Angesichts der Prioritäten, denen der Tenor des Artikel folgt, beschleicht mich ein ungutes Gefühl: Während die Eltern mit maschinengleicher Perfektion ihr Leben durchstylen, erfahren die sorgfältig geplanten Kinder von klein auf, dass sie zweitrangig sind und in nicht unerheblichem Maße den Eltern im Wege stehen. Insbesondere, wenn sie sich nicht derart planmäßig entwickeln wie ihre Eltern. Welche Art von Karriere werden diese Kinder machen?
Es ist ganz sicher so, dass Mütter oftmals abgeschrieben werden - ob sie nun nach drei Jahren oder nach acht Wochen in den Beruf zurückkehren. Ich habe aber von vorneherein klar gemacht, dass ich nach 8 Wochen wieder ganztags ins Büro kommen würde. Das hat mir zwar niemand geglaubt, aber mithilfe der wunderbaren Kinderkrippe (hier in Ostdeutschland war das gar kein Problem) geklappt. Im Haushalt gibt es die Zweiteilung, aber die gabs auch schon vorher. Und unsere Sohn binden wir in alles ein, da wird selbst Wächeaufhängen zum Familienspaß. Was die Ideologiegefechte zu den Kinderkrippen angeht, so kann ich nur sagen, dass sich unser Kind bemerkenswert entwickelt (sagen die Erzieher, ich habe für Ratgeber etc. weder Nerven noch Zeit), kaum je krank ist und wir schon längst an Geschwister denken, weil Kinder Kinder brauchen. Elternliebe und Karriere schließen sich eben nicht aus, im Gegenteil. Wenn alle Kinder für etwas ganz Natürliches halten und sich diesen furchtbaren Debatten verweigern würden, dann lebten wir - familienpolitisch gesehen - in einer ganz normalen Gesellschaft.
Seit ich selbst Kinder habe, weiß ich, dass Kind und unsere hochgezüchtete Wirtschaftswelt nicht kompatibel sind. Karriere, das bedeutet, mindestens 10 Stunden am Arbeitsplatz zu verbringen, für gesonderte Termine zur Verfügung zu stehen und im Übrigen auch in der "Freizeit" gedanklich mit den beruflichen Problemen beschäftigt zu sein. Man sollte das kommunizieren, dass Karriere eine moderne Form von Götzendienst ist - und wer hier mitbeten will, muss das schon richtig tun. Wer das nicht will, wird Freiheit für Kinder finden. Beides aber geht nicht.
die übliche Entgegnung.
Und so lange wie der feministische Furor den immer gleichen Nonsens behauptet, wird der mit den immer gleichen Methoden pariert.
Ja, es ist langweilig, aber das ist nicht meine schuld.
Liebe Frau Hildebrandt-Woeckel,
kennen Sie wenigstens eine Müllfrau, die nach der Mütterzeit ihre Karriere nicht so fortsetzen konnte wie ihre männlichen Kolleginnen?
Kennen Sie wenigstens eine Dachdeckerin, die nach der Mütterzeit ihre Karriere nicht so fortsetzen konnte wie ihre männlichen Kolleginnen?
Kennen Sie wenigstens eine Gleichstellungsbeauftragtin, die nach der Mütterzeit ihre Karriere nicht so fortsetzen konnte wie ihre männlichen Kolleginnen?
Kennen Sie wenigstens eine Unternehmerin, die nach der Mütterzeit ihre Karriere nicht so fortsetzen konnte wie ihre männlichen Kolleginnen?
Kennen Sie wenigstens eine Sozial“wissenschaftlerin“, die nach der Mütterzeit nicht mehr so kraftvoll sozialwissenschafteln konnte wie ihre männlichen Kolleginnen?
Kennen Sie wenigstens eine ...
Wie gesagt, tut mir leid dass das tausendfach vorgetragene zum tausendersten mal wiederholt werden muss. Aber es war Frau Hildebrandt-Woeckel, die meinte sie müsse sich mit dem üblichen Unfug an der Frauentagsorgie beteiligen.
Wenn alles möglich ist mit "sehr viel Disziplin", wie die Autorin bemerkt, dann frage ich mich, wo ich denn da stehe...
Mit 2 kleinen Kindern (2) und (4) habe ich genau das getan und mit sehr viel Disziplin, Kinderfrau, Putzfrau und gerechter Arbeitsteilung begonnen 20 Std. die Woche zu arbeiten. In einem hochqualifizierten Job mit Aufstigegschancen. Doch nach 3 Monaten erkenne ich: jedes Kind ist unterschiedlich und leidet auch unterschiedlich stark, wenn die Mutter regelmäßig KEINEN Termin ausfallen lässt, damit die Aufsstiegsschancen gewahrt bleiben.
Was ist mit den kranken Kindern ? Werden die dann auch zu Kinderfrauen geschoben um KEINEN Termin zu versäumen ? Und was ist mit den schlaflosen Nächten, die niemand teilt und die die Leistung beeinträchtigen ?
All das sind Faktoren, die nicht zu unterschätzen sind und die es unmöglich machen, eine grundsätzliche Entscheidung bereits VOR der Entbindung zu treffen.
Es sollte für ALLE beteiligten Personen gut sein und nicht nur für die Karriere der Mütter.
Wenn es Kindern bei der Berufstätigkeit der Mutter nicht gut geht und sie nur hin und her geschoben werden, weil Mutti zu Terminen muss ist das sicherlich nicht gut.
Die Entscheidung muss zugunsten unserer Kinder fallen !!!
Liebe Leute,
ich bin nun im elften Jahr im Vaterschaftspatronat. Wer nicht weiss, woher der Begriff stammt, der oder die lese mal Gerd Brantenbergs Töchter von Egalia. " Die Frauen gebären die Kinder, die Männer bekommen sie." Ich weiß, in unserem Land ist das nicht so. Ich sorge für unsere drei Kinder. Meine Frau hatte stets alle Freiheiten im Berufsleben weithin unterwegs zu sein. Von Großbritannien bis Novosibirsk reichen die Stationen inzwischen. Ich selbst arbeite gelegentlich als Dozent an der einen oder anderen Uni. Trotz guter Kita-Anbindung wäre ein Vollzeitjob für beide nicht drin. Und vernünftige Teilzeitarbeit ist in diesem Land wohl ein Witz. Wenn Sie selbst einmal erlebt haben, wie sich bei Kindern Krankheitsperioden aneinander reihen, dann möchte ich den oder die Arbeitgeberin sehen, der bereitwillig für ein Vierteljahr auf seinen oder ihren Arbeitnehmer oder Arbeitnehmerin verzichtet, weil draussen die Fieberglocken und Pustelflecken toben. Kinder sind in diesem Land nach wie vor ein erhebliches Risiko für Eltern, die beide karrierebewußt sind. Frauen sollten das nicht mehr als ihr Problem sehen, sondern ihren Partnern klar sagen, wie die Bedingungen für das Kinder bekommen aussehen sollen. Roland Schindler
