Sachverständigenrat

Wirtschaftsweise werden weiblicher

Herausragende Reputation: Beatrice Weder di Mauro

Herausragende Reputation: Beatrice Weder di Mauro

23. Juni 2004 Das Bundeskabinett hat am Mittwoch die Mainzer Wirtschaftswissenschaftlerin Beatrice Weder di Mauro offiziell für den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung vorgeschlagen. Regierungssprecher Bèla Anda würdigte die „herausragende wissenschaftliche Reputation“ der Ökonomin und hob ihre große internationale Erfahrung hervor.

Die 38jährige wird Nachfolgerin von Axel Weber, der Präsident der Bundesbank geworden war. Damit gehört dem Rat der „Fünf Weisen“ erstmals in seiner 41jährigen Geschichte eine Frau an. Die Ernennung Weders erfolgt nach Anhörung des Sachverständigenrats durch den Bundespräsidenten. Ihre Amtszeit läuft bis zum 28. Februar 2008.

Sieben Sprachen, zwei Pässe

Die selbstbewußte Wissenschaftlerin spricht neben Deutsch und Englisch auch Italienisch und Spanisch, kann sich auf Französisch und zur Not auch auf Japanisch oder Russisch verständigen. Sie bringt internationalen frischen Wind in das Gremium: Sie hat keinen deutschen, aber einen schweizerischen und einen italienischen Paß. Auch das seit dem Ausscheiden von Juergen B. Donges verwaiste Feld der internationalen Wirtschaftsbeziehungen würde wieder bestellt; Weder hat sich auf Fragen der internationalen Finanzmärkte spezialisiert. Derzeit betreut sie unter anderem Forschungsprojekte zu den Ursachen von Verschuldungskrisen, zur internationalen Transmission wirtschaftlicher Schocks und zur Rendite von Anleihen aus Schwellenländern.

Nach dem Studium folgten Stationen an der Universität der Vereinten Nationen in Tokio, an der amerikanischen Eliteuni Harvard sowie bei der amerikanischen Notenbank in New York. Vor ihrer Berufung auf den Mainzer Lehrstuhl hat Beatrice Weder an der Universität Basel gelehrt, zuvor arbeitete sie beim Internationalen Währungsfonds und bei der Weltbank. Seit Anfang 2002 gehört sie auch der Eidgenössischen Kommission für Konjunkturfragen an.

Kindheit in Lateinamerika

Sie selbst hat es ihrer in Lateinamerika verbrachten Kindheit zugeschrieben, daß sie sich immer wieder intensiv mit Fragen der Entwicklungsländer befaßte. Sie beriet die Regierung von Nicaragua und plädierte in Studien dafür, Entwicklungshilfe nötigenfalls an Reformen in den Entwicklungsländern zu knüpfen. Denn es seien falsche Strukturen, die arme Länder noch ärmer machten: mangelnde Demokratie und Pressefreiheit, fehlender Schutz des Eigentums, Korruption. Nach Einschätzung von Fachleuten ist die 38-Jährige keiner der traditionellen wirtschaftspolitischen Schulen zuzuordnen. So hat sie sich in der Vergangenheit in Konjunkturfragen weder stets auf die Seite der Angebots- noch der Nachfragetheoretiker gestellt.

Seit der Übernahme des Mainzer Lehrstuhls ist Weder di Mauro als wissenschaftliche Beraterin auch dem Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) verbunden. 2002 folgte die Berufung in die Eidgenössische Kommission für Konjunkturfragen. Mit Politikberatung hat die Ökonomin seither Erfahrung. So holten nicht allein das Wirtschafts- und das Außenministerium der Schweiz ihren Ratschlag ein. Wichtige Institutionen wie der Internationale Währungsfonds, die OECD und die Bundesbank gaben in den letzten zwei Jahren ebenfalls Studien bei ihr in Auftrag, vor allem zu Fragen des Finanzmarktes.

Fachwissen für alle

Von ihrem Wissen hat die junge Professorin immer wieder breite Schichten teilhaben lassen. So hat sie nicht allein zahlreiche Artikel in renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht. Sie hat auch eine regelmäßige Kolumne in der Baseler Zeitung, wo sie versucht, komplizierte Themen rund um Konjunktur, Börse, internationale Finanzströme und Entwicklungshilfe dem Leser näher zu bringen.

Weder di Mauro war von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) vorgeschlagen worden. Ihre Wahl war weitgehend unstrittig. Sie galt seit längerem als Favoritin, nachdem die Bundesregierung Weber zum Nachfolger des über die Hotelkosten-Affäre gestürzten Bundesbank- Chefs Ernst Welteke berufen hatte.

Beatrice Weder lebt in Frankfurt, ist verheiratet und hat ein Kind.

Text: FAZ.NET mit Material von AP, orn./F.A.Z. und dpa
Bildmaterial: dpa

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