29. Oktober 2008 Volkswagen wirbelt wieder einmal den Dax durcheinander. Sämtliche Dax-Aktien lagen am Mittwoch kurz nach Handelseröffnung kräftig im Plus. Nur die Spekulation mit Volkswagen brach in sich zusammen. Der Aktienkurs stürzte um mehr als 36 Prozent auf weniger als 590 Euro. Zweitschlechteste Aktie unter den deutschen Standardwerten war die Deutsche Post - mit einem Kursgewinn von 5,4 Prozent. Der Dax lag trotzdem 1,9 Prozent im Minus bei 4734 Punkten.
An der Wall Street war der Dow Jones Industrial um 10,9 Prozent nach oben gesprungen. Der Future auf den amerikanischen Leitindex stand am Morgen 687 Punkte über seinem Niveau zum Xetra-Schluss am Vortag. Auch die Börse in Tokio schloss am Morgen mit hohen Kursgewinnen.
Der Fokus bleibe auf der Kursentwicklung von Volkswagen, hieß es im Handel. Großaktionär Porsche will die Spekulation in der VW-Aktie vermindern und dazu Kurssicherungsgeschäfte auflösen. Die Deutsche Börse hat zudem dem öffentlichen Druck nachgegeben und will von Montag an das Gewicht der VW-Aktie im Dax auf 10 Prozent begrenzen.
Am Abend rückt die Zinsentscheidung der amerikanischen Notenbank in den Blick. Es gilt als sicher, dass die Fed ihren Leitzins weiter senken wird. Zuvor könnten amerikanischen Konjunkturdaten Bewegung in den Handel bringen.
Im Dax wird auch die Aktie der Hypo Real Estate weiter Interesse auf sich ziehen, nachdem die angeschlagene Immobilienbank nun den staatlichen Rettungsfonds mit 15 Milliarden Euro in Anspruch nehmen will. Der Kurs der Hypo Real Estate tendierte mehr als 6 Prozent höher. Auch Bayer steht nach den Quartalszahlen im Fokus.
Kursverluste am Anleihenmarkt wettgemacht
Nach anfänglichen Kursverluste kurz nach Handelsbeginn ist der europäische Anleihenmarkt im Verlauf leicht ins Plus gedreht. Am Morgen fiel der Bund-Future erwartungsgemäß und notierte 26 Basispunkte leichter auf 116,96 Punkten. Im weiteren Verlauf stieg der Terminkontrakt jedoch gegenüber dem Vortagesschluss um 2 Punkte auf 117,24 Punkte. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg leicht von 3,75 auf 3,77 Prozent. Nach den Kurssprüngen der Dividendentitel in den Vereinigten Staaten und Asien rechnen wir mit einer leichteren Tendenz im Bund Future, heißt es im Morgenkommentar der HSH Nordbank.
Einmal mehr dürften die Aktienmärkte die Richtung vorgeben. Im Mittelpunkt stehe ferner die Zinsentscheidung der amerikanischen Notenbank am Abend. Eine erneute große Leitzinssenkung um 0,50 Punkte auf dann 1,00 Prozent werde nach den jüngsten Äußerungen des amerikanischen Notenbankchefs Ben Bernanke allgemein erwartet. Sollte diese Unterstützungsmaßnahme ausbleiben, wäre dies mit Renditerückgängen der Staatsanleihen verbunden. Das Bankhaus sieht den Bund-Future im Tagesverlauf zwischen 115,89 und 117,53 Punkten. Am Dienstag schloss er bei 116,88 Punkten.
Euro verliert leicht zum Dollar
Der Euro hat sich am Mittwoch in Fernost etwas schwächer gezeigt. Ein Euro wurde mit 1,2723 Dollar bewertet nach 1,2766 Dollar im späten New Yorker Handel. Der Dollar wurde mit 97,59 Yen gehandelt nach 98,60 Yen in den Vereinigten Staaten. Der Schweizer Franken notierte zum Euro mit 1,4683 und zum Dollar mit 1,1536.
Ölpreis weiter auf Erholungskurs
Die Ölpreise haben am Mittwoch mit der Aussicht auf eine mögliche weitere Kürzung der Fördermenge durch die Organisation erdölexportierende Länder (Opec) ihre Erholung vom Vortag fortgesetzt. Händler begründeten den aktuellen Anstieg der Ölpreise auch mit der Kurserholung an den Aktienmärkten. Im asiatischen Handel kostete ein Barrel (159 Liter) Rohöl der amerikanischen Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) 64,60 Dollar und damit 1,87 Dollar mehr als am Vortag.
