„Am Ende werden nicht 20 Prozent stehen, aber auch keine Null“: Fraportchef Schulte zur künftige Höhe der Flughafenentgelte
An diesem Freitag läuft die Frist ab, innerhalb derer sich die Deutsche Lufthansa AG und anderer Fluggesellschaften mit dem Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport AG darüber einigen sollten, welcher Betrag bei den Fluggesellschaften je Passagier für die Nutzung des Flughafens zu Buche schlagen sollte. Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte wollte zwar gestern noch nicht von einem Durchbruch sprechen. Die Gefahr eines Scheiterns sei aber wesentlich geringer als die Chancen für eine Einigung heute oder in den nächsten Tagen, meinte er. Auch aus den Reihen der Fluggesellschaften war zu hören, dass die Verhandlungen zwar „sehr hart geführt würden“, ein Kompromiss allerdings in greifbare Nähe gerückt sei.
Von einem angeblichen Plan der Fraport, die Entgelte um 20 Prozent zu erhöhen, war auch bei der Lufthansa nicht mehr die Rede. Schulte zufolge hat der Flughafenbetreiber eine solche Höhe zu keinen Zeitpunkt gefordert. „Am Ende werden nicht 20 Prozent stehen, aber auch keine Null“, sagte er. Zurzeit müssen die Fluggesellschaften je Passagier gut 40 Euro zahlen. Der Fraport-Chef weiß wohl, dass es den Airlines gerade in den für die Branche derart dramatischen Krisenzeiten mit Einbußen bis zu einem Drittel des Geschäfts nicht daran interessiert sein können, kostensteigernde Verträge zu schließen. Dem hält Schulte entgegen, dass mit der in Rede stehenden Einigung bis in das Jahr 2015 ein bislang nicht gekanntes Maß an Planungssicherheit für die Fluglinien erreicht werde. Zudem hätten diese auf konkurrierenden Flughäfen wie London Heathrow zuletzt jährliche Aufschläge von bis zu 24 Prozent hinnehmen müssen.
In Frankfurt habe es dagegen „drei Nullrunden“ gegeben. Kostendeckend, so äußerte Schulte gestern weiter, seien die Entgelte ohnedies „schon lange nicht mehr“. Diese Dienstleistungen müssen demnach aus rentablen Geschäftsfeldern des Flughafenbetreibers, beispielsweise aus den Einzelhandelsmieten und der sonstigen Immobilienbewirtschaftung, quersubventioniert werden. Aus dem Lufthansa-Management ist im Zusammenhang mit dem Entgeltstreit auch der Anwurf zu hören gewesen, dass man mit den Entgeltaufschlägen eine Landebahn finanzieren solle, die man selbst gar nicht brauche, und die vielmehr dazu diene, Konkurrenten, etwa die Billigfluggesellschaft Easyjet, nach Frankfurt zu holen.
Von offizieller Seite habe er in den Verhandlungen diese Vorhaltung noch nicht gehört, sagte der Vorstandschef. Zudem sei der ursprüngliche Plan, den Flughafen auszubauen, von der Lufthansa selbst mit initiiert worden.
Schulte hatte unlängst geäußert, er könne sich Easyjet gut als Kunde vorstellen. Gestern wies er aber darauf hin, dass nicht Fraport Slots, also die Zeitfenster für Starts und Landungen vergebe, sondern der dem Bundesverkehrsminister unterstellte Flughafenkoordinator der Bundesrepublik.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp
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