Von Birgit Obermeier
26. Januar 2007 Jemanden zu kennen, der einen kennt - das hat sich bei der Jobsuche schon immer ausgezahlt. Schließlich vertrauen Chefs bei der Stellenbesetzung gern auf Empfehlungen aus den eigenen Reihen - mittlerweile sogar mehr als auf klassische Suchwege. Einer Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge wurden 2005 knapp 40 Prozent aller offenen Stellen (auch) über eigene Mitarbeiter beworben. Und: In mehr als vier von fünf Fällen wurden die Unternehmen auf diesem Weg fündig - während Stellenanzeigen nur zu 58 Prozent zum Erfolg führten. Vitamin B ist damit der sicherste Weg zu einem neuen Job.
Manche Firmen zeigen sich ihren Mitarbeitern erkenntlich für ihre Personal-Empfehlungen. So loben etwa Commerzbank, Citibank, Microsoft und Accenture für die erfolgreiche Vermittlung eines neuen Kollegen eine Kopfprämie in Höhe von 1.500 Euro aus. Die Deutsche Börse und KPMG legen noch mal 1.000 Euro oben drauf, der comdirect Bank ist der Tipp immerhin 500 Euro wert. Welche Köpfe ihr Arbeitgeber aktuell sucht, können die Mitarbeiter in der hauseigenen Jobbörse im Intranet einsehen.
Prämien bei Vertragsabschluß
Für Hobby-Headhunter sind die Prämien ein respektables Zuckerl, für die Firmen ein vergleichsweise kostengünstiges Rekrutierungsinstrument. Ein Risiko, dass die Mitarbeiter wahllos Nachbarn und Sportsfreunde empfehlen, besteht nicht: Fällig wird das Kopfgeld erst bei Erfolg - in einigen Firmen bei Vertragsunterzeichnung, in anderen nach Ende der Probezeit. Um Missbrauch vorzubeugen, sind Führungskräfte von den Prämienzahlungen in der Regel ausgeschlossen.
Entstanden sind diese Mitarbeiter werben Mitarbeiter-Programme zumeist zu Zeiten der New Economy, als der Markt leer gefegt war und weder Stellenanzeigen noch Headhunter das benötigte Personal aufspüren konnten. Die ausgelobten Prämien waren teils horrend, viele Programme lösten sich mit der Dotcom-Blase auf. Bei den verbliebenen handelt es sich allerdings um weit mehr als eine sentimentale Reminiszenz.
Manche Firmen haben auf diesem Weg in den vergangenen Jahren mehrere Hundert Mitarbeiter geheuert. Zum Beispiel Accenture: Die Unternehmensberatung rekrutiert nach eigenen Angaben im deutschsprachigen Raum aktuell jährlich rund 1.000 Mitarbeiter. Zwischen 12 und 15 Prozent davon gingen auf Tipps aus den eigenen Reihen zurück, so Recruiting-Leiterin Judith Kederer. Commerzbank, Microsoft und Citibank - letztere stellte in den vergangenen fünf Jahren 1.200 neue Mitarbeiter ein - besetzen mehr als jede fünfte Stelle über ihr internes Werbeprogramm.
Authentische Stellenbeschreibung
Dessen größter Vorteil liege in der Darstellung der internen Sicht, so die Verantwortlichen: Keine Stellenanzeige kann die Citibank so authentisch beschreiben wie ein Mitarbeiter, erläutert Knut Krämer, der das Personalmarketing der Bank leitet. Was muss ich können? Wie lange arbeiten? Mit welcher Art Leute habe ich dort zu tun? Wie tickt das Unternehmen? All das kann der Interessent seinen Bekannten zwanglos bei einem Bierchen fragen - und darauf hin entscheiden, ob sich für ihn eine Bewerbung überhaupt lohnt. Die potentiellen Kandidaten wissen, was auf sie zukommt, bestätigt Judith Kederer von Accenture. Umgekehrt können auch die eigenen Mitarbeiter sehr gut abschätzen, ob ihr Bekannter fachlich und persönlich ins Unternehmen passt.
Weiterer Vorteil für die Unternehmen: Über ihre eigenen Mitarbeiter erreichen sie auch Kandidaten, die gerade nicht aktiv auf Jobsuche sind und daher keine Annoncen lesen. Von einem Bekannten lassen sich möglicherweise leichter von ihrem derzeitigen Arbeitgeber abwerben als von einem unbekannten Headhunter. Das ist insbesondere bei der Rekrutierung von Fachleuten von Bedeutung, die in verschiedenen Branchen bereits wieder händeringend gesucht werden.
Gute Mitarbeiter ziehen gute nach
Profi-Headhunter erkennen das Potential der Werbeprogramme durchaus an: Gute Mitarbeiter ziehen weitere gute nach, sagt Sörge Drosten, Partner bei Deutschlands größter Personalberatung Kienbaum Executive Consultants. Gleichzeitig gelte aber auch, dass B-Leute oft C-Kandidaten heuern. Damit auch der Beste - und nicht der am besten Vernetzte - den Job bekommt, müssten die empfohlenen Bewerber den regulären Bewerbungsprozess durchlaufen, so Drosten. In den meisten Firmen ist das auch der Fall. Allerdings: Man schaut vielleicht ein bisschen genauer drauf, gesteht Tim Ackermann, Senior Recruiting Manager bei Microsoft.
Sorge um ihr Geschäft müssen die Profi-Headhunter jedoch nicht haben. Denn Auch die Suche per Mundpropaganda hat ihre Grenzen. Wo diese liegen, darüber sind die Meinungen geteilt. Firmen wie Accenture oder Adidas gewinnen auf diesem Weg vorwiegend Berufseinsteiger. Microsoft-Mann Ackermann hingegen versichert: Am besten läuft's im Mittelfeld. Schließlich könne das Netzwerk der Mitarbeiter erst nach ein paar Jahren Berufserfahrung zum Tragen kommen. Die Suche nach Managern, darin herrscht jedenfalls Einigkeit, ist und bleibt jedenfalls Sache der Profis.
Text: FAZ.NET
Internationaler Finanzmarkt: Keine Eile mit dem ![]()
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