31. Januar 2005 Studenten bekommen kaum Kredit. Das soll sich vom kommenden Wintersemester an ändern. Die staatseigene KfW-Bankengruppe will für Studenten aller Fachbereiche künftig Studienkredite anbieten. Das Darlehen soll nicht mit der möglichen Erhebung von Studiengebühren zusammenhängen, sondern die Finanzierung des Lebensunterhalts während der Zeit an der Hochschule sichern.
Dafür will die KfW maximal 650 Euro je Monat zur Verfügung stellen. Zum Vergleich: Der Bafög-Höchstsatz beträgt derzeit 585 Euro. Bafög und Studienkredit sollen sich nicht ausschließen, sondern einzeln oder gemeinsam in Anspruch genommen werden können.
Keine Differenzierung der Kreditkonditionen
Der Studienkredit soll marktüblich verzinst werden. Nach derzeitigem Stand rechnet die KfW mit einem Zinssatz von 5,1 Prozent. In diesem Satz wären Zins, Risikoaufschlag und Bearbeitung enthalten. Übernähme die öffentliche Hand das Ausfallrisiko der KfW - was noch Gegenstand von Debatten in der Politik ist - könnte der Zinssatz bei 4 Prozent liegen, heißt es. Das Kreditvergabeverfahren soll mit möglichst geringen Kosten verbunden sein, weshalb die KfW die Abwicklung über eine Internetplattform gestalten will. Sie hofft zudem auf kostensenkende Synergieeffekte, mindestens 10.000 Darlehen je Jahr sind vorgesehen.
Die KfW will nach eigenen Angaben keine Differenzierung der Kreditkonditionen nach Risiko vornehmen, also kein Studentenrating einführen. Sie will auch keine Sicherheiten verlangen. Sehr wohl soll aber die Fortführung der Zahlungen an Studienfortschritte gebunden werden. Das Risiko für die staatliche Bank ist recht groß: Sie kalkuliert mit einer Kreditausfallwahrscheinlichkeit von 12,9 Prozent. Wer ein besonders gutes Examen macht, soll belohnt werden, etwa über einen geringeren Zinssatz oder den Erlaß eines Teils der Zahlung.
Bildungsförderung für die Zukunft
Die KfW glaubt, daß durch die Aufnahme eines Kredits Anreize für ein zügiges Studium und höhere Qualitätsanforderungen an die Hochschulen entstehen. Sie sieht das Angebot bei sich gut aufgehoben, weil damit ein Flickenteppich der Finanzierungsangebote vermieden werde. Im übrigen hätten die Geschäftsbanken, Volksbanken und Sparkassen erklärt, sie seien nicht bereit, das Risiko flächendeckender Studienkredite ohne Rückendeckung durch die KfW zu tragen.
Hier liegt klassisches Marktversagen vor, sagt KfW-Chef Hans Reich. Studenten hätten in der Regel keine Sicherheiten, auch bestehe Unsicherheit über deren künftiges Einkommen. Wenn überhaupt, seien die Geschäftsbanken nur bereit, gute Risiken zu finanzieren, also etwa Studenten der Betriebswirtschaft, Mediziner oder Chemiker. Wir wollen aber verhindern, daß die Banken sich die Rosinen herauspicken. Wir wollen Solidarität mit allen Studierenden, sagt Reich. So sieht sich die staatseigene Bank in der Pflicht. Ihr Auftrag sei die Förderung der deutschen Wirtschaft und des Standorts Deutschland. Und das bedeute in Zukunft vor allem auch Bildungsförderung.
Der KfW-Studienkredit
Zielgruppe: Studierende an einer Hochschule in Deutschland (nur Angehörige eines EU-Staates oder Personen mit unbefristeter Aufenthaltsgenehmigung). Keine Sicherheiten notwendig.
Verwendung: Finanzierung des Erststudiums in allen Fachrichtungen und Studiengängen.
Auszahlung: Für Lebenshaltungskosten maximal 650 Euro je Monat.
Für einen Auslandsaufenthalt einmalig maximal 2500 Euro.
Höchstdauer 10 Semester.
Zinssatz: Variable Verzinsung auf Basis 6-Monats-Euribor.
Vertraglich garantierter Höchstzinssatz (Cap).
Rückzahlung: Nach letzter Auszahlung ein Jahr tilgungsfrei.
Annuitätische Rückzahlung mit gleichbleibenden monatlichen Raten.
Außerplanmäßige Tilgung zu bestimmten Terminen möglich.
Die Tilgungsdauer soll in der Regel 10 Jahre nicht übersteigen, maximal sind 25 Jahre möglich.
Text: hap., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.02.2005, Nr. 26 / Seite 9
Bildmaterial: dpa/dpaweb, F.A.Z.
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