Zu Beginn der Woche fiel der amerikanische Ölpreis mit der Sorge der Anleger vor einem Abrutschen der Weltwirtschaft in eine Rezession noch zeitweise auf ein Jahrestief bei 61,88 Dollar. Im Juli hatte der Preis für amerikanisches Öl ein Rekordhoch knapp unter 150 Dollar erreicht.
Der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent legte ebenfalls deutlich zu. Ein Fass kostete am Morgen 62,07 Dollar und damit 1,78 Dollar mehr als am Vortag. Am Dienstag hatten mehrere Opec-Vertreter Hinweise auf eine weitere Kürzung der Fördermenge durch das Ölkartell geliefert. Erst in der vergangenen Woche hatte die Opec wegen der Talfahrt der Ölpreise auf einer eilig einberufenen Sondersitzung eine Kürzung der Fördermenge um 1,5 Millionen Barrel pro Tag beschlossen.
Börse Tokio schließt kräftig im Plus
Der japanische Leitindex Nikkei 225 hat am Mittwoch mit einem weiteren Kurssprung an die Erholungsbewegung vom Vortag angeknüpft. Der Index gewann 7,7 Prozent auf 8212 Zähler. Für den breit gefassten Topix ging es um 5,9 Prozent nach oben auf 830 Punkte. Die Erwartung einer Leitzinssenkung durch die Bank of Japan im weiteren Wochenverlauf habe den Yen unter Druck gesetzt und damit insbesondere Exporttiteln Aufwind gegeben, sagten Marktteilnehmer.
Toshiba erhöhten sich um 11 Prozent auf 344 Yen. Morgan Stanley hat die Aktie mit Equalweight in sein Beobachtungsuniversum aufgenommen und ein Kursziel von 420 Yen ausgegeben. Fast Retailing legten um 9,5 Prozent zu auf 9910 Yen, nachdem Credit Suisse die Aktie auf Neutral erhöht hatte, allerdings mit einem Kursziel von 9700 Yen. TDK machten 13,6 Prozent gut auf 3290 Yen trotz einer Abstufung auf Neutral durch Credit Suisse.
Panasonic profitierten von einem laut Teilnehmern besser als erwartet ausgefallenen Halbjahresausweis und einer bestätigten Geschäftsjahresprognose und legten um 4,6 Prozent zu auf 1471 Yen. Panasonic hatte den höchsten Nettogewinn im ersten Halbjahr seit 1985 ausgewiesen, obgleich der Zweitquartalsgewinn im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 16 Prozent gesunken war. Nippon Steel verteuerten sich um 3 Prozent auf 340 Yen. Hier habe die Nachricht etwas gestützt, dass Nippon Steel in ein Posco-Werk in Vietnam investieren will.
Aktien Singapur am Mittag schwach
Nach einem positiven Handelsstart haben die Kurse an der Börse in Singapur am Mittwoch ins Minus gedreht. Der Straits-Times-Index stand am Mittag (Ortszeit) bei als moderaten Umsätzen mit 1,5 Prozent im Minus bei 1642 Punkten, nachdem er schon auf 1738 Zähler geklettert war. Händler sehen die nächste Unterstützung bei 1600 Punkten. Viele Teilnehmer hätten nach den positiven Vorgaben von Wall Street den Schwung aus dem frühen Geschäft für Gewinnmitnahmen genutzt und warteten nun auf neue Impulse, hieß es, auch mit Blick auf die am Mittwoch noch anstehende Zinsentscheidung der amerikanischen Notenbank.
Das Geschäft sei derzeit extrem schnelllebig, sagte ein Akteur. Viele Teilnehmer agierten mit nur sehr kurzen Zeithorizonten. Zu den größeren Verlieren gehörten SingTel, OCBC und Singapore Airlines.
