Untersuchung der Achsen

ICE-Überprüfungen dauern noch bis Februar

Ab in die Werkstatt: Die Überprüfung der Züge ist wohl langwieriger als gedacht

Ab in die Werkstatt: Die Überprüfung der Züge ist wohl langwieriger als gedacht

02. November 2008 Die Überprüfung der ICE-T-Flotte der Bahn auf Sicherheitsrisiken kann nach Konzernangaben noch bis zum Februar dauern. Ein Unternehmenssprecher sagte der „Bild am Sonntag“, die Überprüfung der Flotte ziehe sich noch bis Februar 2009 hin. Demnach schafft die Bahn pro Woche nicht mehr als zwei Züge. Solange die Ursache für Risse an Zugachsen nicht gefunden sei, werde bei den ICE-T auch die Neigetechnik ausgeschaltet, sagte der Sprecher dem Blatt weiter.

Der Zeitung zufolge wurde bislang ein Viertel der 70 vorläufig aus dem Verkehr genommenen Züge dieses Typs überprüft. Die Räder der Züge werden per Ultraschall untersucht. In den vergangenen Wochen waren zweimal Risse an Achsen eines ICE-T entdeckt worden.

Trotz dieser Kontrollen würden schon wieder 90 Prozent der Fernverkehrszüge planmäßig fahren, sagte der Sprecher zur „BamS“. Bis zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember würden auch nahezu alle Fahrten auf den ICE-T-Linien wieder abgedeckt werden.

115 zusätzliche Mitarbeiter, 8 neue Ultraschallgeräte

Karl Friedrich Rausch, Vorstand Personenverkehr der Deutschen Bahn, sagte dem Blatt: „Wir arbeiten rund um die Uhr und können die Kontrollen beschleunigen, indem wir zusätzlich 115 Mitarbeiter für diese Sonderkontrollen eingestellt beziehungsweise geschult haben. Zudem haben wir acht neue Ultraschall-Prüfgeräte für 2,5 Millionen Euro bestellt. Solange wir nicht die Ursache für die Risse kennen, gehen wir absolut auf Nummer sicher.“

Laut Rausch bedeutet das, die Bahn-Mitarbeiter untersuchen die Achsen alle 30.000 Kilometer, also alle drei Wochen. Schadensersatzforderungen an die Industrie schließt er nicht aus, „zumal für 27 Züge der ICE-T-Flotte noch die Gewährleistung bzw. Garantie seitens der Industrie gilt.“ Die Hersteller, so Rausch, müssten Aussagen über die Haltbarkeit der Radsatzwellen liefern.

Fahrgastverband fordert verlässliche Fahrplanvorschau

Der Fahrgastverband Pro Bahn hat von der Deutschen Bahn die Rückkehr zu einem verlässlichen Angebot an Zugverbindungen verlangt. Der Verband forderte eine verlässliche Fahrplanvorschau mit festen Fahrzeiten der Züge und der Möglichkeit auch dort Sitzplätze zu reservieren. „Die Geduld der Fahrgäste darf nicht überstrapaziert werden“, schrieb der Pro-Bahn-Vorsitzende Karl-Peter Naumann in einem Gastbeitrag für die „Bild am Sonntag“.

Naumann kritisierte außerdem die „gigantischen Gehalts- und Prämienerhöhungen der Bahnvorstands“. Er appellierte an den Vorstandsvorsitzenden: „Lieber Herr Mehdorn, verzichten Sie darauf, nehmen Sie dieses Geld in die Hand und spendieren Ihren Fahrgästen lieber ein Freigetränk in den vollen Ersatzzügen.“

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass der Bahnvorstand im Fall eines erfolgreichen Börsengangs Bonuszahlungen in Millionenhöhe erhalten soll. Im Juni war dies vom Bahn-Aufsichtsrat beschlossen worden und verursacht jetzt, da die Teilprivatisierung auf unbestimmte Zeit verschoben ist, wachsende Aufregung. Ein personalpolitisches Opfer hat es schon gegeben: Verkehrsminister Tiefensee (SPD) hat seinen Staatssekretär entlassen. Doch nun gerät Tiefensee selbst in dieser Sache mehr und mehr in die Kritik.

Auch Unionspolitiker fordern Tiefensees Rücktritt

Nach der Oppposition fordern inzwischen auch Unionspolitiker den Rücktritt des Ministers - trotz einer Vertrauensbekundung von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Im Kern geht es dabei darum, dass der Minister nach eigenen Angaben bereits seit Mitte September von den umstrittenen Zahlungen wusste, aber erst vor wenigen Tagen Konsequenzen zog.

Tiefensee selbst hatte Bahnchef Hartmut Mehdorn und die anderen Vorstände des bundeseigenen Konzerns am Samstag aufgefordert, freiwillig auf die Sonderzahlungen bei einem Börsengang zu verzichten (siehe auch: Tiefensee fordert Bahn-Manager zum Bonus-Verzicht auf).

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff kritisierte den Appell. „In dieser Diskussion ist viel Heuchelei im Spiel“, sagte der CDU-Bundesvize der „Bild am Sonntag“. In der Industrie seien Bonus- Zahlungen bei jedem Börsengang üblich. Wulff beklagte zugleich „ärgerlichste Unstimmigkeiten“ zwischen dem Ministerium, den Vertretern des Bundes bei der Bahn und dem Vorstand.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa

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