Goethe Business School

"Wir wollen die beste Managerausbildung in Deutschland"

Mark Wahrenburg

Mark Wahrenburg

30. Mai 2005 An diesem Montag wird die Goethe Business School (GBS) an der Frankfurter Universität festlich eröffnet. Die GBS startet mit einem Studiengang für den Master of Business Administration (MBA), der in Kooperation mit der Fuqua School of Business an der amerikanischen Duke University angeboten wird. Die Fuqua-MBA-Lehrgänge rangieren in einschlägigen Umfragen regelmäßig unter den besten zehn weltweit.

Nach amerikanischem Vorbild richtet sich das "Duke Goethe Executive MBA"-Studium an junge Führungskräfte. Der zweijährige, nebenberufliche Lehrgang kostet 46500 Euro - was im internationalen Vergleich eher billig ist. Im Herbst startet ein zweiter Studiengang "Master of Finance and Accounting", der im ersten Jahr exklusiv für Mitarbeiter des Wirtschaftsprüfers KPMG reserviert ist. Zudem sind mehrere kürzere Seminare für die Weiterbildung von Managern geplant. Der Leiter der GBS, der Frankfurter Wirtschaftsprofessor Mark Wahrenburg, erläutert das Konzept.

In Deutschland gibt es bereits 80 Anbieter von Studiengängen für den Master of Business Administration (MBA). Wieso braucht Deutschland eine weitere Business School?

Sechzig von diesen Studiengängen verdienen nicht den Namen MBA, weil sie eigentlich nichts mit der Weiterbildung von Managern zu tun haben. Die übrigen 20 sind überwiegend zu schlecht, um im internationalen Maßstab mitzuspielen.

Und das wollen Sie ändern?

Eine Volkswirtschaft lebt davon, daß sie gute Führungskräfte hat. Viele Unternehmen schicken ihre Manager immer wieder auf Business Schools, damit sie sich dort weiterbilden und weiterentwickeln. Gleichzeitig bauen die Manager untereinander Netzwerke auf - das sind die Geschäftsbeziehungen von morgen. Leider schicken wir unsere Führungskräfte heute an ausländische Business Schools. Der deutsche Markt für Managerweiterbildung hat ein großes Potential, ist aber noch weitgehend unerschlossen.

Woran liegt das?

Die klassische deutsche Universität hat ein ganz anderes Konzept. An ihr holt man sich einmal im Leben seine Berufsausbildung ab. Demgegenüber verwirklichen Business Schools das Prinzip "Lernen - ein Leben lang". Dadurch sind sie Zentren, an denen sich die Führungselite eines Landes trifft. Hier erlernen Manager die aktuell besten Methoden, ein Unternehmen zu führen. Dazu gehören betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Zum Beispiel, wie man den Vertrieb im Zeitalter des Internet organisiert. Oder wie man ein anderes Unternehmen kauft. Aber vor allem auch, wie man Mitarbeiter führt und motiviert.

Wie groß ist der Markt für Managerbildung?

In Amerika sind Business Schools eine Milliardenindustrie. In Großbritannien steuert "Higher Education" als Wirtschaftszweig rund 1 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Die Pariser Business School Insead bildet jährlich 5000 bis 10000 Führungskräfte aus, teils in ein- oder mehrtägigen Seminaren, teils aber auch in einem kompletten Studium. Insead ist dabei nur eine von vier oder fünf vergleichbar großen Institutionen in Frankreich.

Wie will sich die Goethe Business School als Neuling positionieren?

Der Markt hat zwei Segmente: ein Niedrigpreisangebot, das im Grunde Nachhilfeunterricht zum Beispiel für Ingenieure im Einmaleins in Betriebswirtschaft offeriert. Das hat auch seine Berechtigung. Aber das größere Marktsegment ist Weiterbildung für wirkliche Führungskräfte. Genauso selbstverständlich, wie diese Leute Mercedes, BMW oder Audi fahren, gehen sie nur an eine international renommierte Business School. Wir haben den Anspruch, den besten MBA-Studiengang in Deutschland anzubieten.

