Karrieresprung

Schritte zum richtigen MBA

Karrieresprung - wöchentlich bei FAZ.NET

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27. August 2004 Die Verlockung, die Entwicklung der eigenen Karriere voranzubringen, läßt die Zahl der Interessenten für eine Ausbildung zum Magister of Business Administration (MBA) steigen. Die Wahl des richtigen MBA-Programms ist jedoch nicht leicht, aber es gibt Kriterien, anhand derer die Angebote der Schulen gesichtet und geordnet werden können.

Mit William Cox, seit fast zwanzig Jahren Kenner im Bereich Business School und Autor mehrer Sachbücher zum Thema MBA, sprach FAZ.NET.

Herr Cox, der Markt der Executive-MBA-Studiengänge in Deutschland ist in Bewegung. Welche Tendenz fallen hierzulande besonders ins Auge?

Im deutschsprachigen Raum beobachten wir derzeit das größte Interesse an MBA-Programmen, die für Personen mit längerer Berufserfahrung in Teilzeit zu erwerben sind.

Woran liegt das?

Der Teilzeit MBA bietet die Möglichkeit einen qualifizierenden Abschluß zu erwerben, ohne aus dem ausgeübten Job aussteigen zu müssen. Das hat vor allem Vorteile bei der Finanzierung, an der sich manchmal auch der Arbeitgeber beteiligt. Zumindest aber gehen die laufenden Einnahmen während der Ausbildung weiter. Zudem steht der Absolvent nicht vor der Aufgabe, den Wiedereinstieg in den Beruf meistern zu müssen.

Wer sind die Interessenten für diese Studiengänge?

Überwiegend sind es Ingenieure oder technisch Vorgebildete. Vielfach kommt dieser Personenkreis in ihren Unternehmen an einen Punkt in der Karriere, an dem es ohne Marketing-Wissen und gute Kenntnisse in Finanzierungsfragen nicht weiter geht. Über die Stelle eines Abteilungsleiters kommt er ohne sie nicht hinaus.

Es gibt doch andere Wege als den über einen Executive-MBA, das für einen weiteren Aufstieg notwendige Wissen zu erwerben.

Sicher. Sie können nebenher Seminare besuchen und sich ihr Rüstzeug auf diese Weise aneignen. Am Ende haben sie dann viele einzelne Papiere und Bescheinigungen. Der MBA hat den Charme, daß sie auf einen Abschluß verweisen können, den sie jederzeit im Schild oder auf der Visitenkarte führen dürfen - manchmal allerdings nur mit dem Hinweis auf die Universität, an der die Prüfungen abgelegt wurden. Außerdem können ihnen das Renommee ihrer Schule oder die Kontakte, die sich während des Studiums programmgemäß ergeben, Türen öffnen.

Wie groß ist die Nachfrage nach Vollzeit MBA-Programmen?

Es hält sich in Grenzen. Der Vollzeit-MBA paßt weniger in unsere Ausbildungsstruktur. Er wendet sich an Leute, die gerade ihr Studium abgeschlossen und ein paar wenige Jahre Berufserfahrung haben. Diese Leute müssen aber gleichwohl in der Lage sein, zwischen 50.000 und 100.000 Euro für die Fortführung ihrer Ausbildung bezahlen zu können. Das findet sich hierzulande nicht so häufig.

Gibt es weitere auffällige Entwicklungen auf dem MBA-Markt?

Für Personen, die sich sehr früh spezifizieren wollen, gibt es ein neues Angebot, das ich als den „Turbo-Weg“ bezeichnen möchte. Die Akademie für internationales Management (AIM) in Mannheim und Stuttgart bietet für Kandidaten mit Abitur, Fachhochschulreife oder vergleichbarem Abschluß einen Studiengang, innerhalb dessen die Absolventen in vier Jahren ein kleines Bündel attraktiver Diplome von unterschiedlichen, international renommierten Schulen erwerben, zwei Fremdsprachen erlernen und Praktika in sieben Ländern, unter anderen in China, den Vereinigten Staaten und Brasilien absolvieren.

