29. Oktober 2008 Der Autohersteller Porsche und die Deutsche Börse haben die Spekulationsblase um die Volkswagen-Aktie zum Platzen gebracht: Der Kurs der VW-Aktie fiel am Mittwoch im Verlauf um rund 45 Prozent auf 514 Euro, nachdem sie am Vorabend rund 82 Prozent höher bei 945 Euro geschlossen hatte. Indem Porsche VW-Aktien auf den Markt bringt, erhöht sich der Streubesitz der Wolfsburger wieder. Je nach Marktlage sollen Kurssicherungsgeschäfte in Höhe von bis zu 5 Prozent der VW-Stammaktien aufgelöst werden.
Der rasante Anstieg der vergangenen Tage war auf eine zu geringe Anzahl verfügbarer Aktien zurückgeführt worden. Zugleich stufte die Deutsche Börse in einem bisher nie dagewesenen Schritt die Gewichtung der VW-Aktie im Deutschen Aktienindex Dax zu Handelsbeginn
am kommenden Montag außerplanmäßig auf maximal 10 Prozent zurück. In der Regel wird diese so genannte Kappungsgrenze je Unternehmen nur alle drei Monate kontrolliert. Zudem leitet die Finanzaufsicht leitet eine Untersuchung ein. Die Behörde prüfe, ob es Anhaltspunkte für eine Marktmanipulation gebe, sagte eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin).
Finanzministerium sieht sich durch Kursexzesse bestätigt
Das Bundesfinanzministerium sieht sich durch die Kursexzesse der VW-Aktie in seiner Ablehnung von Leerverkäufen bestätigt. Minister Peer Steinbrück habe öffentlich klargemacht, dass solche Börsengeschäfte, denen kein wirtschaftlicher Sinn als Spekulation unterliege, künftig nicht mehr möglich sein sollten, sagte sein Sprecher Torsten Albig am Mittwoch in Berlin. An dem Punkt sitzen wir, und das ist etwas, das uns nur bestärkt in unserem Vorhaben, sagte er mit Blick auf die VW-Aktie.
Am Montag war der der Kurs der VW-Aktie auf mehr als 1000 Euro gestiegen, weil offenbar sogenannte Leerverkäufer im großen Stil VW-Aktien nachkaufen mussten. Leerverkäufe sind Geschäfte, bei denen ein Investor auf einen sinkenden Kurs setzt und sich dafür gegen eine Gebühr eine Aktie ausleiht und verkauft. Fällt der Aktienkurs wie erwartet, kann er sie später zu einem günstigeren Kurs einkaufen und zurückgeben. Geschieht das Gegenteil, muss er das Papier um beinahe jeden Preis beschaffen.
Wieviel Porsche verdient hat, war zunächst nicht bekannt
Ein Sprecher der Porsche-Holding sagte, zunächst seien weniger als ein Prozent der Optionen auf VW-Aktien aufgelöst worden. Wieviel Porsche mit dem Geschäft verdient hat, war zunächst nicht bekannt. Der Konzern wies jegliche Verantwortung für die Preisexplosion der VW-Aktie zurück. Leerverkäufer hätten sich selbst in diese Lage gebracht, hieß es: Porsche war während dieser Kursbewegungen nicht im Markt aktiv. Vorwürfe der Kursmanipulation durch Porsche entbehrten jeder Grundlage.
Porsche hatte am Sonntag mitgeteilt, über Optionen oder Eigentum über 74,1 Prozent der VW-Aktien zu verfügen. Daraufhin war es zu
Wochenbeginn zu einer Kursexplosion der VW-Aktie gekommen, die zeitweise mehr als 1000 Euro kostete - womit VW noch vor dem Ölkonzern Exxon das an der Börse wertvollste Unternehmen der Welt war. Trotz der Auflösung der Optionen gilt für Porsche weiter das Ziel, mittelfristig bis zu 75 Prozent der Anteile von VW erwerben zu wollen. Daher sei weiter geplant, VW-Stammaktien an der Börse oder außerbörslich zu wirtschaftlich vertretbaren Preisen zu erwerben. Danach will Porsche einen Beherrschungsvertrag bei VW durchsetzen.
Börse zog Entscheidung über VW vor
Die Deutsche Börse passt regelmäßig den Dax an, zog aber die Entscheidung über VW vor. Bei Handelsschluss am Dienstag hatte der Konzern noch ein Gewicht von 27 Prozent im wichtigsten deutschen Börsenbarometer. Das hatte den Dax völlig verzerrt, weil der spekulative Anstieg der VW-Aktie den gesamten Index nach oben zog, obwohl die Kurse vieler Dax-Unternehmen gesunken waren.
Niedersachsen will laut Ministerpräsident Christian Wulff seine gut 20-prozentigen Anteile an dem Wolfsburger Unternehmen behalten.
Wenn das Land seine Aktien verkaufen würde, würde der Kurs ins Bodenlose stürzen, sagte der Ministerpräsident.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, F.A.Z.