Karrieresprung

Frauenwirtschaft

Von Syrah Thiel

Karrieresprung - bei FAZ.NET

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30. Juni 2006 Mittlerweile wird fast jedes dritte neu gegründete Unternehmen von einer Chefin geführt. Laut Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie wächst der Frauenanteil bei den Selbständigen. Die Zahl der weiblichen Unternehmerinnen in Deutschland stieg von 1993 bis 2003 um 239.000 auf eine Million.

„Ich wollte mehr Verantwortung und komplexere Aufgabenstellungen. Als Angestellte hätte ich darauf Jahre warten müssen. Für mich war daher bereits während des Studiums klar, daß ich mich einmal selbständig machen werde.“ Die konkrete Geschäftsidee kam Mihaela Homana dabei nicht etwa über Nacht. Dahinter steckte handfeste Arbeit, in Form von intensivsten Recherchen, Analysen und Diskussionen mit ihrem heutigen Geschäftspartner.

Mihaela Homana

Mihaela Homana

Die Teilnahme an zwei Businessplanwettbewerben half schließlich, die Idee zu vollenden. Gemeinsam mit Amit Shah, einem ehemaligen Kollegen, gründete sie die Firma E-Senza Technologies und beendete Ihre Anstellung als Informatikerin bei Siemens. Ihr Unternehmen entwickelt stromarme Funklösungen für die Vereinfachung und Verbesserung der Datenkommunikation zwischen Meßgeräten und Steuerungen.

Aufgrund der vielen Anfragen von Firmen aus dem Umwelt- und Energiemanagement, der Logistik und Gebäudetechnik erwartet Homana, daß sie in einem Jahr schwarze Zahlen schreiben werden. Die heute 27jährige schaut optimistisch in die Zukunft. Das Selbstvertrauen der jungen Frau in die eigenen Stärken wirkt mitreißend. Das zahlte sich offenbar auch in den Verhandlungen mit der Bank aus. Die Finanzierungen bei der KfW Bank waren, so Homana, keine Hürde, genauso wenig wie die Tatsache, daß sie als Frau in einem eher männerdominierten Bereich gründete.

Hochqualifizierte Gründerinnen

Der Anteil der Hochschulabsolventinnen unter den Gründerinnen liegt bei 18 Prozent und damit 4 Prozentpunkte höher als bei den Männern. Damit haben Frauen auch hier die Männer in Bezug auf die höchsten Bildungsabschlüsse überholt. Mittlerweile verfügt jede vierte Gründerin über einen Fachhochschul- beziehungsweise einen Universitätsabschluß. In nur zehn Jahren hat sich die Zahl der selbständigen Frauen, die über einen dieser Abschlüsse verfügen, auf etwa 277.000 erhöht und damit mehr als verdoppelt. Robert Strohmeyer, Soziologe am Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim, spricht in diesem Zusammenhang von einem Akademikerinnenboom.

Für Claudia Erben, Geschäftsführerin des Forum Kiedrich, einem bald 10 Jahre bestehenden Netzwerk von Mentoren, Gründern und Business Angels, schlägt sich das in einer tendenziell höheren Erfolgsquote weiblicher Gründer nieder. Ihrer Erfahrung nach machen sich hochqualifizierte Frauen oft deshalb zur eigenen Chefin, weil sie die Beschränkungen in Unternehmen umgehen wollen, an die sie früher oder später stoßen. Egal, ob es sich dabei um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie handelt oder um den Wunsch, größere Verantwortung zu übernehmen.

