22. Mai 2008 Der amerikanische Ölpreis hat seine Rekordjagd der vergangenen Handelstage noch einmal beschleunigt und erstmals die Marke von 135 Dollar erreicht. Nach enttäuschenden Daten zu den Ölreserven in den Vereinigten Staaten kostete ein Barrel (159 Liter) der Sorte West Texas Intermediate (WTI) mit Auslieferung im Juli im asiatischen Handel in der Spitze 135,04 Dollar und damit so viel wie noch nie.
Im weiteren Handelsverlauf rutschte der Preis wieder auf 134,67 Dollar. Damit kostete amerikanisches Öl aber immer noch 1,50 Dollar mehr als im späten Mittwochhandel. Der überraschende Rückgang der Lagerbestände an Rohöl in den Vereinigten Staaten habe die Rekordjagd an den Ölmärkten noch einmal beschleunigt, hieß es von Händlern.
In der größten Volkswirtschaft der Welt sind die Vorräte an Rohöl nach Angaben des amerikanischen Energieministeriums um 5,4 Millionen Barrel auf 320,4 Millionen Barrel gesunken. Auch wenn die Weltwirtschaft nach wie vor gut mit Rohöl versorgt werde, habe sich die Sorge vor künftigen Versorgungsengpässen an den Ölmärkten verstärkt, sagte der Rohstoffexperte Victor Shum vom Beratungshaus Purvin und Gertz in Singapur.
Auch an den Tankstellen wird's teuer
Die wilde Jagd an den Börsen macht sich inzwischen auch an den Tankstellen bemerkbar: Autofahrer in ganz Deutschland mußten am Mittwoch für Diesel ebensoviel bezahlen wie für Benzin. Nach einer Preisrunde am Dienstag und Mittwoch kosteten im bundesweiten Durchschnitt alle Sorten an Markentankstellen rund 1,52 Euro je Liter, wie Sprecher der Mineralölwirtschaft in Hamburg und Bochum mitteilten.
Ursache seien die hohen Preise für Diesel am europäischen Ölmarkt in Rotterdam. Dort kostete eine Tonne Benzin am Mittag 1088 Dollar, eine Tonne Diesel dagegen 1290 Dollar. Dieser Preisunterschied habe den steuerlichen Vorteil von Diesel von rund 22 Cent je Liter aufgezehrt. Diesel hat damit abermals ein Rekordniveau erreicht und sich allein seit Mitte März um mehr als 15 Cent je Liter verteuert.
Grüne fordern internationalen Krisengipfel
Die Rekordjagd des Ölpreises wird nach Ansicht der deutschen Industrie zunehmend zu einer Gefahr für das Wirtschaftswachstum in Deutschland. Zwar seien die Auftragsbücher noch gut gefüllt, sagte der Konjunkturexperte des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), Matthias Krämer, der Berliner Zeitung (Donnerstag). Auch die Produktion sei für die nächsten Monate gesichert. Es ist jedoch die Gemengelage von steigenden Ölpreisen, starkem Euro, nachlassender US-Konjunktur und Finanzkrise, die den Unternehmen zunehmend zu schaffen macht, sagte er.
Angesichts der immer neuen Rekordpreise für Rohöl und Kraftstoff fordert die Bundestagsfraktion der Grünen einen Krisengipfel der internationalen Gemeinschaft. Durch die drohenden Versorgungsengpässe sei dringender Handlungsbedarf gegeben, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn der Bild-Zeitung.
Das Problem lässt sich nur international lösen, sagte sie. Wir brauchen einen Gipfel, um gemeinsam die Nachfrage zu senken und die Spekulation in den Griff zu bekommen. Rund ein Drittel des Ölpreises gehe auf Spekulanten zurück, die die Nachfrage künstlich nach oben trieben, sagte Höhn. Weiteres Ziel einer konzertierten Aktion müsse es sein, unabhängiger von fossilen Rohstoffen zu werden.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa
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