Aktien Hongkong am Mittag fest
Fest, aber deutlich unter dem bisherigen Tageshoch zeigte sich die Börse in Hongkong am Mittwochmittag (Ortszeit). Der Hang-Seng-Index lag mit 1,4 Prozent im Plus bei 12.768 Punkten und damit über 500 Punkte unter seinem Hoch vom Vormittag. Der Umsatz liege mit 34,6 Milliarden Hongkong-Dollar im Rahmen der zuletzt gesehenen Summen. Händler sprachen von einer typischen Bärenmarktrally, in der Teilnehmer dazu tendierten, schnell Gewinne mitzunehmen. Ein Experte von DBS schließt nach dem Indexsprung von über 14 Prozent am Vortag nicht aus, dass der Markt im späteren Verlauf ins Minus dreht. Clevere Akteure hätten am Montag und Dienstag gekauft und führen nun die Ernte ein, so seine Einschätzung.
Unter den Einzelwerten rutschte das Indexschwergewicht HSBC um 6,9 Prozent ab auf 8,30 Hongkong-Dollar, belastet von Gewinnmitnahmen nach dem Kursplus von 20 Prozent am Dienstag. Im Rohstoffsektor gewinnen Cnooc 14,6 Prozent auf 5,18 Hongkong-Dollar und Shenhua 12,6 Prozent auf 11,26 Hongkong-Dollar.
Kursverluste an New Yorker Nachbörse
Im nachbörslichen Aktienhandel in New York haben die Kurse am Dienstag nachgegeben. Der Nasdaq-100 After Hours Indicator sank um 0,2 Prozent auf 1294,76 Punkte.
Apollo haben gegen die Tendenz nachbörslich 5,6 Prozent auf 62,15 Dollar gewonnen. Das im Bildungswesen arbeitende Unternehmen hat seinen Gewinn im vierten Geschäftsquartal mehr als verdoppelt und den Umsatz deutlich gesteigert, wie es nach Börsenschluss bekanntgab.
Denny's schossen um 25 Prozent nach oben auf 1,60 Dollar, nachdem die Restaurantkette einen Nettogewinnsprung im dritten Quartal und einen erhöhten Ausblick bekanntgegeben hatte. Vista Print brachen dagegen um 17,4 Prozent ein auf 20 Dollar, belastet von einem gesenkten Ausblick. Die vorgelegten Zahlen des ersten Geschäftsquartals des Kleingeschäftevermarkters hatten im Rahmen der Erwartungen gelegen.
Dow Jones schießt um 11 Prozent in die Höhe
In einem furiosen Kursfeuerwerk haben die amerikanischen Börsen am Dienstag deutlich im Plus geschlossen. Schnäppchenjäger und die Hoffnung auf eine erneute Zinssenkung der amerikanischen Notenbank Fed ließen die Kurse vor allem gegen Handelsschluss in die Höhe schießen.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging nach einer Kursexplosion 10,9 Prozent höher mit 9065 Punkten aus dem Handel. Im Verlauf pendelte er zwischen 8174 und 9082 Stellen. Der breiter gefasste S&P-500 kletterte um 10,8 Prozent auf 940 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 9,5 Prozent auf 1649 Stellen hinzu.
An der Wall Street stiegen die Investoren vor allem massiv bei den zuletzt stark verbilligten Aktien von Technologie- und Energieunternehmen ein. Zudem überwog die Hoffnung auf eine weitere Senkung der Leitzinsen die Angst vor einer globalen Rezession. Am Abend begann eine zweitägige Sitzung des für die Zinspolitik zuständigen Offenmarktausschusses der Fed. Die Entscheidung wollte die Notenbank am Mittwoch bekanntgeben. Die Marktteilnehmer hofften angesichts der panikartigen Reaktionen an den Finanzmärkten in den vergangenen Tagen auf eine Senkung um 50 Basispunkte, wie der Händler Neil Massa von MFC Global Investment Management sagte.
Sorgen über die schlechtesten Daten beim Verbrauchervertrauen aller Zeiten konnten dadurch wettgemacht werden. Die amerikanischen Verbraucher haben angesichts der Finanzkrise so wenig Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung wie nie zuvor.
Zur guten Stimmung trugen nach Ansicht von Analysten aber auch die guten Vorgaben der Börsen in Übersee bei. In Frankfurt ging der Dax nach einem spektakulären Höhenflug der VW-Aktie 11,3 Prozent. Ohne die Gewinne der VW-Aktie hätte der Index allerdings 3,7 Prozent im Minus geschlossen.
Zu den Gewinnern in New York gehörten unter anderem die Aktien des Internetkonzerns Google, nachdem Credit Suisse einem Bericht zufolge seine Bewertung des führenden Technologiewertes mit outperform und einem Preisziel von 400 Dollar aufnahm.