Das sind große Ambitionen. Wer sind Ihre Vorbilder?

Wir sind nicht so vermessen, Harvard, Stanford oder Yale zu nennen. Das ist eine andere Dimension. Unsere Vorbilder sind Business Schools, die ähnlich wie wir spät gestartet sind. Dazu zählen Insead in Paris, die London Business School, die New York University, aber auch Rotterdam.

Und damit wollen Sie sich messen?

Wir starten bescheiden. Verglichen mit der London Business School oder Insead, sind wir sehr klein. ANTWORT: Insead hat 150 Professoren, die alle in der Managerweiterbildung eingesetzt werden können. Wir haben hier am Frankfurter Fachbereich Wirtschaftswissenschaften rund 40 Professoren, das ist immerhin mehr als an jeder anderen deutschen Universität. Der Kader, der an der GBS lehren wird, zählt rund 25 Köpfe.

Ist dieser Rückstand noch aufzuholen?

Frankfurt, das Rhein-Main-Gebiet, ist mit "think tanks" für Wirtschaftswissenschaften unterversorgt. Gleichzeitig ist Frankfurt der beste deutsche Standort für eine Business School. Wir haben in Frankfurt bereits eine hervorragende Wirtschaftsfakultät, ein einzigartiges Netzwerk mit der Industrie und den Banken am Finanzplatz Frankfurt. Hinzu kommt demnächst eine hervorragende Infrastruktur durch die neuen Universitätsgebäude im Campus Westend. Und wir haben den Flughafen.

Wieso ist der wichtig?

Eine führende Business School muß international sein. Niemand geht auf eine Schule, an der nur Deutsche studieren. Die GBS wird davon leben, daß Führungskräfte aus Portugal, Polen, Osteuropa oder Asien nach Frankfurt kommen. Da hilft uns, daß Frankfurt international ein Begriff ist. Jeder Chinese hat schon etwas von Frankfurt gehört - aber nicht von Mannheim oder Koblenz, wo es auch ambitionierte Business-School-Projekte gibt.

Mit wieviel Studenten startet die GBS?

In diesem Jahr mit 33, alles gestandene Manager. Die meisten sind von ihren Vorstandsvorsitzenden handverlesen. Sie werden zu uns geschickt, damit sie aus ihrem Unternehmen herauskommen. Das ist nötig, damit aus einer guten Fachkraft ein visionärer Unternehmenslenker wird, der über den Tellerrand zu blicken vermag. Mittelfristig wollen wir eine Klassenstärke von ungefähr 60 haben.

Wird die GBS zu einem Wachstumsmotor für Frankfurt?

In London und Paris ist das so, in Großbritannien wird das sogar durch die Gesetzgebung unterstützt. Ein Inder, der in London an einer Business School studiert, muß dafür hohe Studiengebühren zahlen. Aber er weiß von vornherein, daß er nach Abschluß des Studiums eine Arbeitserlaubnis für zwei Jahre erhält - was ihm erlaubt, seine Schulden zurückzuzahlen. In Großbritannien hat man das gezielt zur Unterstützung der Business Schools so eingerichtet, in Deutschland denkt man darüber noch nicht nach.

Wer kann sich Studiengebühren von 40.000 Euro und mehr leisten?

In der Managementweiterbildung werden die Kosten fast immer geteilt: Einen Teil zahlt das Unternehmen, das den Manager für die Weiterbildung freistellt, den anderen Teil zahlt der Manager selbst. Die Gebühren können von der Einkommensteuer abgesetzt werden. Das Ganze lohnt sich, denn der Abschluß an einer renommierten Business School erhöht den Marktwert des Teilnehmers beträchtlich.

Das Gespräch führte Benedikt Fehr



Text: F.A.Z., 30.05.2005, Nr. 122 / Seite 13
Bildmaterial: Archiv

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