Interessanterweise scheint das Netzwerken dieser 'Women in Leadership' ausgeprägter zu sein als das bei den Männern der Fall ist. „Frauen tun sich leichter darin, sich Tips zu holen und insofern sich auch über Lösungswege auszutauschen. Männer sprechen meist nur gern über Erfolge.“

Zukunftsweisende Gründungen von Frauen

Doris Ludwig

Doris Ludwig

Trotz der gewachsenen Akzeptanz, Karrierepfade mit Unternehmensgründungen zu verbinden, sind Frauen gerade in den wachstumsstarken technologie- beziehungsweise wissensorientierten Bereichen eher selten vertreten. Weshalb der Frauenanteil hier so gering ist, dazu veröffentlichte die bundesweite Gründerinnenagentur im Oktober 2005 eine Sammlung von Daten. Offenbar ist bereits die Wahl des Studienfaches entscheidend. Und die Entscheidung für ein Studium wird wiederum von der schulischen Ausbildung und den vorherrschenden sozialen Rollenbildern beeinflußt.

Wie wichtig die Vorbildfunktion von Lehrern und ein interessanter Unterricht für die eigene Studienwahl sind, bestätigt auch Doris Ludwig. Sie studierte Architektur und machte sich mit ihrer Firma „Cameleons cross-media-design“ vor einem Jahr selbständig. Da sowohl ihr Physikunterricht als auch ihr Deutsch- und Kunstunterricht sehr spannend war, wollte sie unbedingt ein Fach studieren, das gleichermaßen technischen als auch gestalterischen Hintergrund hat und beide Bereiche miteinander verknüpft. Und bereits während des Studiums bildete sich bei ihr der Wunsch, sich in der Informationsbranche selbständig zu machen. Heute berät sie Unternehmen in der Planung des Informations- und Mediendesigns und setzt diese um. „Ich wollte immer mehr machen als 'nur' einem Beruf nachzugehen. Ich liebe es, Ideen zu verwirklichen, alte Wege zu verlassen, zu entdecken und zu entwickeln.“

Während ihrer Zeit als Mitarbeiterin in Architekturbüros fühlte sie sich eingeschränkt, zu festgelegt auf eine Methodik, zu stark dem Unternehmen und weniger dem Kunden verpflichtet. Das ist jetzt anders. Wie bei Homana stand auch bei Ludwig nicht das Geldverdienen im Vordergrund. Und arbeiten muß sie deutlich mehr als eine Festangestellte. Das aber macht ihr Spaß. „Ich habe mich mit meiner Selbständigkeit für die Chance entschieden, etwas Neues zu schaffen, und mir jeden Tag meine Wege selbst bestimmt zu suchen. Dafür habe ich in vielen Bereichen erhebliche Einbußen hingenommen, denn gerade private Interessen rutschen in der Aufbauphase sehr schnell in den Hintergrund oder sind mit dem Aufbau einer Firma nicht zu vereinbaren.“

Networking für Gründerinnen

„Networking ist das allerwichtigste, wenn man eine Firma hat. Man weiß nie, ob sich über ein Gespräch nicht ein geschäftsrelevanter Kontakt ergibt.“ Homana engagiert sich daher nicht nur im Bodenseenetzwerk, sie gehört auch dem Forum Kiedrich Netzwerk (www.forum-kiedrich.de) an. Auch Ludwig hat erkannt, wie extrem wichtig Kontakte für ihre Arbeit sind. Dabei geht es ihr nicht nur um Aufträge. Wichtig ist auch der Austausch, die Möglichkeit, von anderen zu lernen.

Zwar gibt es auf lokaler und regionaler Ebene bereits Netzwerke für Gründerinnen. Um diese jedoch zu bündeln und zu vernetzen, hat der Bund eine bundesweite Agentur für Gründerinnen geschaffen (www.gruenderinnenagentur.de). Das Service-Angebot reicht von Hintergrundinformationen, über Praxis-Tips bis hin zu Kontakt- und Ideenbörsen. Die Gründerinnen Homana und Ludwig glauben, daß Frauen aufgrund ihrer Sozialisation stärker als Männer auf Vorbilder angewiesen sind. Sie kommunizieren daher sehr offen, welche Lust sie an der selbst bestimmten Arbeit haben und welche Freiräume sie als Firmengründerinnen genießen.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: Archiv

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Postbank Finance Award 2009: „Lehren aus der Finanzkrise“. Die Beiträge des Hochschulwettbewerbs geben Impulse und fundierte Antworten.

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