Airbus Sanierung

Deutsch-französischer Zickzackflug

Von Holger Steltzner

Hin und Her in einem multinationalen Konzern

Hin und Her in einem multinationalen Konzern

21. Februar 2007 Die Sanierung von Airbus wird zum Prüfstein der deutsch-französischen Partnerschaft. Weil zur Überraschung der Franzosen die Deutschen auf der letzten Sitzung des Verwaltungsrats der Muttergesellschaft EADS die Notbremse gezogen haben, müssen nun Bundeskanzlerin Merkel und Staatspräsident Chirac vermitteln.

Nach den ungewohnt scharfen Interventionen deutscher Politiker - Wirtschaftsminister Glos hat schon mit dem Entzug von Rüstungsaufträgen gedroht -, überzieht jetzt Premierminister Villepin, indem er über das Streichen von 10.000 Arbeitsplätzen bei Airbus spekuliert. Über Villepins persönliche Motive mag man streiten, im Ergebnis ist sein Alleingang jedenfalls auch eine politische Antwort auf die in Frankreich als Niederlage empfundene Vertagung des Sanierungsbeschlusses. Dass die ansonsten geräuschlos und effizient arbeitenden französischen Industriepolitiker aus der Rolle fallen, erklärt sich vermutlich aus der ungewohnten Hartnäckigkeit der deutschen Seite.

Laut beschworen, selten gelebt

Die Geschichte des europäischen Gemeinschaftsunternehmens EADS zeigt, dass die Gleichrangigkeit in der deutsch-französischen Partnerschaft selten gelebt, dafür aber um so lauter beschworen wurde. Überspitzt formuliert, lag die industriell-technische Führung in französischen Händen - Deutschland kaufte sich mit viel Geld ein und pochte auf entsprechend viele Arbeitsplätze hierzulande.

Nun steht das Unternehmen Airbus vor einem Strukturwandel. Im Wettbewerb mit dem amerikanischen Rivalen Boeing sowie mit Flugzeugherstellern aus Russland und China muss Airbus die unwirtschaftliche, über ganz Europa verteilte Fertigung straffen und einen Teil der Produktion nach außen verlagern. In Zukunft entscheiden also weniger Subventionen als technische Kompetenz über die Zukunft von Produktionsstandorten und Arbeitsplätzen. Das ist der Kern des deutsch-französischen Streits.

Der Ko-EADS-Chef Gallois, der aus dem französischen Verwaltungsmanagement kommt, hat versucht, die Partner auf seine Linie zu zwingen. Doch der deutsche Ko-Chef Enders hat gegengehalten. Diese Lage müssen jetzt Frau Merkel und Chirac auflösen. Enders hat recht: Nicht nur die Lasten der Sanierung, sondern auch die Chancen für die Zukunft müssen gerecht verteilt werden.

Text: F.A.Z., 21.02.2007, Nr. 44 / Seite 1
Bildmaterial: ddp

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