Arbeitsmarkt

Bundesagentur für Arbeit wünscht sich mehr deutsche Erntehelfer

Bisher überwiegen osteuropäische Helfer auf deutschen Spargelfeldern

Bisher überwiegen osteuropäische Helfer auf deutschen Spargelfeldern

07. April 2005 Die Bundesagentur für Arbeit (BA) will weiterhin die Zulassung ausländischer Saisonarbeiter verschärfen, die in Deutschland zur Spargelernte oder Weinlese eingesetzt werden. „Wenn bei mehr als 5 Millionen Arbeitslosen mehr als 800.000 Arbeitsgenehmigungen für Saisonkräfte erteilt werden, muß man handeln“, bekräftigte das BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt auf einem Presseseminar in Berlin.

Alt hatte vorgeschlagen, künftig die Hälfte der Saisonarbeitsplätze in Landwirtschaft und Gastronomie mit inländischen Langzeitarbeitslosen zu besetzen. Die Zahl der Genehmigungen könne aber nur reduziert werden, wenn die BA genügend inländische Arbeitskräfte anzubieten habe, schränkte Alt seine Forderung ein.

Doppelter Schaden möglich

Die Landwirte und Winzer brauchten die Garantie, daß die Menschen genauso geeignet seien und die Ernte eingefahren werden könne, sagte Alt. Würden ungeeignete Arbeitslose vermittelt, die nicht zur Arbeit erschienen oder sich nach wenigen Stunden krank meldeten, wäre doppelter Schaden angerichtet: die Ernte vernichtet und die Menschen enttäuscht. „Das wäre die schlimmste Dienstleistung, die ich mir vorstellen kann.“ Aufgabe der BA sei daher, geeignete Arbeitslose für den Ernteeinsatz zu trainieren und Fahrmöglichkeiten für sie zu organisieren.

Der Vorstandsvorsitzende der BA, Frank-Jürgen Weise, ging auf Distanz zu der ursprünglichen Forderung seines Stellvertreters. Zwar sei für Langzeitarbeitslose ein Einsatz als Erntehelfer zumutbar. Doch müsse man „gut überlegen: wo paßt das wirklich?“ Entsprechende Programme müßten vorsichtig und mit großem Sachverstand konzipiert werden. „Das ist kein Spielfeld, um einem Arbeitslosen zu beweisen: Er schafft es nicht.“

Freie Kost und Logis

Der Bauernverband befürchtet denn auch Probleme bei der Ernte, wenn Langzeitarbeitslose zum Einsatz verpflichtet werden. Ein Verbandssprecher wies auf die Erfahrungen vergangener Jahre hin. Damals sei nur jeder zweite der Arbeitslosen erschienen, nach zwei, drei Tagen sogar nur noch jeder fünfte. „Wenn Sie morgens um sechs mit der Ernte beginnen, müssen Sie sich auch darauf verlassen können, daß die Leute da sind.“ Bauernpräsident Gerd Sonnleitner hatte die Mehrheit der einheimischen Erntehelfer als unzuverlässig bezeichnet, weil sich die Menschen allzu schnell krankmeldeten. Der FDP-Agrarfachmann Hans-Michael Goldmann warnte, der Einsatz einheimischer Arbeitsloser würde die landwirtschaftlichen Betriebe in ernsthafte Schwierigkeiten bringen.

Jährlich gibt es etwa 280.000 Saisonarbeitskräfte. Im Bundesdurchschnitt liegt der tarifliche Stundenlohn bei 5,42 Euro. In den neuen Bundesländern ist er niedriger. Die Saisonarbeiter haben zudem freie Kost und Logis. Der Staatssekretär aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium, Alexander Müller, wies darauf hin, daß polnische Saisonarbeiter seit dem Beitritt Polens zur Europäischen Union 48 Prozent des Lohnes an die polnische Sozialversicherung zu zahlen hätten. Knapp 28 Prozent entfielen auf den Arbeitnehmer, gut 20 Prozent habe der Arbeitgeber zusätzlich zu zahlen. Bei einem Stundenlohn von 5 Euro wäre das ein weiterer Euro.

Text: nf./cag. / F.A.Z., 08.04.2005, Nr. 81 / Seite 12
Bildmaterial: dpa/dpaweb

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