08. Februar 2008 Kleine Leute stehen in dem Ruf, zuweilen etwas bissig zu sein. Ein besonders unangenehmes Exemplar dieser Gattung taucht zu Beginn jedes Jahres in Frankfurt auf. Der Plagiarius“ gehört zu den Preisen, die niemand haben möchte. Es ist ein schwarzer Zwerg, der von jenen verehrt wird, die besonders dreist Produkte abkupfern. Nur seine Nase leuchtet golden.
Die Konsumgütermesse Ambiente ist als Umfeld für die Vergabe nicht schlecht gewählt. So manches Produkt scheint da doppelt zu stehen, und Heerscharen von Rechtsanwälten und Zollbeamten sind im Einsatz, um Fälschungen einzusammeln. Den Übeltätern ist oft nicht einmal bewusst, dass ihre weiße Weste Flecken hat, es sind Händler, die zweifelhaften Herstellern auf den Leim gegangen sind, und die Grenze zwischen Anlehnung an ein gelungenes Design und Plagiat ist fließend.
Wirtschaftlicher Schaden: Angeblich 200 bis 300 Milliarden Euro im Jahr

Klein und bissig: Der Plagiarius. Diese beiden Bagger wurden mit dem Sonderpreis für Serientäter ausgezeichnet
Der Schmähpreis selbst wird inzwischen zum 32. Mal verliehen. Oder besser angedroht, denn mitnehmen dürften ihn alle, die ihn verdienen, auch dann nicht, wenn sie zur Verleihung kämen. Eine Urkunde muss reichen. Der Erfinder ist Rido Busse, ein Designer, den 1977 eine von ihm selbst entworfene Söhnle-Diätwaage auf der Ambiente erschreckte, weil sie dort wohlfeil, aber in schrecklicher Qualität angeboten wurde.
Die Plagiatoren verfolgten nur ein Ziel, sagt er, Profit auf Kosten anderer. Sie sparten an Forschung, Entwicklung, Marketing und Material. Betrogen sind nicht nur erfindungsreiche Hersteller, sondern auch Käufer, die statt eines Schnäppchens Ramsch erworben haben. Der wirtschaftliche Schaden in aller Welt liegt angeblich bei 200 bis 300 Milliarden Euro im Jahr. Ob das realistisch ist, sei dahingestellt, denn dass die Käufe auch zu den erheblich höheren Preisen der Originale zustande kämen, ist ungewiss. Sicher ist, dass der Zoll an den Außengrenzen der EU im Jahr 2006 (neuere Zahlen gibt es nicht), mehr als 250 Millionen gefälschte Waren beschlagnahmt hat. Ein Jahr zuvor waren es erst 75 Millionen.
Salz- und Pfefferset ist der Gewinner
Unter den tadelnden Worten des Laudators Guido Westerwelle ging der erste Preis in diesem Jahr an eine Fälscherwerkstatt aus Guangdong in China, deren Produkt dem Salz- und Pfefferset Two in one“ von WMF gleicht, aber aus Plastik ist. Auf den Plätzen folgen ein nachgemachter Gemüsehobel und ein Druckausdehnungsgefäß für Heizungsanlagen, die ebenfalls den Originalen gekonnt nachempfunden sind. Außerdem werden sechs gleichrangige Auszeichnungen vergeben, unter anderem für Flechtarmreifen, Bürostuhl und Eierköpfer.
Den Sonderpreis für eine Fälschung erhält eine Schweizer Uhr, deren Hersteller unbekannt, aber sicher nicht aus der Schweiz ist; auch der Sonderpreis für Serienklau geht nach Guangdong, an ein Unternehmen, das eine Spielfahrzeugserie der Bruder GmbH nachbaute. Die Preisträger werden auf einer Sonderschau bis zum 12. Februar in Frankfurt an den Pranger gestellt. Dann kommen sie zu ihren rund 250 Vorgängern ins Museum nach Solingen. Wer da denkt, China sei der natürliche Bestimmungsort des Plagiarius, kann freilich bei einem Blick auf die Herkunft der übrigen Preisträger nachdenklich werden: Ahlen, Hannover, Frankfurt. Und ein urologisches Gerät der Karl Storz GmbH aus Tuttlingen wurde gar in der gleichen Stadt kopiert.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, dpa
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