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Die demographische Zeitbombe

28. April 2005 An mahnenden Worten fehlt es nicht. Den demographischen Wandel in Deutschland vergleichen Bevölkerungsforscher mit einer Zeitbombe. "Wir leben vier Jahre länger als unsere Eltern, unsere Kinder vier Jahre länger als wir", sagt Axel Börsch-Supan, Direktor des Mannheimer Forschungsinstituts Ökonomie und demographischer Wandel. Dieser Alterungsprozeß sei einmalig. Verbunden mit einer äußerst niedrigen Geburtenrate, ergibt sich eine enorme Herausforderung für die Sozialsysteme, für die gesamte Infrastruktur und für die Wirtschaft.

Allein steht Deutschland nicht, auch die Bevölkerung Italiens und Japans altert stark. Während die Vereinten Nationen für die Weltbevölkerung bis 2050 ein Wachstum von mehr als einem Viertel prognostizierten, erwarten sie für die erweiterte Europäische Union einen Bevölkerungsrückgang.

Reformen der Dramatik noch nicht angemessen

Die Warnungen dringen langsam ins Bewußtsein. Zwei Drittel der Bundesbürger sind sich des Alterungs- und Schrumpfungsprozesses bewußt, hat jüngst eine Umfrage für die Bertelsmann-Stiftung gezeigt. Die jüngsten Versuche zur Reform der sozialen Sicherung tragen den dramatischen Veränderungen noch nicht wirklich Rechnung.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat in den vergangenen Wochen auf Sonderseiten einen Aufriß über die Schwierigkeiten geben, die insbesondere den Alterssicherungssystemen durch den demographischen Wandel entstehen.

Im Herbst will sich auch die Bundesregierung abermals der Reform der Alterssicherung zuwenden, die Rürup-Kommission hat schon Vorschläge unterbreitet. Für die Union arbeitet der frühere Bundespräsident Roman Herzog an Reformplänen. Diesmal könnte weit gesprungen werden. Tabus beim Nachdenken soll es nicht mehr geben. Geprüft wird alles - von der Grundrente über stärkere Kapitaldeckung bis hin zur Anhebung des Rentenalters oder einer Staffelung der Rente nach Kinderzahl.

Text: hig., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.08.2003, Nr. 181 / Seite 12Auftakt zur Serie am 7. August, weitere Teile erschienen am14. August (Teil 2: Das gesetzliche Rentensystem ist bedroht)21. August (Teil 3: Wie das Ausland für das Alter sorgt)27. August (Teil 4: Alternativen und Ergänzungen zum Umlagesystem)4. September (Teil 5: Pflegefall Krankenversicherung)11. September (Teil 6: Die Politik bastelt an der Rente)19. September (Teil 7 und Schluß: Das längere Leben als wirtschaftliche Herausforderung)
Bildmaterial: F.A.Z.

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Interview

Merkel: Keine Bedürftigkeitsprüfung bei Kopfprämien

Merkel will den sozialen Ausgleich bei den Kopfprämien solidarischer gestalten

Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel im F.A.Z.-Interview über ihre Reformvorschläge zur sozialen Sicherung, über boshafte Kritiker und die Verhandlungsstrategie der Union.

Demographie

Weniger Hände und Köpfe

Im Jahr 2050 soll es sieben Millionen Bundesbürger weniger geben. Der Bevölkerungsverlust drückt schon jetzt auf das Wirtschaftswachstum, und das wiederum beeinflußt die Investitionen und Pro-Kopf-Einkommen.

Stellschrauben (2)

Eine Gratwanderung zwischen Beitragssatz und Rentenniveau

Spezial Trotz ihrer Regelgebundenheit ist die Rente im Umlagesystem immer Spielball der Politik gewesen. Mal ging es um sozialpolitisch motivierte Rentenleistungen ohne Beitragszahlungen; dann wurden die Lasten der deutschen Einheit auch der Rentenkasse aufgebürdet.

Meinung

Was ist Generationengerechtigkeit?

Nachdenken über die Verteilung der Lasten zwischen den Generationen

Drei Politiker, ein Wirtschaftswissenschaftler und ein Gesellschaftsethiker definieren für sich den Begriff und sprechen über ihre Ansichten und Lösungen für das Problem.

Ausland (3)

Die kapitalgedeckte Zusatzrente kommt in Mode

Spezial Die Alterung der Bevölkerung ereilt in den kommenden Jahrzehnten alle großen Industriestaaten, wenn auch nicht im gleichen Ausmaß. Allerorten wird das demographische Problem für die Rentenkassen erkannt, und es werden Lösungen gesucht.

Sozialkassen

An der Alterung drohen die Sozialsysteme zu zerbrechen

An der demographischen Entwicklung Deutschlands drohen die Systeme der sozialen Sicherung zu zerbrechen. Denn der Generationenvertrag funktioniert nicht mehr. Der Reformdruck steigt.

Umlagesystem (4)

Zwischen Steuerfinanzierung und Kapitaldeckung

Spezial Jenseits des politischen Pragmatismus hält die Debatte über die Rentenreform weitreichende Vorschläge bereit: Staatliche Grundrenten und private Altersvorsorge sind nur zwei davon.

Immigration

Zuwanderung kann das Bevölkerungsproblem nur mildern

Einwanderer sind flexibel, jung und entlasten die Sozialkassen. Wollte man so aber den Bevölkerungsverlust ausgleichen, bräuchte Deutschland ab 2030 jährlich 800.000 Immigranten netto.

Pflegefall Krankenversicherung (5)

Zwischen Rationierung und höheren Beiträgen

Spezial Auf lange Frist ist die gesetzliche Krankenversicherung in ihrer heutigen Form nicht mehr finanzierbar. Doch einen klaren Ausweg aus dem demographischen Dilemma weisen auch die Fachleute nicht. Der Streitgeht weiter.

Rentenformel

Wie die Renten errechnet werden

Das deutsche Rentenrecht ist zugleich einfach und ungeheuer kompliziert. Jede Rente ergibt sich aus der Multiplikation von vier Faktoren. Doch das Ergebnis wird noch einmal modifiziert.

Pro und Contra (6)

Weniger Rente für Kinderlose?

Spezial Die Bewertung der Kindererziehung für die gesetzliche Rente ist umstritten. Heißt es hierzulande künftig: Kinder kriegen oder zahlen?

Rente

Höheres Rentenalter mildert die Alterslast

Nur noch offiziell liegt das Rentenalter in Deutschland bei 65 Jahren. In Wahrheit gehen die Menschen im Durchschnitt viel früher in Rente. Ein späterer Renteneintritt würde die Alterslast spürbar mindern.

Alter und Arbeit (7)

Die Lasten einer alternden Bevölkerung leichter schultern

Spezial Der Unterschied zwischen privatem Nutzen und sozialisierten Kosten erklärt den Unterton der Debatte über Alter und Arbeit. Letzter Teil der F.A.Z.-Serie „Die demographische Zeitbombe“.