Privatbanken

Metzler stellt ein und drängt nach Peking

Von Tim Kanning

20. Mai 2008 Mit einem Büro in Peking will das Bankhaus Metzler stärker in den chinesischen Markt einsteigen. Dabei wolle man sowohl Dienstleistungen an chinesische Anleger verkaufen als auch selbst stärker als Anleger in dem Markt auftreten, sagte Norbert Enste, Partner beim Bankhaus B. Metzler seel. Sohn & Co., auf dem Jahrespressegespräch des Hauses in Frankfurt. Zwei Mitarbeiter seien schon vor Ort, es fehle nur noch an der nötigen Lizenz, ehe das Büro offiziell eröffnet werden könne. Eine neue Geschäftsstelle in Hamburg konnte schon zum Januar ihre Arbeit aufnehmen, erfolgreich, wie es weiter hieß. Insgesamt stieg die Mitarbeiterzahl von 683 auf 732.

Das traditionsreiche Bankhaus geht offenbar gestärkt aus dem turbulenten Jahr an den Finanzmärkten hervor - dem 333. Geschäftsjahr. Das Provisionsergebnis konnte um zehn Prozent auf 142 Millionen Euro gesteigert werden, das Zinsergebnis von zwölf auf 18 Millionen Euro. Friedrich von Metzler wurde nicht müde, die Vorzüge der konservativen Anlagestrategie seines Hauses zu preisen. Abschreibungen im Zuge der Finanzkrise seien nicht nötig. „Die alte Regel, dass es keine Überrendite ohne entsprechendes Risiko gibt, galt für uns die ganze Zeit und hat weiter Bestand“, sagte Metzler. Das sei den Anlegern im wettbewerbsintensiven Umfeld nicht immer leicht zu vermitteln gewesen. Er sehe nun aber eine „Renaissance der klassischen Vermögensverwaltung“.

Durch seine Aktionärsstruktur - die Bank gehört fünf Familienmitgliedern - ist das Haus in der Lage, auf ganz eigene Weise zu bilanzieren. Der Bilanzgewinn, den die Familie Metzler seit Jahrzehnten als Dividende fordert, beläuft sich auf 2,31 Millionen Euro. Alles, was über diesen Wert hinausgeht, kann die Bank als stille Reserven in ihrer Gewinn-und-Verlust-Rechnung verstecken. Er sagt also nichts über das Geschäftsjahr aus.

Ermittlungsverfahren laufen noch

Negativschlagzeilen machte die Bank im Februar, als ein Datenträger aus Liechtenstein die Steuerfahndung auch in das Bankhaus an der Großen Gallusstraße führte. Jüngst erzählte ein Mitarbeiter der Bank, er habe gedacht, ein „Tatort“ würde im Haus gedreht, wegen der Kamerawagen vor der Tür. Erst im Laufe des Tages stellte sich heraus, dass die Steuerfahnder mit medialer Begleitung gekommen waren. Anders als andere Privatbankiers geht Metzler aber nicht davon aus, dass das Fernsehaufgebot Folge einer gezielten Intrige gewesen sei. Die Ermittlungsverfahren gegen frühere Kunden und drei Mitarbeiter seien noch nicht abgeschlossen. Metzler betonte aber, dass sein Haus private Vermögensverwaltung nur in Deutschland betreibe. Da man diese Ausrichtung auch immer so beworben habe, habe man in Deutschland keinen Imageschaden feststellen können. „Viele haben uns angerufen und gesagt, wir wissen doch, dass euch das nicht treffen kann, weil ihr eure Kunden ja nicht ins Ausland begleitet“, sagte Metzler.

Unangenehmer sei der Imageschaden im Ausland gewesen, wo das Bankhaus noch nicht so lange vertreten ist. Es könne sein, dass in Japan einiges an Geschäft verlorengegangen sei, weil der Name Metzler im Zusammenhang mit der Steuerfahndung in der Zeitung gestanden habe. Wie sehr ihn das ärgert, konnte man daran erkennen, dass der sonst stets freundliche Bankier ein Mal die Stimme hob. Schließlich hole das Bankhaus im Ausland internationale Aufträge nach Frankfurt. Hier fielen Provisionen, Gewinne und Steuern daraus an.

Von seiner gewohnt charmanten Art zeigte er sich wieder, als er seine langjährige Kollegin Marija Korsch verabschiedete. Zum 1. Juni wechselt nach zehn Jahren die einzige Frau aus dem Partnerkreis in den Beirat der Bank. Sie war für Corporate Finance zuständig, also die Beratung vor allem mittelständischer Familienunternehmen in Finanzierungsfragen. Die Abteilung hat im vergangenen Jahr auch den Karstadt-Quelle-Nachfolger Arcandor beraten, als er den Frankfurter Versandhändler Neckermann.de an den Finanzinvestor Sun Capital verkaufte.

„Gut gefüllte Projekt-Pipeline“

In den zehn Jahren habe sie mit ihrem Team 250 Transaktionen mit einem Volumen von mehr als 80 Milliarden Euro betreut, sagte Metzler und legte ihr dankend die Hand auf die Schulter: „Dass du eine Privatbank in diesem internationalen Geschäft so erfolgreich etabliert hast, ist schon etwas Besonderes.“

Ein schönstes Erlebnis kann Korsch nicht benennen, sowohl die großen als auch die kleinen Transaktionen hätten ihre Reize gehabt. Stolz sei sie darauf, wie viele junge Leute sie ausgebildet habe. „Ich bekomme jetzt manchmal Liebesbriefe, in denen mir Leute schreiben, wie wichtig die Zusammenarbeit mit mir für ihre Karriere war“, erzählt sie.

Ihre Aufgaben wird Johannes Reich übernehmen, der bereits Partner der Bank ist. Metzler sprach von einer „gut gefüllten Projekt-Pipeline“, die auch für das Jahr 2008 optimistisch stimme. Die recht hohe Zahl von neun Partnern, die die Geschäfte der Bank leiten, wolle Metzler auch in Zukunft nicht verringern. Zur Erklärung bemühte der Bankier ein Zitat von John F. Kennedy: „Ein kluger Mann schart noch klügere um sich herum.“ Und fügte dann lächelnd hinzu: „Bei mir ist das aber etwas leichter als bei Kennedy.“



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa

 
Kursabfrage 
NamePunkteProzent
Dax 6.436,71 -0,06
TecDax 725,17 +0,50
DowJones 11.388,04 +0,34
Nasdaq 2.304,82 +1,08
STOXX 50 3.351,13 -0,10
Nikkei 225 13.334,76 -1,97
S&P 500 Zert. 12,50 -2,34
Euro/Dollar 1,57 +0,04
Bund Future 110,34 -0,54
Gold 926,65 -0,11
Öl 125,98 +0,80
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche