verkauf vorziehe. Deutsche Post kamen um 4,4 Prozent auf 21,43 Euro voran.

Auch in der zweiten Reihe gab es Titel mit zweistelligen Gewinnen, so Hochtief, Deutz, Klöckner & Co, Krones, K+S, Wacker Chemie, Aixtron, Nordex sowie, nach Geschäftszahlen, AT&S und Software AG. TecDax und MDax gewannen beide gut 5 Prozent.

Arbeitsmarktdaten und Rettungsmaßnahmen helfen amerikanischen Börsen

Dank der Hoffnung auf weitere Rettungsaktionen der amerikanischen Zentralbank und Regierung haben die amerikanischen Börsen am Donnerstag Kursgewinne verzeichnet. Positive Daten zum amerikanischen Arbeitsmarkt halfen den Anlegern, sich den zweiten Tag in Folge wieder für Käufe zu entscheiden. Beachtung fanden besonders Unternehmensergebnisse von Technologie-Unternehmen. Die Stimmung ist jedoch von großer Nervosität geprägt.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte liegt im Mittagshandel um 0,7 Prozent im Plus bei 12.356 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 legt 0,8 Prozent auf 1349 Zähler zu, der Index der Technologiebörse Nasdaq 1,5 Prozent auf 2351 Stellen.

In den Vereinigten Staaten haben in der vergangenen Woche unerwartet weniger Menschen Arbeitslosenhilfe neu beantragt. Das ist der niedrigste Stand seit September und der vierte Rückgang in Folge. Experten hatten mit einem Anstieg gerechnet. „Die Anträge für Arbeitslosenhilfe waren etwas besser als erwartet“, sagte Cleveland Rueckert von Birinyi Associates. „Viele Investoren und Händler sehen diese Zahl als wegweisend für die Gesamtwirtschaft, besonders da es in dieser Woche kaum Konjunkturdaten gibt.“

Rechnen auf Zinsgeschenke

Börsianer stützten sich auch auf die Erwartung, dass die amerikanische Notenbank Fed mit weiteren Zinssenkungen die Wirtschaft stabilisieren und dem angeschlagenen Bankensektor helfen will. Die Währungshüter hatten den Leitzins überraschend am Dienstag gesenkt, Börsianer gehen nun von einem weiteren Zinsschritt in der kommenden Woche aus. Auch die Aussicht auf ein Konjunkturprogramm der amerikanischen Regierung half den Kursen.

Experten erwarten nun, dass sich die Lage stabilisiert. „Die Märkte haben eine Rezession eingepreist, und wir werden einen normaleren Handel auf einem niedrigeren Level sehen“, sagt Stephen Massocca von Pacific Growth Equities.

Im Fokus standen die Technologiewerte. Ebay-Titel brechen um knapp sechs Prozent ein. Der Internethändler hatte eine Umsatzwarnung herausgegeben. Zudem tritt die legendäre Chefin Meg Whitman nach zehn Jahren an der Spitze ab.

Zu den Verlierern gehören auch die Aktien von AT&T, die nach den Quartalszahlen um 0,52 Prozent nachgaben. Erwartet wird nach Börsenschluss in New York auch das Ergebnis von Microsoft. Die Papiere des weltgrößten Softwarekonzerns liegen 2,69 Prozent im Plus.

Die Aktien von Qualcomm steigen dagegen um mehr als zehn Prozent, nachdem der Handyzulieferer am Vorabend einen kräftigen Gewinnanstieg vermeldet hat.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, dpa, Natascha Vlahovic, FAZ.NET, reuters

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