18. Januar 2005 Die drei Inselgruppen, die in Form von Palmen vor der Küste von Dubai entstehen, sind mehr als nur eine Meisterleistung von Ingenieuren und Marketingexperten. Sie werden zunehmend auch zu interessanten Objekten der Immobilien- und Finanzmärkte.
Auf einem Sekundärmarkt werden die ersten der 10.000 Villen und 5.000 Wohnungen gehandelt, die auf den Inseln gebaut werden. Und im ersten Halbjahr 2005 werden erstmals die Hypothekendarlehen in handelbaren Wertpapieren verbrieft angeboten, die für die Immobilien der ersten Palme (Jumeirah Palm) ausgegeben werden.
Ab 2005 auf dem Markt
Bei der Substitution der Hypothekendarlehen durch Wertpapiere (securitisation) rechnet David Jackson, der Executive Vice President von Istithmar, dem Investmentarm des Immobilienentwicklers Nakheel, mit einem Volumen von 1,6 Milliarden Dollar für alle drei Inselgruppen. Jede aufgelegte Anleihe soll von der Ratingagentur Standard & Poor's bewertet werden. Die Wertpapiere für die Hypothekendarlehen der ersten Palme werden in der ersten Jahreshälfte 2005 auf dem nordamerikanischen Markt plaziert.
Davis, der vor seiner Tätigkeit in Dubai bei den Investmentbanken Lehmann Brothers und Marco Polo Partners in führenden Positionen tätig war, erwartet ein Volumen von 300 Millionen bis 350 Millionen Dollar. Mit der Plazierung ist ein Konsortium beauftragt, dem Barclays, Credit Suisse First Boston und die Citigroup angehören.
Riesiges Luxushotel
Verbrieft werden die Hypothekenkredite, die das Finanzinstitut Tamweel in Dubai für Immobilien der drei Palmengruppen ausgibt. Tamweel ist eine der Gesellschaften, an denen sich Istithmar beteiligt hat. Istithmar wurde vor einem Jahr mit einem Startkapital von 2 Milliarden Dollar gegründet. Es ist, wie Nakheel, vollständig im Besitz des Emirats Dubai.
Chairman beider Gesellschaften ist Sultan Ahmed Bin Sulayem. Istithmar hat in den ersten zwölf Monaten umgerechnet 400 Millionen Euro für den Erwerb von Anteilen an Finanzunternehmen, an der Hotelkette Kerzner International, an Ingenieurbüros und an dem Einzelhandelsunternehmen RetailCorp ausgegeben. Außerdem wird es das riesige Luxushotel Atlantis auf Jumeirah Palm bauen.
Kaufen und Verkaufen
Die Villen und Wohnungen der beiden ersten Palmeninseln sind bereits vollständig verkauft. Der Verkauf der Immobilien für die 8.000 Wohneinheiten auf der dritten und größten Inselgruppe, Palm Deira, hat am 24. November begonnen. Die Preise reichen von 800.000 Euro bis 4,2 Millionen Euro. Zahlen verkaufter Objekte gibt die Gesellschaft nicht bekannt, ebensowenig aus Gründen der Diskretion die Namen der Berühmtheiten unter den Käufern. In den Verkaufsbüros von Nakheel vor Jumeirah Palm herrscht indessen dichtes Gedränge.
Ein Sekundärmarkt ist insbesondere für die Immobilien auf dieser Insel entstanden. Über 90 Prozent der Immobilien waren von Arabern aus der Golfregion erworben worden; mutmaßlich waren zwei Drittel von ihnen Wiederverkäufer. Der Verkauf müsse über Nakheel erfolgen, sagt Robert Lee, der Director of Development der Gesellschaft. Einzelne Objekte erzielen bereits den dreifachen Preis, meist liegt die Rendite aber bei 50 bis 70 Prozent. Während bei der ersten Palme noch überwiegend Araber aus den sechs Staaten des Golfkooperationsrats (GCC) gekauft hätten, sei bei der zweiten Inselgruppe die Käuferstruktur bereits ausgeglichener gewesen, sagt Lee. Bei der dritten wolle man sich der kosmopolitischen Zusammensetzung von Dubai annähern.
Aufenthaltsgenehmigung inklusive
Das Interesse europäischer Käufer nimmt zu. Für die dritte Palmeninsel hatte Nakheel eine Anzeigenkampagne auf den wichtigsten außerarabischen Märkten Großbritannien und Deutschland geschaltet, auch in Nordamerika und Rußland. Eine Studie habe ergeben, daß jeder zweite Engländer eine Zweitwohnung haben wolle, sagt Lee. Davon wolle Dubai profitieren. Anders als Spanien locke Dubai mit 365 Sonnentagen im Jahr. Neben den Käufern, die eine Immobilie für Erholungszwecke oder als Anlageobjekt erwerben, sollen nun auch Modelle für eine zeitweilige Nutzung eines Objekts, etwa von zwei bis drei Monaten, entwickelt werden.
Die ersten Villen auf Jumeirah Palm werden vor Weihnachten 2005 bezogen, sagt Lee. Gegenwärtig arbeitet Nakheel an einem System der Wasserzirkulation zwischen den Verästelungen der Palmen. Die Käufer erhalten mit dem Kaufvertrag automatisch eine Aufenthaltsgenehmigung für das Emirat Dubai, nicht aber eine Arbeitsgenehmigung. Das hatte der Kronprinz des Emirats Dubai, Muhammad Bin Rashid Al Maktoum, vor zwei Jahren mündlich zugesichert. Das mündliche Wort zählt in Arabien weit mehr als im Westen. Als Schwierigkeit bleibt, daß sich der Käufer nicht ins Grundbuch eintragen kann, sondern lediglich einen Kaufvertrag mit Nakheel in der Hand hält.
Die Welt vor Dubai
Die Villen und Wohnungen auf den Palmeninseln sind individuellen Käufern vorbehalten. Immobiliengesellschaften können lediglich die Hotels auf den Inselgruppen bauen und auf dem Festland Parzellen eines anderen Projekts von Nakheel erwerben, von den Jumeirah Lake Towers. Dort sollen um eine Gruppe künstlicher Seen 69 Wohntürme für umgerechnet jeweils 50 Millionen Euro entstehen. Zudem will Nakheel sechs Golfparcours bauen und dazu beitragen, Dubai zu einer Golfdestination zu machen. In drei Jahren wird Dubai 15 erstklassige Golfparcours haben. Auf den Parzellen der Golfparcours will Nakheel Wohnimmobilien anbieten.
Zu den Projekten von Nakheel zählt ferner die Gruppe von 300 Inseln, die sich aus der Vogelperspektive zu einer Weltkarte ergänzen. "The World" sei kein Massengeschäft, daher werde über dieses Projekt auch weniger geredet als über die Palmen, sagt Lee. Von den 300 Inseln sind 50 verkauft. Sie sind zwischen 2,5 und zehn Hektar groß. Jeder Interessent, ob Einzelperson oder Gesellschaft, müsse einen Vorschlag zur Gestaltung seiner Insel vorlegen. Eine zehn Hektar große Insel kaufe man nicht, um darauf lediglich eine Villa zur eigenen Nutzung zu bauen, sagt Lee. Die Idee des Käufers müsse kongruent mit der Vision von Dubai sein. "Wir wollen, daß die Menschen mit Ideen kommen, die Nakheel selbst nicht hat."
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.01.2005, Nr. 14 / Seite 20
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa
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