Telekommunikation

Benq steckt in der Bredouille

Benq-Chef Lee will das Unternehmen wieder fit machen

Benq-Chef Lee will das Unternehmen wieder fit machen

29. September 2006 Benq ist durch die Übernahme der Mobiltelefonsparte von Siemens schwer in Bedrängnis geraten. Was als Wachstumsschub gedacht war, erwies sich als Hemmschuh. Einerseits ist vom angekündigten Aufstieg des Unternehmens zu einer der feinsten Adresse in der Konsumelektronik nicht viel zu sehen. Andererseits rutschte das taiwanische Elektronikunternehmen tief in die Verlustzone. Zum Halbjahr wies der Konzern auf konsolidierter Basis einen Fehlbetrag von 7,5 Milliarden Taiwan-Dollar (175 Millionen Euro) aus. Nun droht für das Gesamtjahr abermals ein Fehlbetrag.

Dennoch honorierte die Börse am Freitag das am Vortag angekündigte Kappen der Mittelzuflüsse für die deutsche Tochtergesellschaft. Der Kurs der Aktie von Benq stieg um nahezu sieben Prozent. Im bisherigen Jahresverlauf hatte das Papier fast die Hälfte an Wert verloren. Grund für den Absturz war die nur langsam von der Stelle kommende Neuausrichtung des Konzerns mit der einstigen Siemenssparte im Zentrum. Das Geschäft mit Mobiltelefonen entpuppte sich als Verlustbringer. Der Marktanteil der Taiwaner im internationalen Mobiltelefongeschäft – vor einem Jahr bei 8 Prozent – hat sich fast halbiert.

Sparte soll fit für den Weltmarkt gemacht werden

In diesem Geschäftsjahr will Benq 30 Millionen Geräte verkaufen. Das entspricht in etwa dem Quartalsabsatz der koreanischen Samsung-Gruppe. Zum Halbjahr hatte Benq 14,5 Millionen Mobiltelefone verkauft. Das lag nur knapp unter dem Plan, doch die Geschäfte scheinen in den zurückliegenden Wochen überaus schlecht verlaufen zu sein. Daher versucht der Vorstand in Taipeh alles, die Sparte nun rasch auf Vordermann zu bringen und für den harten Kampf auf den Weltmärkten flottzumachen. So entschied die Führungsriege um Chairman Kuen-Yao Lee im August, umgerechnet weitere 310 Millionen Euro in den Geschäftsbereich Benq Mobile zu investieren.

Während auch auf dem heimischen Markt die Pforten unrentabler Betriebe geschlossen und Verbindungen zu teueren Zulieferern gekappt werden, wird im kommenden Jahr eine neue Fabrik zur Fertigung von Mobiltelefonen in Schanghai die Produktion hochfahren. Bisher ist die Geräteherstellung zwischen einem älteren Siemenswerk in der Küstenmetropole und einer Benq-Fabrik im chinesischen Suzhou geteilt. Diese Struktur erwies sich als nicht effizient. Dabei hatte sich Benq in der Branche der Konsumelektronik einen Namen mit einer schlanken und kostensparenden Produktion gemacht. Es wurde Auftragsfertiger für nahezu alle großen europäischen, amerikanischen und asiatischen Marken.

Verlustreiches Geschäft

Was Anfang der achtziger Jahre in der taiwanischen Computergruppe Acer als kleiner Zulieferer von Bau- und Ersatzteilen begann, schwang sich mit Chairman Lee an der Spitze zu einem Konzern von heute zehn Unternehmen empor. Das Unternehmen war vor fünf Jahren als selbständiger Auftragsfertiger auf den Markt gekommen. Im Juni 2000 ging aus der Acer Peripherals Inc. die Acer Communications & Multimedia Inc. hervor. Daraus entstand im Dezember 2001 die Benq Corp. Die junge Firma etablierte sich rasch als preisgünstiger Kontrakthersteller für Firmen wie Samsung, NEC und Motorola. Dann peilten die Taiwaner mit ihren Hauptsparten Konsumelektronik, Computer und Kommunikation an, eine eigenständige Marke zu werden.

Mit der Übernahme des verlustreichen Mobiltelefongeschäftes der deutschen Siemens AG sollte ein Höhepunkt erreicht werden. In den vorausgegangenen Jahren hatte das Geschäft mit Flachbildschirmen und Computerkomponenten im Zentrum von Benq gestanden, vom Herbst 2005 rückten nun das Handy an die erste Stelle. Wie vor zwei Jahren Siemens, sitzt nun Benq mit einer unprofitablen Mobiltelefonsparte im tiefen Tal der Tränen.

Text: fib., F.A.Z. 29. September 2006
Bildmaterial: AP

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