13. Mai 2008 Nach der chinesischen Küstenregion hat sich die südwestliche Provinz Sichuan zu einem Symbol des fernöstlichen Wirtschaftswunders entwickelt. In der traditionellen Kornkammer des Riesenreiches boomen besonders Automobilindustrie, Hightec-Branche, Chemie, Pharmazie und Medizin sowie die Baubranche. Mit einem jährlichen Wirtschaftswachstum von mehr als 15 Prozent gehört Sichuan zu den dynamischsten Regionen Chinas.
Sichuan ist mit rund 485.000 Quadratkilometern fast so groß wie Spanien. Hauptstadt und Kraftzentrum der nach der Zahl seiner 87 Millionen Menschen drittgrößten Provinz Chinas ist Chengdu. In der Großregion Chongqing (größte Stadt der Welt) leben 32 Millionen Menschen.
Öl- und Kohleförderung gestoppt
Nach dem schweren Erdbeben in Sichuan hat die Regierung die Schließung von Kohlebergwerken, Ölförderanlagen und chemischen Fabriken in der Region angeordnet. Wie am Dienstag aus Firmenkreisen bekanntwurde, stellte PetroChina die Belieferung einer Pipeline im Katastrophengebiet ein. Die Leitung soll auf Schäden untersucht werden. Das könnte die größte Raffinerie in der Region zwingen, ihre Produktion zu drosseln.
Gravierende Auswirkungen auf den Energiesektor sind den Angaben zufolge nicht zu erwarten, da es in dem Gebiet verhältnismäßig wenige Einrichtungen der Branche gibt. Die in Sichuan ansässigen Firmen Aostar Aluminium und Emeishan Aluminium rechnen Branchenkreisen zufolge wegen des Erdbebens mit Elektrizitäts- und Materialengpässen. Bislang sei die Produktion der beiden Unternehmen allerdings nicht beeinträchtigt.
Größter deutscher Investor ist die Allianz
Kosten- und Steuervorteile sowie Marktperspektiven haben in den vergangenen Jahren Firmen aus aller Welt nach Sichuan gezogen. Mittlerweile sind nach Angaben des deutschen Generalkonsulats in Chengdu auch mehr als 100 deutsche Unternehmen in der Region mit Büros oder Produktionsstätten vertreten. Größter deutscher Investor ist die Allianz, die in der Provinzhauptstadt eine Niederlassung mit 700 Mitarbeitern unterhält. Seit 2007 produziert VW mit einem Joint-Venture-Partner den Jetta. Der süddeutsche Tunnelbauer Herrenknecht ist am U-Bahn-Bau in Chengdu beteiligt. Die BASF ist in Sichuan groß in den Markt mit Bauchemikalien eingestiegen. In der Megastadt Chongqing sind Großkonzerne wie Siemens, BMW, Degussa, Linde und ThyssenKrupp, aber auch mittelständische Unternehmen aktiv.
Das Engagement der deutschen Wirtschaft in Sichuan wird seit langem von der Politik gefördert: Bereits in den 1930er Jahren unterhielt Deutschland ein Generalkonsulat in Chengdu. Nordrhein- Westfalen ging vor etwa 20 Jahren eine Partnerschaft mit der Provinz ein. 1995 besuchte der damalige Außenminister Klaus Kinkel (FDP) Chengdu, 2003 kam der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), 2007 Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU).
Text: FAZ.NET mit Reuters/dpa
Bildmaterial: dpa
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