12. November 2009 Der amerikanische Computerkonzern Hewlett-Packard (HP) Co. holt zu einer weiteren Großakquisition aus: Das Unternehmen aus Palo
Alto (Kalifornien) kündigte den Kauf des Netzwerkausrüsters 3Com Corp. aus Marlborough (Massachusetts) für rund 3,1 Milliarden Dollar in bar an. Der Preis von 7,90 Dollar je Aktie entspricht einem Aufschlag von 39 Prozent auf den Schlusskurs vom Mittwoch. HP hat erst vor etwas mehr als einem Jahr den Computerdienstleister EDS für rund 13 Milliarden Dollar übernommen.
Der Kauf von 3Com ist ein Frontalangriff auf den Technologiekonzern Cisco Systems. Ebenso wie Cisco stellt 3Com sogenannte Router und Switches her, die den Datenverkehr in Computernetzen steuern und wichtige Bausteine in der Infrastruktur des Internet sind. 3Com gehört allerdings zu den kleineren Anbietern in dem Markt, der von Cisco klar beherrscht wird. HP ließ selbst keinen Zweifel daran, auf wen das 3Com-Manöver abzielt. Dave Donatelli, der das Netzwerkgeschäft bei HP verantwortet, sagte in einer Mitteilung mit einem klaren Seitenhieb auf Cisco: Unternehmen suchen nach Wegen, um sich von den geschäftlichen Einschränkungen eines Netzwerkparadigmas zu lösen, das von einem einzelnen Anbieter dominiert wird.
Aus Partnern wurden Konkurrenten
HP und Cisco waren traditionell Partner und haben ihre Produkte oft zusammen an gemeinsame Kunden verkauft. In jüngster Zeit sind die beiden Unternehmen aber zunehmend auf Konfrontationskurs miteinander gegangen: HP-Vorstandschef Mark Hurd hat ein vorher lange im Konzern kaum beachtetes Netzwerkgeschäft zu einer strategischen Priorität erklärt und macht Cisco nun verstärkt mit eigenen Produkten Konkurrenz. Cisco wiederum ist in diesem Frühjahr in den Markt für Netzwerkrechner (Server) eingestiegen, der traditionell zu den wichtigsten Geschäften von HP gehört.
Die neue Rivalität zwischen HP und Cisco unterstreicht einen allgemeinen Trend in der Branche: Technologiekonzern versuchen immer mehr, zu Rundumanbietern für die Rechenzentren von Unternehmen zu werden, und sie greifen dabei verstärkt zu Akquisitionen. Nachdem HP sein Servicegeschäft mit EDS gestärkt hat, folgte kürzlich der Wettbewerber Dell mit der Ankündigung, den Dienstleister Perot Systems für 3,9 Milliarden Dollar zu kaufen. Beide Unternehmen ahmen den Weg des Technologiekonzerns IBM nach, bei dem die Servicesparte zum wichtigsten Umsatzträger geworden ist. Der Softwarekonzern Oracle will den Computerkonzern Sun Microsystems für 7,4 Milliarden Dollar kaufen und damit seine Produktpalette um ein Hardwaregeschäft erweitern.
Die Ausläufer der Übernahmewelle erreichten auch den deutschen Markt: Die Software AG aus Darmstadt investiert knapp 500 Millionen Euro in den Kauf des Unternehmens IDS Scheer, das sich als IT-Berater einen Namen gemacht hat. Gemeinsam erreichen die beiden hiesigen Branchengrößen einen Umsatz von einer Milliarde Euro.
Cisco selbst war in jüngster Zeit sehr aggressiv mit Zukäufen und hat allein im Oktober zwei Milliardenakquisitionen angekündigt. Das Unternehmen will 3 Milliarden Dollar für den norwegischen Videokonferenzanbieter Tandberg zahlen und den auf mobile Internettechnologie spezialisierten amerikanischen Netzwerkausrüster Starent für 2,9 Milliarden Dollar übernehmen. 3Com gehört zu den Traditionsadressen in der Technologiebranche und wurde schon im Jahr 1979 gegründet. Das Unternehmen hat seine Glanzzeiten während der Technologiebegeisterung der späten neunziger Jahre erlebt, wurde danach aber voll vom Abschwung erfasst. 3Com hat mehrere Jahre hintereinander Verluste ausgewiesen und schaffte erst im Geschäftsjahr 2008/2009 (31. Mai) wieder einen Nettogewinn, der bei 115 Millionen Dollar lag. Der Umsatz betrug in diesem Zeitraum 1,3 Milliarden Dollar.
HP hebt seine Prognose
Das Unternehmen hat seine größte Stärke in China und erreicht hier einen ähnlichen Marktanteil wie Cisco. Diese Position kommt aus einem Gemeinschaftsunternehmen, das 3Com im Jahr 2003 mit dem chinesischen Netzwerkausrüster Huawei gegründet und im Jahr 2007 vollständig übernommen hat. 3Com selbst stand im Jahr 2007 vor der Übernahme durch Huawei und die Beteiligungsgesellschaft Bain Capital für 2,2 Milliarden Dollar. Die Transaktion würde aber von der amerikanischen Regierung wegen Sicherheitsbedenken blockiert.
Mit der Übernahme gab HP auch besser als erwartete vorläufige Zahlen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2008/2009 (31. Oktober) bekannt und korrigierte seine Prognosen für 2009/2010 nach oben. Der Umsatz von HP sank im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 8 Prozent auf 30,8 Milliarden Dollar. Das Ergebnis je Aktie vor Sonderposten von 1,14 Dollar war um 2 Cent besser als von Analysten erwartet. Für das neue Geschäftsjahr hob HP die Spanne für die Umsatzprognose um 1 Milliarde Dollar auf 118 Milliarden bis 119 Milliarden Dollar an.
Text: F.A.Z
Bildmaterial: AP
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