10. Februar 2008 Ist es Panik oder einfach nur Taktik? Eric Schmidt, der Vorstandsvorsitzende des Internetkonzerns Google, lässt in diesen Tagen schwere Geschütze auffahren. Sein Ziel: Er will dem Softwarekonzern Microsoft bei seinem feindlichen Übernahmeversuch des Google-Wettbewerbers Yahoo Steine in den Weg legen. Kaum hatte Microsoft am vergangenen Freitag seinen spektakulären Vorstoß angekündigt, nahm Schmidt Kontakt zu seinem Yahoo-Kollegen Jerry Yang auf und bot seine Hilfe bei der Abwehr des Softwareriesen an. Es ist ein eigenwilliger Schulterschluss, denn Yahoo und Google sind harte Konkurrenten im Internetgeschäft.
Wenig später gab Google eine Stellungnahme ab, die eine kaum verhohlene Aufforderung an die Kartellbehörden war, einen Zusammenschluss von Microsoft und Yahoo mit größtmöglicher Strenge zu prüfen. Google stellte Microsoft dabei als übermächtigen und skrupellosen Koloss an den Pranger. Man hatte fast den Eindruck, hier äußere sich ein schwachbrüstiger Wettbewerber, der fürchtet, jetzt von Microsoft überrollt zu werden - und nicht der erfolgreichste Internetkonzern der Welt, der Google in Wirklichkeit ist.
Microsoft ist nie zu unterschätzen
Es ist eher zu bezweifeln, dass Schmidt nach dem Microsoft-Angebot für Yahoo tatsächlich in Panik ausgebrochen ist. Sicher: Der finanzgewaltige Microsoft-Konzern ist nie zu unterschätzen, und zusammen mit Yahoo könnte er eine stärkere Einheit im Internetgeschäft bilden. Das würde Microsoft aber noch längst nicht zu einer Angst einflößenden Bedrohung machen, dazu ist der Rückstand auf Google zu gewaltig.
Trotzdem hat Eric Schmidt Anlass genug, Front gegen einen Zusammenschluss von Microsoft und Yahoo zu machen. Von einer langwierigen kartellrechtlichen Prüfung zum Beispiel könnte Google nur profitieren. Denn das würde die Zeit der Unsicherheit für Microsoft und Yahoo nur verlängern und vom operativen Geschäft ablenken, während Google sich darauf konzentrieren kann, seine Position weiter zu festigen.
Lobbyarbeit in Washington
Außerdem scheint es sowohl für Microsoft als auch für Google mittlerweile längst zum normalen Geschäftsgang zu gehören, im Wettbewerb miteinander zu politischen Mitteln zu greifen. Beide Unternehmen betreiben massiv Lobbyarbeit in Washington und haben hier Büros. Und Microsoft hat die Kartellbehörden im vergangenen Jahr aufgefordert, die Übernahme des Online-Werbevermarkters Doubleclick hart zu prüfen. Die Transaktion hat mittlerweile die Freigabe in Amerika, aber noch nicht in Europa.
Der Schlagabtausch mit Microsoft ist ein regelmäßig wiederkehrendes Motiv in der Karriere von Eric Schmidt - und zwar lange bevor er 2001 bei Google eingestiegen ist. Vor Google hat er vier Jahre lang den amerikanischen Softwarehersteller Novell geführt, davor war er viele Jahre beim Computerkonzern Sun Microsystems und trieb dort die Internetstrategie voran. Sowohl bei Sun als auch bei Novell gehörte Microsoft zu den größten Konkurrenten, mit denen sich Schmidt auseinanderzusetzen hatte. Aus der Zeit bei Novell ist ein Zitat von Schmidt überliefert, wonach es in seinen Augen töricht sei, dem übermächtigen Microsoft-Konzern den nackten Hintern zu zeigen, ihn also zu provozieren.
Komfortable Ausgangsposition
Heute, als Vorstandschef von Google, ist Schmidt in einer völlig anderen und viel komfortableren Ausgangsposition. Google ist kein Unternehmen aus der zweiten Reihe, das neben Microsoft wie ein Winzling erscheint, so wie Novell oder Sun. Vielmehr ist Google die größte Erfolgsgeschichte der Technologiebranche in den vergangenen Jahren. Das Unternehmen dominiert das lukrative Geschäft mit Online-Werbung und hält hier Microsoft auf Distanz.
Mittlerweile dringt Schmidt mit Google in das Revier von Microsoft vor. Jenseits der angestammten Internetsuche bringt Google heute auch Produkte heraus, die mit Microsoft in seinem Kerngeschäft konkurrieren, zum Beispiel Textverarbeitung. Man sieht daran, wie sich die Machtverhältnisse geändert haben: Heute hat Schmidt keine Schwierigkeit damit, Microsoft zu provozieren.
Text: F.A.Z., 09.02.2008, Nr. 34 / Seite 18
Bildmaterial: AFP
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