07. Februar 2004 Die Bewerbungsmappe und das anschließende Gespräch sind die Klassiker der Personalauswahl. Seit mehr als zehn Jahren gehören aber auch sogenannte Assessment-Center bei vielen Arbeitgebern zum Standardinstrumentarium, insbesondere in der Informationstechnologie, im Finanzsektor und Handel sowie in Unternehmungsberatungen. Dort werden mindestens 50 Prozent der Jobs für Hochschulabsolventen so vergeben.
Kernelemente dieser Center sind eigene Präsentationen der Kandidaten, Gruppendiskussionen und sogenannte Postkorb-Übungen, in denen verschiedene Aufgaben unter enormem Zeitdruck effizient erledigt werden müssen. Die Übungen und die Präsentationen lassen sich gut trainieren, entscheidend bei der Auswahl sind häufig die Diskussionsrunden, in denen alle Bewerber zusammensitzen, aber nur wenige am Ende einen Job bekommen. Hier werden die meisten Fehler gemacht.
Sich möglichst wenig Gedanken machen
"Der Standardfehler ist: Die Kandidaten sind nicht authentisch. Sie verhalten sich so, wie sie glauben, daß es verlangt wird. Die Bewerter durchschauen das, und häufig weiß man eh nicht, was gerade gesucht wird", warnt Christian Scholz, Professor für Personalmanagement an der Universität in Saarbrücken. Sie lernten gut klingende Formulierungen und überzeugende Gesten auswendig und besuchen mindestens zwei Assessment-Center zur Vorbereitung. "Das ist unsinnig und verhindert, so rüberzukommen, wie man wirklich ist. Durch die hohe nervliche Anspannung, die häufig unterschätzt wird, erscheinen die Kandidaten noch unnatürlicher", hat der Wissenschaftler beobachtet.
Authentisch wirkten Bewerber, die eigene Erfahrungen mitbringen, klar sagen, was sie denken, und in Maßen auch einmal emotional sind. Am besten sei, sich möglichst wenig Gedanken über das Assessment-Center zu machen und sich nicht vorzubereiten.
Gesucht: Typen mit Durchsetzungswillen
Ein paar Kleinigkeiten sollten jedoch trotzdem beachtet werden, räumt auch Scholz ein. Sie sind aber Selbstverständlichkeiten des normalen Lebens. So müsse man die Mitbewerber in der Diskussionsrunde natürlich ausreden lassen. Eigene Gedanken solle man nicht als fertiges Konzept detailliert präsentieren, sondern Anknüpfungspunkte für die Konkurrenten liefern. Und Ideen der anderen nicht kaputtreden, sondern positiv weiterentwickeln.
Dabei darf aber nicht vergessen werden: "Die Zeit, in der nur nette, liebe Kollegen gesucht wurden, ist vorbei", betont Scholz. In Zukunft werden verstärkt Typen mit Durchsetzungswillen verlangt, die auch den Wettbewerb mit ihren Kollegen nicht scheuen.
Text: dys., Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 08.02.2004, Nr. 6 / Seite 45
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