15. April 2005 Mit dem Kauf der britischen NOP World katapultiert sich Deutschlands größtes Marktforschungsinstitut GfK in die Weltspitze. Dank der künftigen Umsätze aus der bisher weitaus größten Akquisition der Firmengeschichte wird die GfK-Gruppe 2005 erstmals die Umsatzmarke von einer Milliarde Euro übertreffen. Zugleich verkürzt die weltweite Nummer fünf den Abstand zu den vor ihr liegenden Unternehmen deutlich und greift sie auf deren Heimatmärkten Großbritannien und Vereinigte Staaten an.
Bekannt ist die GfK in Deutschland vor allem durch die Messung der TV-Einschaltquoten und den monatlichen Konsumklima-Index. Doch dies ist nur ein kleiner Teil des weltweiten Geschäfts. So hat die Gruppe in den vergangenen Jahren in Nord- und Südamerika expandiert und die Marktforschung auf dem Gesundheitssektor (Healthcare) stark ausgebaut.
Noch gut ein Drittel des Umsatzes wurde 2004 im Inland erzielt, wo 1500 der 5500 Mitarbeiter tätig sind. Mit dem Erwerb der in Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Italien tätigen NOP World, einer Tochter des britischen Medienkonzerns United Business Media, wird die Bedeutung des Inlandsgeschäfts weiter sinken.
1500 neue Mitarbeiter kommen hinzu
1500 neue Mitarbeiter kommen hinzu. Sie erwirtschafteten 2004 den Angaben zufolge einen Umsatz von umgerechnet 321 Millionen Euro. Die GfK-Erlöse von 671 Millionen Euro hinzugerechnet, ist die Milliarde schon fast erreicht. Wir wollen uns im Konzert der Großen behaupten, sagt GfK-Chef Klaus Wübbenhorst. NOP World, weltweite Nummer zehn der Branche, wird voraussichtlich nicht die letzte Neuerwerbung in diesem Jahr sein. Denn die Kriegskasse ist gut gefüllt. Finanzmittel sind kein Engpaß, sagt Wübbenhorst.
Der Kaufpreis für die Briten in Höhe von umgerechnet 550 Millionen Euro soll aus Kreditlinien finanziert werden, die der GfK speziell für Akquisitionen zur Verfügung stehen. Die bisherige Nummer vier der Branche, die britische Kantar Group (Umsatz 2004: 1,0 Milliarden Euro), könnte daher in diesem Jahr schon überflügelt werden. Auch Taylor Nelson Sofres aus Großbritannien und IMS Health aus Amerika (beide 1,4 Milliarden) rücken näher. Weit entfernt ist nur noch Branchenführer VNU aus den Niederlanden (2,75 Milliarden).
Die Gfk als Übernahmekandidat?
In den Vereinigten Staaten, dem weltweit größten Marktforschungsmarkt, sieht sich die GfK-Gruppe dank der Neuerwerbung nun bereits auf Platz sechs, im zweitgrößten Markt Großbritannien unter den Top drei. Größere Rückschläge erwartet Wübbenhorst nicht, denn: Fast 60 Prozent der Umsätze stammen aus kontinuierlicher Forschung, die in der Regel wenig konjunkturabhängig ist und auf langfristigen Verträgen basiert. Die Gefahr, daß die GfK selbst zum Übernahmekandidaten wird, sieht der Vorstandschef nicht. Der GfK-Verein mit etwa 800 Mitgliedern - Unternehmen und Privatpersonen - hält als Großaktionär 64 Prozent des Aktienkapitals. Nachteil dieser Konstruktion: Der Umsatz mit der Aktie ist gering (GfK-Aktie hinkt neuerdings dem SDax etwas hinterher), laut Wübbenhorst bisher das Haupthindernis für eine Wiederaufnahme der Aktie aus dem SDAX in den MDAX. Der Anteil des Großaktionärs soll deshalb sinken - freilich nicht so weit, daß die GfK Opfer einer feindlichen Übernahme werden könnte.
Text: dpa
Bildmaterial: dpa
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