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„Europa kann alles, wenn es wirklich will“

Airbus A 380: Eine neue Ära der Zivilluftfahrt

Airbus A 380: Eine neue Ära der Zivilluftfahrt

18. Januar 2005 Im Streit mit den Vereinigten Staaten über milliardenschwere Subventionen für Boeing und Airbus hat Bundeskanzler Gerhard Schröder eine selbstbewußte Haltung der Europäer angemahnt.

Der Erfolg von Airbus sei unter anderem dadurch möglich geworden, daß die beteiligten europäischen Staaten das Projekt finanziell unterstützt hätten, sagte Schröder am Dienstag bei der Vorstellung des weltgrößten Passagierflugzeuges A 380 im französischen Toulouse. Dies sei stets in Übereinstimmung mit internationalen Abkommen, aber auch selbstbewußt geschehen. Wenn nun die Europäische Kommission die Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten aufnehme, hoffe er, „daß dann die europäische Fahne hochgehalten wird, daß europäisches Interesse fair, aber selbstbewußt zum Ausdruck gebracht wird".

„Das Boot von EADS ist nicht voll“

Die Vereinigten Staaten hatten 2004 einseitig die 1992 mit den Europäern geschlossene Vereinbarung über die Subventionsbeschränkung in der zivilen Luftfahrt aufgekündigt und Beschwerde bei der Welthandelsorganisation WTO eingereicht. Die EU reagierte wegen der Unterstützung der amerikanischen Regierung für Boeing mit einer Gegenbeschwerde. Mittlerweile soll der Konflikt jedoch ohne die WTO auf dem Verhandlungsweg gelöst werden.

Schröder forderte zugleich den Airbus-Mutterkonzern EADS auf, die Konsolidierung in der Luft- und Raumfahrtbranche voranzutreiben. „Ich würde mir wünschen, daß man bei EADS begreift, daß das Boot von EADS nicht voll ist", sagte der Bundeskanzler. In Europa gebe es Menschen, die ähnliche Träume verwirklichen wollten - etwa in Rußland. Er wünsche sich, daß die hier ergriffenen Initiativen mit noch mehr Energie fortgeführt und neue Partnerschaften ermöglicht würden.

Repräsentanten der „Starthilfeländer“

Mit einer Laser- und Tonschau präsentiert Airbus an diesem Dienstag in Toulouse das größte Passagierflugzeug aller Zeiten der Weltöffentlichkeit. Das neue Airbus-Flaggschiff A 380 mit maximal 853 Plätzen in der Charterklasse soll eine neue Ära in der Zivilluftfahrt einleiten. Rund 5.000 Gäste, darunter 500 Journalisten, wurden zu der Feier geladen.

Bundeskanzler Gerhard Schröder, Frankreichs Staatschef Jacques Chirac und die Regierungschefs von Spanien und Großbritannien repräsentieren die vier Länder, die dem A 380 mit Krediten über 3,2 Milliarden Euro „Starthilfe“ gegeben hatten.

EU-Industriekommissar Günter Verheugen hat den Airbus 380 als herausragendes europäisches Projekt gewürdigt. „Das ist ein heiß umkämpfter Markt, und daß ein europäisches Unternehmen hier zum Weltmarktführer aufsteigt, sowohl technologisch als auch wirtschaftlich, das zeigt, daß wir Europäer keinen Grund haben, unsere Fähigkeiten zu unterschätzen“, sagte Verheugen am Dienstag im ZDF. Der Airbus 380 zeige, „daß Europa alles kann, wenn es wirklich will“.

Im Jahr 2008 rentabel

Der „A 380 reveal“ bietet Airbus-Chef Noel Forgeard die Gelegenheit für einen letzten großen Auftritt, bevor er Anfang Mai in die Spitze des Airbus-Mutterkonzerns EADS wechselt. Der neue Großraumjet wird nach Angaben von Forgeard im Jahr 2008 rentabel sein. „Drei Jahre brauchen wir noch“, sagte Forgeard der Pariser Wirtschaftszeitung „La Tribune“ vom Montag.

Airbus liege bei den bisherigen Verkäufen „gut über dem Plan“, erinnerte Forgeard an das gesetzte Ziel, zwei neue Airlines jährlich als Kunden für den A 380 zu gewinnen. Forgeard rechnet fest damit, „daß der A 380 im ersten Halbjahr 2005 auch von einer chinesischen Fluggesellschaft gekauft wird“.

Jungfernflug im März

Im März soll der Prototyp zum Jungfernflug starten. Dann wird auch die Montage des ersten Serienflugzeugs beginnen. Die breite Öffentlichkeit kann den A380 erstmals im Juni während der Flugzeugmesse in Le Bourget bei Paris begutachten. 2006 wird Singapore Airlines den ersten A380 in Dienst nehmen; ein Jahr später folgen Air France und Lufthansa.

Noch vor dem Jungfernflug hat Airbus vom A 380 bereits 149 Stück verkauft. Das ist mehr als von jedem anderen Flugzeug vor seinem Erstflug. Die für 281 Millionen Euro angebotene Grundversion verfügt über zwei durchgehende Passagierdecks mit 555 Plätzen und ein Gepäckdeck. Die Maschine hat eine Spannweite von 80 Metern und ist an der Heckflosse 24 Meter hoch. Ihre Tanks fassen 310.000 Liter Treibstoff.

Zahlreichen Neu- und Umbauten für den Riesen-Flieger

Der A 380 darf auf allen Flugplätzen landen, die für Boeings 747 zugelassen sind. Dennoch haben seine Abmessungen und insbesondere die hohe Zahl der Passagiere Um- oder Neubauten auf vielen Weltflughäfen von Paris über San Francisco oder Dubai notwendig gemacht.

Mindestens 750 Flugzeuge will Airbus vom Typ A380 in den nächsten zwei Jahrzehnten weltweit absetzen. Bereits jetzt hat der europäische Hersteller mit dem A 380 das jahrzehntealte Monopol von Boeings 747 im Jumbo-Markt gebrochen. Gleichzeitig dringt Airbus mit dem A 380F in den Markt für Superfrachter vor.

Produktion auf ganz Europa verteilt

Die Endmontage des A380 findet in Toulouse statt. Das Airbus-Werk in Hamburg liefert Rumpfteile und baut die Innenausstattung ein. Die Hansestadt ist damit zweitgrößter A-380-Standort. Das A-380-Heckruder kommt aus Stade, die Flügel aus Wales, die Kanzel aus Saint-Nazaire und andere Teile aus Orten von Japan über Finnland bis zu den Vereinigten Staaten.

Airbus hat rund 50.000 Mitarbeiter vor allem in Frankreich, Deutschland, Spanien und Großbritannien. Das Unternehmen gehört zu 80 Prozent dem führenden europäischen Flugtechnikkonzern EADS, an dem Daimler-Chrysler zu gut 30 Prozent beteiligt ist, und zu 20 Prozent der britischen BAE Systems.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa, Reuters
Bildmaterial: Airbus, AP, dpa, dpa/dpaweb, F.A.Z., picture-alliance/ dpa/dpaweb, REUTERS

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