Investor aus Amerika

Warren Buffett geht in Deutschland shoppen

Von Tim Höfinghoff

18. Mai 2008 Das Programm verspricht nicht nur Kulinarisches und entspanntes Plaudern, sondern auch einen besonders seltenen Gast. Wenn sich am kommenden Montag im feinen Frankfurter "Union International Club" die erste Garde deutscher Familienunternehmer versammelt, wollen alle nur eines: Warren Buffett sehen.

Neben Begrüßungsdrinks, Präsentation (Thema: Zukunft von Familienunternehmen) sowie Dinnerbüfett haben die Organisatoren noch genug Zeit eingeplant, den legendären Investor aus Amerika zwei Stunden lang auszufragen.

Warren Buffett in Deutschland. Das ist ungewöhnlich. Der Hintergrund ist: Buffett hatte sich mit 80 Prozent an dem israelischen Industriekonzern Iscar beteiligt - ein Familienunternehmen mit Nachfolgeproblemen. Diese Erfahrung will Buffett nun mit Iscar-Chairman Eitan Wertheimer in Europa präsentieren. Das Beispiel soll schließlich Schule machen: Buffett, so seine Botschaft in Deutschland, sei der ideale Investor für Familienunternehmen. Besonders wenn die Nachfolgeregelung ansteht und es um eine langfristig stabile finanzielle Basis für den Familienbetrieb geht. Nicht nur nach Deutschland, auch nach Italien, Spanien und die Schweiz reist Buffett.

Mission vor zwei Wochen angekündigt

Seine Mission hatte er bereits vor zwei Wochen auf der Hauptversammlung seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway verkündet: Er wünsche sich, auch bei deutschen Familienunternehmern "stärker auf den Radarschirm zu kommen". Und: "Wenn ihnen ihr Geschäft wichtig ist, dann sind wir die beste Adresse."

Für die Werbetour nach Frankfurt haben die Buffett-Helfer 100 namhafte deutsche Familienunternehmen angeschrieben, mindestens die Hälfte davon hat zugesagt, heißt es. Darunter - die Liste gilt als streng vertraulich - sind nicht nur Maschinenbauer, sondern auch Chefs von Nahrungsmittel- und Handelsunternehmen. Eingeweihte berichten, auf der Einladungsliste stünden auch Namen wie Stefan Quandt (Großaktionär von BMW) sowie Privatbanker wie Matthias Graf von Krockow von Sal. Oppenheim. Investor Buffett wird wohl kaum BMW oder Sal. Oppenheim übernehmen, doch ein persönliches Treffen mit dem Star aus Amerika im exklusiven Kreis - das wollen sich die deutschen Familienunternehmer keinesfalls entgehen lassen.

Besonders erfolgreich

Schließlich ist Buffett nicht irgendein Investor. Er ist besonders erfolgreich. Die Berkshire-Aktien haben seit Mitte der sechziger Jahre pro Jahr im Durchschnitt um 20 Prozent zugelegt. Schon als 11-Jähriger spekulierte Buffett an der Börse. Von dem Gewinn kaufte er daheim in Omaha im amerikanischen Bundesstaat Nebraska Immobilien. Da war er 14 Jahre alt.

Inzwischen hat der 77-Jährige mehr als 70 Tochterunternehmen. Die Branchen: Versicherungen wie General Re, aber auch Restaurantketten und Großhändler. Zudem hält er große Aktienpakete an Coca-Cola, dem Konsumgüterkonzern Procter and Gamble sowie Finanzinstituten wie American Express. Kürzlich finanzierte er die Übernahme des weltgrößten Kaugummiherstellers Wrigley durch Mars mit. Buffett hat finanziell längst ausgesorgt: Er ist der reichste Mann der Welt. Sein Vermögen soll sich auf 62 Milliarden Dollar summieren. Ein Großteil davon hat er der Stiftung von Microsoft-Gründer Bill Gates zugesagt.

Zwar hatte Buffett mit Berkshire Hathaway stets großen Erfolg. Doch zuletzt musste er seinen Anlegern einen Gewinneinbruch beichten. Überhaupt: Die fetten Jahre sind vorbei. Trotzdem hat Buffett knapp 40 Milliarden Dollar zur Verfügung. Zum Einkaufen. Deshalb schielt er nach Europa. Fasziniert von deutscher Wertarbeit und Technik soll er sein - auch deshalb will er mit den Familienunternehmen ins Gespräch kommen. Sie bieten, was Buffett bei seinen Investments immer sucht: langfristigen Erfolg und solide Erträge.

Und so werden auch schon bekannte Firmennamen herumgereicht, an denen Buffett Interesse haben könnte: Als der Name des Druckmaschinen-Herstellers Heidelberger Druck fiel, stieg der Aktienkurs des Unternehmens prompt. Auch am Süßwarenanbieter Haribo aus Bonn soll Buffett Gefallen finden. Bei Haribo heißt es dazu: "Da ist nichts dran, wir bleiben unabhängig."

Doch Buffett bietet viele Vorteile, und er ist sehr beliebt: "Er versprüht Vertrauen", sagt Brun-Hagen Hennerkes, Experte für Familienunternehmen. "Buffett ist ein Kapitalist im positiven Sinne, und die Leute haben Achtung vor ihm." Andere Private-Equity-Investoren würden von deutschen Familienunternehmen eher mit Skepsis empfangen. Buffett hingegen ist kein Firmenaufkäufer mit Heuschrecken-Image. Solche Eigenschaften schreiben viele schon eher Investoren wie Guy Wyser-Pratte zu, die einen Konzern gerne radikal umbauen, sobald sie eingestiegen sind. Auf solche Aktionen haben Familienunternehmen hierzulande nicht unbedingt große Lust. Das Schlimmste, was ihnen kommende Woche jedoch passieren könnte, wäre: erst gar nicht auf der Einladungsliste von Buffett zu stehen. Und als mögliches Buffett-Investment gänzlich auszuscheiden.



Text: F.A.S.
Bildmaterial: REUTERS

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