27. Dezember 2005 In Nürnberg kocht die Volksseele. Seit der schwedische Electrolux-Konzern Mitte Dezember angekündigt hat, das AEG-Hausgerätewerk zu schließen, ist die Wut in Mittelfranken groß. 1.750 Arbeitsplätze gehen in Nürnberg verloren, wenn das Werk in zwei Jahren endgültig ins Ausland verlagert ist.
Seit Wochen legen empörte Mitarbeiter die Produktion lahm und organisieren Protestzüge gegen Electrolux. Auch die Betriebsräte anderer deutscher Hausgerätehersteller wie Miele und Bosch-Siemens-Haustechnik geißeln die Entscheidung des schwedischen Konzerns als betriebswirtschaftlich unsinnig. Das Management traue sich nicht, einen falsche Beschluß zurückzunehmen, kritisieren sie die Schließung, die sich schon seit dem Sommer abgezeichnet hat.
Ein vom Betriebsrat in Auftrag gegebenes Gutachten kommt zum Schluß, daß das Nürnberger Werk rentabel betrieben werden kann. Die Schweden sehen das anders und beharren auf ihren Plänen. Die Fertigung von Hausgeräten wie Waschmaschinen und Trockner sei wegen der hohen Lohnkosten und einem starken Preisverfall in Deutschland nicht mehr möglich. Auch das Angebot der Belegschaft, ohne Lohnausgleich länger zu arbeiten, könne den Kostenvorsprung, den etwa Polen biete, nicht ausgleichen. Die Schließung des Nürnberger AEG-Werks wirft zugleich ein Schlaglicht auf die schwierige Lage der deutschen Hausgerätehersteller.
Auch den Konkurrenten macht der Preisdruck zu schaffen. So sind hierzulande die Preise für Waschmaschinen seit Mitte der neunziger Jahre um fast ein Drittel gefallen. Belegschaftsvertreter in der Hausgerätebranche befürchten, daß die Werksschließung nun zu einer weiteren Abwärtsspirale der Preise führt. Der Trend zum ,billigen Jakob' wird dadurch noch verstärkt, warnen die Betriebsräte.
Text: theu., F.A.Z., 28. Dezember 2005
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb
Maschinenbau streicht weniger Stellen als ![]()
Grüner die Glocken nie klingen
Solange Indien wächst, wachsen auch wir“
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