Teures Öl

Bis zu 200.000 Arbeitsplätze in Gefahr

07. Juli 2008 Die deutsche Industrie befürchtet angesichts der hohen Ölpreise Einbußen beim Wirtschaftswachstum und den Verlust tausender Arbeitsplätze in Deutschland. „Die aktuelle Ölpreisentwicklung könnte rund 0,5 Prozent des Wachstums kosten“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHT), Martin Wansleben, am Montag im ARD-Morgenmagazin. „Das sind rein rechnerisch 150.000 bis 200.000 Arbeitsplätze“, erklärte er. Zugleich warnte er vor Panik. Auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos sieht Arbeitsplätze gefährdet.

Wansleben sagte, Deutschland sei als Exportnation „ein bisschen der Gewinner“. „Wir sind die besten Lieferanten für diejenigen, die das Erdöl liefern, also für Russland und die arabischen Staaten. Deswegen ist Deutschland unmittelbar nicht in dem Ausmaß betroffen“. Im Inland seien vor allem die Unternehmen betroffen, „wo wir als Verbraucher uns dann zurückhalten. Denn je mehr wir bezahlen müssen für Sprit, für Heizung, desto weniger geben wir aus für Kleidung, Autos oder Urlaub.“

„Kostenlawine nicht zu Unkosten werden lassen“

Von der Kostenlawine sei jedes Unternehmen betroffen, sagte Wansleben. „Deshalb ist wichtig, diese Kostenlawine nicht zu Unkosten werden zu lassen.“ Als Beispiel nannte Wansleben zu hohe Lohnforderungen.

Für das laufende Jahr rechnet Wansleben mit einem Wirtschaftswachstum von rund 2,3 Prozent in Deutschland. „In diesem Jahr sind die Auftragsbücher noch voll. Insofern sollten wir jetzt keine Panik machen, so schwierig im Einzelfall jetzt die Situation wird. Nur im nächsten Jahr ist es sicherlich so, dass wir froh sein werden, wenn wir eine eins vor dem Komma haben.“

Wirtschaftsminister Glos warnte die Unternehmen vor allem davor, die hohen Energiekosten an die Kunden weiterzugeben: „Die Hauptgefahr besteht darin, dass Preissteigerungen, die wir jetzt bei Einzelprodukten beklagen, in einen breit angelegten Inflationsprozess münden. Das wäre in der Tat die schlimmste Folge“, sagte Glos dem „Handelsblatt“.

Glos: Bundesregierung kann wenig ausrichten

Jede Erhöhung des allgemeinen Preisniveaus wirke in voller Breite „unsozial und mittelfristig beschäftigungsvernichtend“. Neben den Unternehmen trügen auch Arbeitgeber und Gewerkschaften Verantwortung. „Auch unsere Tarifparteien müssen ihren Beitrag leisten, indem sie nicht Kompensation für Preissteigerungen fordern, für die eine echte Kompensation nicht möglich ist“, sagte Glos.

Grundsätzlich könne die Bundesregierung wenig gegen die Preisexplosion auf den Energiemärkten ausrichten. Staatliche Hilfen gegen die Preisentwicklung lehnte Glos ab: „Wer meint, man könne dagegen ansubventionieren, betreibt Augenwischerei auf Kosten der Steuerzahler - mit langfristigen Folgeschäden für Wachstum und Beschäftigung.“



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa

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