Pro-Sieben-Sat.1-Übernahme

Medienreich

Das kleinere Übel für Pro Sieben Sat.1

Das kleinere Übel für Pro Sieben Sat.1

14. Dezember 2006 München ist der Nabel der Medienwelt. Denn in der bayerischen Landeshauptstadt entsteht nicht nur Deutschlands größter Fernsehkonzern, sondern „eine Sendergruppe, die von Skandinavien bis Osteuropa“ reicht.

Das teilte kurioserweise nicht einer der Finanzinvestoren mit, welche die Sender Pro Sieben Sat.1 nun für rund drei Milliarden Euro gekauft haben, auch nicht der sich über großen Gewinn freuende Verkäufer, der amerikanische Medienunternehmer Saban, sondern - der bayerische Ministerpräsident Stoiber.

Paneuropäisches Medienreich

Für ihn, für den Freistaat, für die betroffenen Kanäle und vielleicht auch für das deutsche Rundfunksystem hätte der Verkauf der größten deutschen Privatsendergruppe nicht besser laufen können. Die Käufer von Permira und KKR sind offenbar die Wunschkandidaten aller - eine erstaunliche Entwicklung, haben Finanzinvestoren wie diese hierzulande doch bisweilen mit ihrem Ruf ziemlich zu kämpfen. Ein paneuropäisches Medienreich entsteht, und alle applaudieren.

Die Erleichterung auf allen Seiten ist sogar verständlich. Hätte der Springer-Verlag die Sender vor einem Jahr bekommen, wäre daraus ein Medienkonzern erwachsen, an dessen Macht kein Weg mehr vorbeigeführt hätte. Andere Investoren hätten die Sendergruppe vielleicht zerschlagen, und was aus ihnen unter der Hoheit des türkischen Dogan-Konzerns geworden wäre, der wiederum mit Springer verbunden ist und zuletzt Burda mit ins Boot holen wollte, weiß man nicht.

Medienbesitz ist mit Macht verbunden

Die Furcht vor einer Machtballung oder einer Fremdbestimmung maßgeblicher Mediengruppen ist nicht unbegründet. Medienbesitz ist mit Macht verbunden, und wo das in der Demokratie hinführen kann, sieht man an den Beispielen Berlusconi und Murdoch. Insofern sind Investoren, denen es zuvörderst um den Profit geht, das kleinere Übel, auch wenn sie Konzerne schmieden, deren Spielraum weit über Staatengrenzen hinausreicht.

Doch gilt das nur so lange, wie sie sich der kreativen Bedeutung und vor allem auch der gesellschaftlichen Verantwortung ihres Geschäfts bewußt sind. Solange sie also Programme ausstrahlen, die im Kern oder zumindest im Ansatz die hehren Ziele einer pluralistischen Meinungsbildung nicht ganz vermissen lassen, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk so gerne allein für sich reklamiert.

Bildmaterial: AP

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Dax
Tec
Dow
Nas
03.07.2009 | 17:45
Dax 4.708,21
−0,22 %
 
        Vortag
Anzeige

Medikamente günstig einkaufen

Preisvergleich für Medikamente und Apotheken-Produkte. Mehr als 90 Apotheken im Vergleich. Bis zu 70% Ersparnis.

03.07.2009 | 23:04
Name Kurs in %
DAX 4.708,21 −0,22%
Eurostoxx 50 2.376,48 +0,29%
Dow Jones 8.280,74 −2,63%
MDAX 5.701,98 −1,04%
Nasdaq 100 1.446,28 −2,37%
Nikkei225 9.816,07 −0,61%
REX 365,27 +0,20%
SDAX 2.853,47 −1,32%
S&P500 896,42 −2,91%
TecDAX 618,50 −0,73%
Bund Future 121,57 € −0,02%
EUR/USD 1,3981 +0,22%
Gold 932,50 $ +0,32%
Rohöl Brent Crude 65,43 $ −1,43%
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche