10. Juli 2009 Billig tanken und einkaufen: Das ist das Rezept von Markus Friesacher. Der Salzburger experimentiert seit Monatsbeginn in Salzburg mit Discounttankstellen. Wer beim Lebensmitteldiscounter Hofer - der Tochtergesellschaft von Aldi in Österreich - einkauft, kann auch günstiger tanken. Drei Filialen von Hofer im Großraum von Salzburg bieten diese Möglichkeit an. Auf den Parkplätzen der Märkte in Wals-Siezenheim (Airportcenter), Obertrum und im Salzburger Stadtteil Schallmoos sind die Zapfsäulen, die auch von Deutschen gern genutzt werden. Friesacher will die Idee im ganzen Bundesgebiet auf hundert ausweiten.
Dass er jetzt die Billigtankidee umsetzt, begründet der seit Jahren im Discounttankstellengeschäft erfahrene Friesacher mit der Krise. Günstig Lebensmittel kaufen und billig tanken seien derzeit die zentralen Themen für die meisten Menschen. Das Konzept und die Beschränkung auf das Wesentliche - Nebenprodukte wie Motoröl gibt es nicht - sparen dem Autofahrer Geld. Der 34 Jahre alte Salzburger will 2 Cent je Liter unter dem Preis seiner Konkurrenz liegen.
52 Cent für den Liter Diesel
Schon am ersten Tag übertraf das Geschäft die Erwartungen des Unternehmers. Und es gab einen Wettlauf mit den Mitbewerbern, so dass sich der Preis von rund einem Euro je Liter auf 52 Cent für Diesel innerhalb von 24 Stunden fast halbierte. Mittlerweile sind die Preise wieder gestiegen, Friesacher liegt mit seinem Angebot nach eigenen Angaben nach wie vor unter dem Einkaufspreis und will den etablierten Anbietern weiter zusetzen.
Entsprechend lebendig gestaltet sich nunmehr der Preiskampf auf dem österreichischen Treibstoffmarkt, der von wenigen großen Spielern unter Federführung von OMV als Branchenprimus kontrolliert wird und von einer besonderen Tankstellendichte gekennzeichnet ist: Gemessen an der Bevölkerung, hat das Land nicht zuletzt aufgrund seiner Gebirgslage doppelt so viele Stationen wie Deutschland, und deren durchschnittlicher Ausstoß liegt folgerichtig nur halb so hoch wie jener der deutschen. In den zurückliegenden eineinhalb Jahren haben die Betreiber ihr Preissetzungsverhalten geändert: Mehrfach täglich änderten die Tankstellen ihre Preise, bis eine neue Verordnung zu Monatsbeginn in Kraft trat, die die Zahl der Preiserhöhungen auf eine täglich begrenzte. Wie weit sich das auf die Renditen auswirkt, ist noch nicht abzusehen.
Wem das Zahlen mit der Karte Probleme bereitet, dem hilft eine Studentin
Friesacher ist jedenfalls zufrieden, wenngleich seine Idee gewöhnungsbedürftig ist. Dass man an vier Automaten je Billigtankstelle nur mit EC- oder Kreditkarte tanken kann, sei für Jung und Alt kein Problem. Wem das Zahlen mit der Karte Probleme bereitet, dem hilft eine Studentin. Insgesamt zehn Hostessen hat Friesacher befristet engagiert.
Partner des Lebensmitteldiscounters Hofer ist die FE-Trading GmbH, die Friesacher mehrheitlich gehört. Die Tankstellen sind videoüberwacht. Da es nach der dreiwöchigen Anlaufphase regulär kein Personal gibt, kann der hilfesuchende Kunde per Knopfdruck rund um die Uhr die Serviceline kontaktieren, die sich an den Säulen befindet. Im Mineralölgeschäft hat der gelernte Gastronom schon länger Erfahrungen gesammelt.
Friesacher verfügt über ein bundesweites Tankstellennetz für Lastwagen. Im Jahr 2000 gründete er die Austria Petrol (AP) Trading GmbH auf Anraten eines Freundes. Das AP-Netz umfasst heute zwölf Tankstellen, davon fünf an Autobahnen. Deren Umsatz hat sich in den zurückliegenden vier Jahren auf 150 Millionen Euro verdreifacht. Hinzu kommt eine Biodieselproduktion. Die Zehnmillioneninvestition läuft seit dem ersten Tag ertragreich.
Ein Rennfahrer in der Formel 3
Im vergangenen Jahr hat er mit 75 Millionen Litern reinem Biodiesel rund 50 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Friesacher hat nach dem Abschluss einer Hotelakademie in Innsbruck eine Rennfahrerlaufbahn in der Formel 3 eingeschlagen im Reich des Energiegetränkekonzerns Red Bull. Dann war er Gastronom im elterlichen Betrieb in Anif bei Salzburg. Zudem ist der verheiratete Vater zweier Kinder Hobbylandwirt. Das sei sein eigentlicher Traumberuf, sagt er.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
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