Google-Papiere kletterten um knapp 12 Prozent. Die Titel des iPhone-Herstellers Apple legten 8,5 Prozent zu. Die Papiere von Qualcomm gewannen sogar 14,5 Prozent. Die Aktien von Microsoft verteuerten sich um 9,1 Prozent. Der weltgrößte Softwarekonzern hatte am Montag mit Windows Azure ein internetbasiertes Betriebssystem für Unternehmen vorgestellt.
Die Aktien von Boeing gehörten mit einem kräftigen Plus von 15,5 Prozent zu den gefragtesten Werten. Der amerikanischen Flugzeugbauer und die Gewerkschaft IAM haben eine vorläufige Einigung über ein Ende des längsten Unternehmensstreiks seit 13 Jahren erzielt. Der Energieriese Exxon legte im Sog der guten Zahlen seines Konkurrenten BP um 13,3 Prozent zu.
Bei den Finanztiteln standen die Papiere von Goldman Sachs und Morgan Stanley im Fokus. Händler vermuteten, dass sich beide Institute beim Handel mit Aktien des deutschen Autobauers Volkswagen verspekuliert haben könnten. Nach zwischenzeitlich starken Verlusten gingen Goldman-Titel 0,7 Prozent fester aus dem Handel, die von Morgan Stanley gar um 11,8 Prozent.
Gegen den Trend verloren Whirlpool-Aktien 8,3 Prozent. Der Hausgeräte-Hersteller will nach einem Gewinnrückgang 5000 Arbeitsplätze streichen.
Amerikanische Anleihen auf Talfahrt
Die Kursrally an der Wall Street haben die Notierungen der amerikanischen Staatsanleihen am Dienstagabend im späten Handel auf Talfahrt geschickt. Am Markt war von einer spürbar nachlassenden Risikoaversion die Rede. Zehnjährige Staatsanleihen mit einem Kupon von 4,00 Prozent reduzierten sich um 1-10/32 auf 101-7/32 und rentierten mit 3,85 Prozent. Der mit 4,50 Prozent verzinste dreißigjährige Longbond fiel um 2-23/32 auf 105-3/32, seine Rendite stieg damit auf 4,20 Prozent.
Händler sprachen von Umschichtungen in Aktien. Die Attraktivität der als sicherer Hafen angesehenen Festverzinslichen habe nachgelassen, hieß es am Markt. Zum Monatsende würden zudem Anleihen gegen Aktien getauscht worden, um Portfolios auszugleichen, die eine bestimmte Allokation zu bestimmten Sektoren aufweisen.
In diesem Umfeld habe die Aussicht auf weitere Emissionen durch die Regierung zusätzlich belastet. Das Finanzministerium plant den Verkauf von 24 Milliarden Dollar in fünf-, zehn- und dreißigjährigen Papieren. Die angekündigten Anleihen und die derzeit gehandelten überfordern den Markt, sagte Anleihestrategist John Spinello von Jefferies & Co.
Zwischenzeitlich hatten die Notierungen der Festverzinslichen von den Daten zum amerikanischen Verbrauchervertrauen Rückenwind erhalten. Die Stimmung unter den amerikanischen Verbrauchern hat sich im Oktober überraschend stark abgekühlt und war auf ein Rekordtief gefallen.
Wie das Forschungsinstitut Conference Board am Dienstag berichtete, stürzte der Index des Verbrauchervertrauens auf 38,0 Punkte ab. Volkswirte hatten einen Stand von 51,5 prognostiziert.
Erholung an Börsen in Lateinamerika
Nach den schweren Verlusten der vergangenen Tage haben die wichtigsten Börsen Lateinamerikas am Dienstag kräftige Gewinne verzeichnet. Am größten Wertpapiermarkt des Subkontinents, in der brasilianischen Wirtschaftsmetropole São Paulo, gewann der Bovespa-Index 13,4 Prozent hinzu und ging bei 33.387 Punkten aus dem Handel. Auch in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires zogen die Aktienpreise wieder an. Der Merval-Index stieg um 6,6 Prozent auf 895 Punkte. Der IPC-Index in Mexiko-Stadt legte ebenfalls kräftig um 10,5 Prozent auf 18.633 Punkte zu.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX, F.A.Z.
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Bildmaterial: ddp, FAZ.NET-Jan Bazing
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