Automobilindustrie

BMW: Der nächste Mini mit Fiat

Von Henning Peitsmeier

08. Juli 2008 Der Juni war kein guter Automonat. Auch nicht für den deutschen Automobilhersteller BMW, der weniger Autos verkauft hat. Vor allem der amerikanische Markt macht den Bayern zu schaffen. Hier musste der Vorstandsvorsitzende Norbert Reithofer im ersten Quartal wegen sinkender Gebrauchtwagenrestwerte eine hohe Risikovorsorge treffen, nun sinken die Verkaufszahlen.

Insgesamt verkaufte der BMW-Konzern im Juni knapp 3 Prozent weniger. Doch immerhin steht im ersten Halbjahr bei BMW noch ein Plus von 4,7 Prozent. Exakt 764.874 Autos wurden abgesetzt. Das ist die „halbe Miete“, denn BMW will im laufenden Jahr die Führungsrolle im Premiumsegment gegenüber Mercedes und Audi behaupten und mehr als 1,5 Millionen Fahrzeuge ausliefern. „Trotz schwieriger konjunktureller Rahmenbedingungen auf einigen Märkten strebt die BMW Group für das Gesamtjahr an, über dem Absatzniveau des Vorjahres zu liegen“, erklärte jetzt BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson.

Besser als in Nordamerika, dem größten Automarkt der Welt, läuft es für BMW in der Heimat. „In Deutschland“, sagt der neue Vertriebsleiter Philipp von Sahr, „erzielten wir in der Summe immer noch den höchsten Deckungsbeitrag.“ Damit das auch so bleibt, will von Sahr das Rabattniveau senken – und das, obwohl der deutsche Automarkt zurzeit wettbewerbsintensiv ist. „Wir legen kein Geld ins Handschuhfach“, sagt Sahr; Null-Prozent-Finanzierungen und andere Dumpingangebote soll es von BMW nicht geben. Von Sahr will vor allem das Geschäft mit Autovermietern zurückfahren und Eigenzulassungen reduzieren. Diese Absatzwege, intern „erste Preisschiene“ genannt, gelten in der Branche als margenschwach. Stattdessen setzt BMW auf die „zweite Preisschiene“ – auf Verläufe an private Kunden und Großkunden. Per Mai hat BMW in der ersten Preisschiene die Verkäufe um mehr als 20.000 Fahrzeuge erhöht und das Volumen in der ertragsschwächeren zweiten Preisschiene um gut 15.000 reduziert.

BMW will gemeinsam mit Fiat einen Kleinwagen entwickeln

Helfen sollen neue Modelle und Kooperationen. So wird Reithofer nach Informationen der „Automotive News“ am Mittwoch eine neue Partnerschaft verkünden: Zusammen mit Fiat soll ein Kleinwagen entwickelt werden. Der Nachfolger des Mini könnte sich demnach aus Kostengründen mit Fiat eine Plattform teilen. Bereits vorige Woche hatte Reithofer die neue Siebener-Reihe vorgestellt. Von der Luxuslimousine will BMW mehr 320 000 Stück verkaufen und damit die Vorgängerbaureihe übertreffen. In Deutschland soll sie im kommenden Jahr 7000 mal verkauft werde, ist aus Händlerkreisen zu hören – es wäre ein Zuwachs von 75 Prozent.

Der BMW Siebener, der zu Preisen von 70.000 Euro aufwärts im Herbst in den Handel kommt, gilt als das Auto mit der höchsten Rendite im Konzern. Und auf die Marge kommt es Reithofer an. Er hat das Ziel vorgegeben, die operative Gewinnmarge im Autogeschäft von mageren 5 Prozent mittelfristig wieder an das Niveau von Mercedes heranzuführen. Der Erzrivale aus Stuttgart, der einen höheren Deckungsbeitrag je verkauftem Fahrzeug erlöst, erreichte 2007 schon einen Wert von mehr als 9 Prozent. Mit besser ausgestatteten und höherwertigen Fahrzeugen will BMW aufholen.

Dazu gehört der Siebener, aber auch der X6. Von dem Ende April auf den Markt gekommenen Nischenmodell, einer Mischung aus Geländewagen und Coupé, lieferte BMW bis Juni bisher mehr als 6000 Modelle aus. Und in Deutschland ist der X6 sogar ausverkauft: Direkt nach dem Marktstart am 31. Mai waren nach BMW-Angaben alle 2000 Exemplare vergriffen. „Wir hoffen, für den deutschen Markt noch 300 bis 400 Fahrzeuge zu bekommen“, sagt Vertriebsmanager von Sahr. Womöglich ist die Hoffnung nicht unbegründet. Denn mit Blick auf die Marge hat Vorstandschef Reithofer angekündigt, Fahrzeuge aus dem amerikanischen Markt herauszunehmen und in jenen Märkten anzubieten, in denen BMW höhere Deckungsbeiträge erzielen kann.

Hoffnung auf eine höhere Rendite machen sich auch die 280 BMW-Händler in Deutschland. Im Vorjahr erzielten sie nach Unternehmensangaben eine durchschnittliche Rendite von 0,8 Prozent. Die lag zwar über dem Branchendurchschnitt von 0,1 Prozent, ist aber noch vom Zielwert (1,5 Prozent) ein Stück entfernt. BMW will das Wertschöpfungspotential seiner Händler erhöhen, indem Gebrauchtwagen schneller vermarktet und der Service in der Werkstatt verbessert wird. Konkret plant BMW günstigen Angebote für Reparaturen von BMW-Altfahrzeugen, um nicht noch mehr Kunden an Werkstattketten wie ATU oder Pit-Stop zu verlieren. Pläne für eine eigene Werkstattkette, wie sie der Volkswagen-Konzern gerade mit „Stop + Go“ bundesweit ausrollt, hat BMW aber nicht.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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