Von Norbert Kuls
17. März 2008 James Jamie Dimon hat ein Schnäppchen gemacht. Der Vorstandschef der drittgrößten amerikanischen Bank J.P. Morgan Chase bekommt eine der traditionsreichsten Investmentbanken an der Wall Street für nur 2 Dollar je Aktie. Es ist ein Wertpapierhaus, dessen Aktien vor nicht mehr als einem Jahr noch 170 Dollar wert gewesen waren.
Zudem steht noch die amerikanische Notenbank Fed mit einem Kredit von 30 Milliarden Dollar für die gefährlichsten Papiere in den Kellern von Bear Stearns gerade - mit Hypotheken besicherte Anleihen, die Spezialität von Bear Stearns. Wenn diese Vermögenswerte weiter fallen, übernimmt die Fed die Verluste und nicht J.P. Morgan.
Dimon ist nah an seinem Ziel
Dimon weitet seinen Einfluss an der Wall Street zu einem Zeitpunkt aus, an dem Konkurrenten wie der Marktführer Citigroup selber mit Verlusten wegen ihres aggressiven Engagements im Hypothekenmarkt kämpfen. Besonders die Citigroup dürfte im Visier von Dimon stehen. Denn Dimon war einst Zögling der Wall-Street-Legende Sanford Weill, der die Citigroup in einer Reihe von Akquisitionen zu einem globalen Finanzsupermarkt gemacht hatte.
Dimon hat das Übernahmehandwerk von Weill gelernt und galt lange als Anwärter auf dessen Nachfolge. Aber Ende der neunziger Jahre kam es zu einem Zerwürfnis mit Weill. Dimon wurde entlassen. Dimon wechselte danach zur Bank One in Chicago und brachte die große Regionalbank in Chicago mit Kostenkürzungen und erfolgreichem Risikomanagement auf Kurs. J.P. Morgan übernahm schließlich die Bank One und damit auch Dimon, der damit seinem mutmaßlichen Ziel, irgendwann die Citigroup zu überholen, ein gutes Stück nähergekommen war.
Große Übernahme bisher nicht gewagt
Seit Dimon vor mehr als zwei Jahren den Vorstandsvorsitz bei J.P. Morgan Chase übernommen hatte, hat er dem aus der Investmentbank J.P. Morgan und der Geschäftsbank Chase Manhattan entstandenen Kreditinstitut neuen Schwung verliehen. Er hat Milliarden Dollar in die Verbesserung von Filialen und Computersystemen gesteckt. Er hat lukrative Geschäftsbereiche wie den Rohstoffhandel ausgebaut und Spitzenposten mit früheren Kollegen von der Citigroup besetzt.
Eine große Übernahme, wie es sein Ziehvater Weill vorgemacht hatte, wagte Dimon bisher allerdings nicht. Er vermied es auch, das Hypothekengeschäft so aggressiv auszubauen, wie es seine Konkurrenten getan hatten. Daher ist J.P. Morgan als eine der wenigen Banken an der Wall Street aus der Hypothekenkrise nahezu unbeschadet hervorgegangen. Das hatte zu Gerüchten geführt, dass der mit Übernahmen erfahrene Dimon eine größere Akquisition plant. Allerdings hatte kaum jemand unter den Auguren an der Wall Street mit der Übernahme einer Investmentbank gerechnet. Eher schon war über den Kauf einer größeren Regionalbank spekuliert worden. Da Dimon Bear Stearns zum Ausverkaufspreis bekommen hat, steht dem Kauf einer Regionalbank allerdings nichts im Weg.
Weill überholen
Für die rund 14.000 Angestellten von Bear Stearns ist die Übernahme durch J.P. Morgan ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist Dimon an der Wall Street hoch angesehen. Andererseits ist er aber auch als Sanierer und Kostendrücker bekannt. Dimon genießt unter Wertpapierhändlern Respekt, weil er ein Kind der Wall Street ist. Er stammt aus dem einfachen New Yorker Stadtteil Queens, was seine direkte und zupackende Art erklärt.
Sein Großvater war ein Einwanderer aus Griechenland, der 1919 nach New York kam und sich vom Tellerwäscher zum Aktienbroker hochgearbeitet hatte. Auch der Vater von Dimon arbeitete jahrzehntelang an der Wall Street. Diese Familiengeschichte passt zur Unternehmenskultur von Bear Stearns, die als etwas rauh und hemdsärmelig gilt. Aber Dimon wird nicht umhinkommen, Händler zu entlassen und die Geschäftsbereiche von Bear Stearns mit denen von J.P. Morgan Chase zu integrieren. Denn diese Integration und Kostenkürzung entspricht dem Drehbuch, dem sein Ziehvater Weill gefolgt war. Und den will Dimon schließlich überholen.
Text: F.A.Z., 18.03.2008, Nr. 66 / Seite 14
Bildmaterial: AP
Paul Krugman erhält den Wirtschafts-![]()
Hilfe aus Japan: Morgan Stanley sichert sich Milliarden-Kapitalspritze
Finanzkrise: 360-Milliarden-Rettungsplan in Frankreich
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.913,74 | +8,13 |
| TecDax | 577,48 | +11,75 |
| DowJones | 8.807,85 | +4,22 |
| Nasdaq | 1.722,61 | +4,43 |
| STOXX 50 | 2.590,81 | +6,98 |
| Nikkei 225 | 8.276,43 | -9,62 |
| S&P 500 Zert. | 9,30 | +5,32 |
| Euro/Dollar | 1,37 | +0,38 |
| Bund Future | 114,64 | -0,03 |
| Gold | 848,67 | +0,15 |
| Öl | 76,65 | -7,49 |