Woran sollte sich ein Interessent für einen MBA-Studiengang bei der Auswahl seiner Schule orientieren?

Zunächst sollte man sich anschauen, ob die Schulen akkreditiert sind und welche Akkreditierungen sie aufweisen können. Die Aufnahme einer Schule nach den Akkreditierungsstandards der anerkannten Initiativen wie Equis, FIBAA, AMBA oder AACSB International verbürgt eine gewisse Qualität.

Ein besonders wichtiges Kriterium, wenn nicht das wichtigste Einzelkriterium ist die Qualität der Fakultät, das heißt der Dozenten. Es sollte eine Mischung aus hervorragenden Theoretikern, die bekanntes akademisches Material veröffentlicht haben und Praktikern sein. Sind namhafte Gastdozenten dabei. Sind die Dozenten auch tatsächlich im Lehrbetrieb eingebunden oder nur auf dem Papier in er Schule existent. Wie gut ist das Betreuungsverhältnis. In Europa kommen rund 30 bis 40 Studenten auf eine Lehrkraft, in den Vereinigten Staaten rund 80 Studenten.

Gibt es weitere Merkmale anhand derer man die Qualität einer Ausbildung abschätzen kann?

Aufschlußreich sind Informationen über die Absolventen. Interessant sind die Antworten auf die Frage, wieviel mehr die Absolventen im ersten Jahr nach der Ausbildung verdienten. 100 bis 150 Prozent mehr wäre sehr gut. Das zeigt den Erfolg der Ausbildung und den Nutzen für das einstellende Unternehmen, den es bereit ist zu honorieren. An solchen Zahlen kann der Marktwert einer Ausbildung abgelesen werden.

Von Bedeutung ist auch die Zusammensetzung der Studentenschaft. Woher kommen die Kommilitonen? Sind die Hörsäle international besetzt. Aus welchen Ländern kann die Schule Studenten anziehen? Und wie hart selektiert die Schule?

Außerdem gibt es natürlich noch persönliche Auswahlkriterien.

Welche wären das?

Zum Beispiel ist die Wahl der Schule nach ihrer geographischen Lage oft mit persönlichen Vorlieben verbunden. Gerade bei Teilzeit-Programmen, wenn es sich um Angebote mit ein oder zweiwöchigen Lehrmodulen handelt, ist es möglich, fernab vom eigenen Wohnort zu studieren. Bei Wochenendprogrammen wird die Wahl eher auf eine Schule in der Nähe des Wohnortes fallen.

Eine besondere Motivation, eine MBA-Ausbildung in den Vereinigten Staaten zu absolvieren, ist die Möglichkeit, daß ein amerikanisches Unternehmen, das aufgrund der Kontakte zur Schule Interesse an einem der Absolventen entwickelt hat, als Sponsor für eine Einreisegenehmigung, die sogenannte green card, auftreten kann, was ein Einwandern sehr erleichtert.

Nicht zuletzt sollte auch der Markt erforscht werden, ob es für die jeweilige Branche des Interessenten einen Studiengang gibt, der sich auf sein besonderes Metier spezialisiert hat. So bietet Mailand einen MBA mit dem Focus auf die Modebranche an, oder an der Leiden University School of Management (LUSM) gibt es einen Ausbildungsgang, der sich durch die Nähe der LUSM zur Koeniglichen Concertgebouworkest in Amsterdam erklärt, zum MBA in "Creative and Performing Arts". Der Markt der MBA-Studiengänge wird zunehmen individuellen Ansprüchen gerecht.

Die Fragen stellte Ralf Witzler

Literatur: William H. Cox: MBA für Executives, Die besten berufsbegleitenden Schulen in Europa, Mit Ranking und Adressteil, Frankfurter Allgemeine Buch, ISBN 3-89981-035-X, 34,90 Euro



Text: @rwi

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