Konjunktur

Die deutsche Wirtschaft stagniert

Was ist los mit dem Konjunkturmotor?

Was ist los mit dem Konjunkturmotor?

11. August 2005 Die deutsche Wirtschaft ist im Frühjahr trotz stärkerer heimischer Nachfrage nicht gewachsen. Die reale Wirtschaftsleistung blieb im zweiten Quartal saison- und kalenderbereinigt auf dem Niveau der ersten drei Monate, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte.

Im Gegensatz zum ersten Quartal verhinderte der Außenhandel einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP): „Obgleich sich die Dynamik des Außenhandels im zweiten Quartal 2005 weiter fortsetzte, führte der starke Anstieg der Importe im Vorquartalsvergleich zu einem leicht negativen Wachstumsbeitrag des Außenbeitrags, der den Anstieg der inländischen Verwendung vollständig kompensierte“, erklärten die Statistiker. Volkswirte hatten die Frühjahrsflaute erwartet, sehen die deutsche Wirtschaft aber bereits wieder auf Wachstumskurs.

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Auch nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank deuten jüngste Konjunkturdaten auf eine anhaltende Erholung der Konjunktur im Euro-Raum hin. Klare Anzeichen für Inflation in der Binnenwirtschaft kann die EZB nach wie vor nicht ausmachen (siehe: EZB erwartet langsames, stetes Wachstum)

Das Wachstum im ersten Vierteljahr revidierten die Statistiker zudem leicht nach unten: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs um 0,8 Prozent und nicht wie bislang gemeldet um ein Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um 1,5 Prozent, nachdem sie zu Jahresanfang noch um 0,3 Prozent gesunken war. 2005 standen allerdings im zweiten Vierteljahr zwei Arbeitstage mehr zur Verfügung als im Vorjahr. Kalenderbereinigt wäre die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal nur um 0,6 Prozent zum Vorjahr gestiegen, hätte allerdings auch im ersten Quartal 0,8 Prozent über Vorjahresniveau gelegen. Details zur Entwicklung des BIP will das Statistikamt am 23. August bekannt geben.

Doch die Stimmung steigt

Analysten waren sich unsicher, was den Anstieg der Inlandsnachfrage verursachte, da das Statistikamt hierzu keine Details nannte. „Es gab ermutigende Signale und auch Enttäuschungen“, sagte Andreas Rees von der Hypo-Vereinsbank. Vermutlich seien die Ausrüstungsinvestitionen gestiegen. „Beim privaten Verbrauch ist noch etwas Geduld gefragt. Aber auch hier mehren sich die Anzeichen, daß eine moderate Belebung ins Haus steht.“ Gerd Haßel von der BHF-Bank vermutete hinter der höheren heimischen Nachfrage einen Anstieg der Bauinvestitionen.

Angesichts einer Reihe günstiger Konjunkturdaten und der besseren Unternehmensstimmung sehen viele Ökonomen die deutsche Wirtschaft wieder auf Erholungskurs. „Das dritte Quartal wird für deutsche Verhältnisse sehr stark werden“, sagte Rees. Stützend wirkten der schwächere Euro und das robuste Wachstum in den Vereinigten Staaten. Rees rechnet wie das DIW für das dritte Quartal mit einem Wachstum von 0,5 Prozent. Christian Jaspernette von MM Warburg, ist optimistisch: „Die gute Nachricht ist, daß die Inlandsnachfrage zum Wachstum beigetragen hat, nachdem die Wirtschaft jahrelang allein vom Export getragen wurde. Vor uns liegen auf jeden Fall gute Zeiten. Wenn man hinter die Kulissen schaut, ist der Grundstein für einen neuen Aufschwung gelegt.“ Jörg Lüschow von der WestLB warnte aber vor zu hohen Erwartungen: „Sorgen macht uns der Ölpreis, der wie ein Damoklesschwert über allem schwebt.“

Auch die europäische Konjunktur stockt

Die europäische Konjunktur nahm eine ähnliche Entwicklung, wie die deutsche. Im zweiten Quartal wuchs die Wirtschaft in der Euro-Zone und in der gesamten EU im Vergleich zu den drei Vor-Monaten nur um 0,3 Prozent. Das teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat am Donnerstag in Luxemburg in einer ersten Schätzung mit. Experten in Brüssel nannten das Abschneiden enttäuschend.

Im ersten Quartal hatte das Wachstum in beiden Gebieten noch 0,5 Prozent betragen. Die EU-Kommission erwartet laut einer neuen Vorhersage für das zweite Halbjahr einen leichten Aufschwung. Für das dritte Quartal nimmt die EU-Behörde für die Euro-Zone unverändert eine Wachstums-Spanne von 0,2 bis 0,6 Prozent an. Erst für das vierte Quartal prognostiziert Brüssel dann mit 0,4 bis 0,8 Prozent bessere Aussichten. Der gefallene Euro-Wechselkurs gegenüber dem Dollar nutze den europäischen Exportunternehmen.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg das Bruttoinlandsprodukt in der Euro-Zone mit den zwölf Ländern der Euro-Gemeinschaftswährung im zweiten Quartal um 1,2 Prozent. In der gesamten EU mit 25 Staaten ergab sich ein Plus von 1,3 Prozent, teilte Eurostat mit. Daten zu den einzelnen Staaten sollen erst später mitgeteilt werden. In der EU-Kommission werden für die Euro-Zone im gesamten Jahr nur noch 1,3 bis 1,4 Prozent statt der im Frühjahr vorhergesagten 1,6 Prozent Wachstum erwartet. Eine neue offizielle Prognose soll aber erst im Herbst vorgestellt werden.

Text: FAZ.NET mit Material von Reuters
Bildmaterial: FAZ.NET, picture-alliance / dpa, Reuters

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