05. Januar 2007 Die in dieser Woche bekanntgewordene Riesenabfindung für den unerwartet zurückgetretenen Vorstandschef der amerikanischen Baumarktkette Home Depot, Robert Nardelli, hat in den Vereinigten Staaten erneut eine Welle der Kritik an überzogenen Vorstandsbezügen ausgelöst. Nardelli, der schon in den vergangenen Jahren wegen eines stagnierenden Aktienkurses und hohen Gehalts unter dem Beschuss der Aktionäre gestanden hatte, erhält ein Abfindungspaket im Wert von 210 Millionen Dollar.
Nardelli war zudem nicht der einzige, der in jüngster Zeit mit einer hohen Abfindung den Zorn der Aktionäre auf sich zog. Im Dezember wurde bekannt, dass der vorzeitig ausgeschiedende Vorstandschef des weltgrößten Pharmakonzerns Pfizer, Hank McKinnell, fast 200 Millionen Dollar zum Abschied erhält. Der Vorstandschef des Immobilienkonzerns KB Home, Bruce Karatz, trat im November unter Druck zurück, weil er sich laut eines internen Untersuchungsberichts mit fragwürdigen Methoden bei der Ausgabe von Aktienoptionen bereichert hatte.
Es macht sie reich, selbst wenn sie versagen
Karatz erhält dennoch 175 Millionen Dollar als goldenen Handschlag. Die Abfindungspakete werden in den meisten Fällen allerdings schon beim Antritt des Vorstandschefs verhandelt. Ein Sprecher von Pfizer begründete die satte Abfindung für McKinnell, unter dessen Ägide der Aktienkurs des Unternehmens um mehr als 40 Prozent gefallen war, mit rechtlichen Verpflichtungen. Der Vertrag mit McKinnell sei zu einer ganz anderen Zeit in der Geschichte des Unternehmens geschlossen worden.
Gegen diese Art Verträge nehmen nun die Proteste zu. Diese Abkommen machen sie effektiv reich, selbst wenn sie versagen. Das ist ein Problem, sagte Charles Elson, Fachmann für Unternehmensführung an der Universität von Delaware. Don Lindner vom Personalberatungsverband WorldatWork schätzt, dass rund 80 Prozent der Vorstandschefs bei den 500 größten amerikanischen Unternehmen Abfindungsklauseln in ihren Verträgen haben.
Börsenaufsicht SEC verschärft ihre Richtlinien
Das war in den vergangenen 20 Jahren gängige Praxis, sagt Lindner. Zwar sollen Vorstandschefs keine Abfindung bekommen, wenn es einen Anlaß für ihre Entlassung gibt. Aber die Sprachregelungen in den Verträgen machten das nach Angaben von Lindner nahezu unmöglich. Ein Vorstandschef müsse schon das Gesetz brechen oder sonst irgendein ungeheuerliches Verhalten an den Tag legen, eine schlechte Leistung allein reiche dafür nicht aus.
Ein Beispiel dafür könnte William McGuire werden, der langjährige Chef des zweitgrößten amerikanischen Krankenversicherers United Health Group. McGuire, der ebenfalls über einen Optionsskandal gestolpert war, steht laut Vertrag eine Abfindung über 66,5 Millionen Dollar zu. Vor dem Hintergrund einer internen Untersuchung sowie anhängiger Klagen gegen ihn hat ein Bundesrichter seine Aktienoptionen und Pensionszahlungen aber vorläufig eingefroren.
Die schon seit geraumer Zeit anhaltende Kritik an überzogener Vergütung in den Vorstandsetagen hat bereits die Börsenaufsicht SEC auf den Plan gerufen. Die Behörde hat Mitte des vergangenen Jahres verschärfte Richtlinien für die Offenlegung von Managergehältern beschlossen, die ab diesem Jahr gelten. Im Gegensatz zu früher müssen jetzt Informationen über Aktienoptionen sowie Pensionszahlungen bekannt gemacht werden.
Text: F.A.Z., 06.01.2007, Nr. 5 / Seite 15
Bildmaterial: F.A.Z., REUTERS
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