Leserbrief

Restabbau der Metallerze nicht rentabel

18. August 2008 Als pensionierter Präsident des früheren Oberbergamtes in Clausthal-Zellerfeld im Harz und als ehemaliger Hochschullehrer habe ich den Artikel "Erzabbau als neuer Wirtschaftsfaktor in Sachsen?" von Reiner Burger (F.A.Z. vom 28. Juli) mit großem Interesse gelesen. Das Fragezeichen am Ende der Überschrift Ihres Aufsatzes ist berechtigt. Alle bergmännischen Erwartungen stützen sich auf den wachsenden Metallbedarf des Weltmarktes, auf die Kurse der Börsen, insbesondere der Londoner Metallbörse, und auf die Wechselkurse der international gehandelten Währungen.

Die Lagerstätten für Metallerze dürften in Deutschland bis zu einer Teufe von etwa 1000 Metern weitgehend bekannt sein. Soweit der Gebirgsdruck, die Gebirgstemperaturen und besonders die zusetzenden Wässer unter Tage es zuließen, sind diese Erzvorräte aufgesucht und größtenteils auch gewonnen worden. In der Regel ist nur ein Restabbau - Nachlesebergbau - noch zu erwarten. Dieser ist teuer und, wenn er in einem noch weitgehend unverritzten Feld umgehen soll, auch risikoreich und zu Beginn sehr zeitaufwendig. Ob dazu auf Dauer der lange Atem und der politische Wille ausreichen, ist zurzeit zu bezweifeln.

Die Vergangenheit lehrt - zuletzt in den siebziger und den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts -, dass das wirtschaftliche Interesse bald wieder abnehmen kann, wenn wirtschaftliche Erfolge ausbleiben oder noch nicht erwartet werden können. Schon damals waren die nötigen, zum Teil zeitaufwendigen behördlichen Verfahren und die Entwicklung der Kurse an den Börsen die Hauptproblemfelder für eine auf die Zukunft bezogene Planung in diesem Bergbauzweig. Nur beim Kupferschieferbergbau, dessen Vorkommen großflächig im heutigen Ost- und Mitteldeutschland auftreten, wäre hier und da ein Neuanfang denkbar. Aber selbst in solchen Fällen dürfte es eine lange Zeit dauern, bis eine kalkulierbare und eine wirtschaftliche Erzgewinnung zu erwarten wäre. Für solch lange Zeiträume fehlt heute der Durchhaltewillen und das nötige Kapital. Meines Erachtens wird das Interesse an befristeten bergrechtlichen Erlaubnisfeldern, die die Auflage haben, die Mineralvorkommen ernsthaft zu suchen, nicht von Dauer sein. Eine nachhaltige Renaissance des Metallerzbergbaus bleibt zweifelhaft, nicht nur in Sachsen, sondern auch in anderen deutschen Bundesländern.

Anders ist es im Erdöl- und Erdgasbergbau. Hier ist in Deutschland zu beobachten, dass die Förderung dieser Rohstoffe seit Jahrzehnten auf etwa gleichem Niveau liegt. Bei Erdöl fällt sie allerdings langsam. Die Zahl der Beschäftigten steigt in den letzten Jahren sogar wieder. Auch hier sind die steigenden Rohstoffpreise der Grund dafür, in bekannten Lagerstätten in die Gewinnung technisch und finanziell mehr zu investieren, um den Ausbeutefaktor zu erhöhen. Früher war bei den norddeutschen Erdölfeldern ein Ausbeutefaktor von dreißig Prozent ein schönes Ergebnis. Inzwischen ist dieser Wert bei der heutigen Lagerstätten- und Fördertechnik zumeist längst überschritten worden.

Neue Lagerstätten dürften im deutschen Erdöl- und Erdgasbergbau aufgrund der vorliegenden Geologie nur noch selten zu erwarten sein. Mehr Hoffnungen werden zurzeit auf Teilfeldsuchbohrungen gesetzt. Hier liegt also keine mögliche Renaissance dieses Bergbauzweiges, sondern aufgrund verbesserter Technik nur eine Verlängerung der Lebenszeit im Wesentlichen bekannter Erdöl- oder Erdgasfelder vor.

PROFESSOR GOTTHARD FÜRER, GOSLAR

Text: F.A.Z.

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Nutzen Sie jetzt Ihr Sonderkündigungsrecht. Beim Wechsel Ihrer Kfz-Versicherung winken bis zu 500 € Ersparnis. Jetzt online vergleichen und gleich abschließen.

Dax
Tec
Dow
Nas
22.12.2009 | 17:45
Dax 5.945,69
+0,26 %
 
        Vortag
22.12.2009 | 19:44
Name Kurs in %
DAX 5.945,69 +0,26%
TecDAX 810,97 −0,84%
MDAX 7.484,31 +0,40%
SDAX 3.561,79 +0,40%
REX 377,94 −0,15%
Eurostoxx 50 2.945,71 +0,67%
Dow Jones 10.468,00 +0,52%
Nasdaq 100 1.839,83 +0,60%
S&P500 1.114,05 +1,05%
Nikkei225 10.378,00 +1,91%
EUR/USD 1,4263 −0,09%
Rohöl Brent Crude 73,55 $ +0,77%
Gold 1.105,50 $ +0,09%
Bund Future 122,35 € −0,45%
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche