Von Michael Roth
09. Juli 2004 Wie im richtigen Western kommt es am Freitag gegen 12 Uhr mittags zum Duell - allerdings zu einem Duell der Worte und der Strategien.
Guy Wyser-Pratte, ein amerikanischer Finanzinvestor, der so aussieht und sich auch so benimmt, wie man sich einen amerikanischen Finanzinvestor vorstellt, trifft auf Hans Fahr, den eher bedächtigen und soliden Vorstandsvorsitzenden, der seit acht Jahren an der Spitze des Maschinenbaukonzerns IWKA steht.
Wyser-Pratte fordert die Zerschlagung
Wyser-Pratte, der 6,5 Prozent der Aktien hält und derzeit wohl die Unterstützung einiger Fonds sucht, fordert nichts weniger als die Zerschlagung des Maschinenbaukonzerns. Übrigbleiben sollen die profitable Robotersparte (Kuka-Roboter) und einige Werkzeugmaschinen, die an die Automobilindustrie verkauft werden.
Dort profitiert IWKA von den häufigen Modellvarianten - vom Cabrio bis zum Minivan. Für viele Modelle werden viele Roboter gebraucht: gut für Kuka. Den Rest von IWKA will Wyser-Pratte loswerden. Dazu gehören die Prozeßtechnik (Armaturen, Meß- und Regeltechnik) mit roten Zahlen und die ertragsschwachen Verpackungsmaschinen.
Vorstandschef Fahr will an Strategie festhalten
Vorstandschef Fahr, mit den einflußreichen Aufsichtsräten Jürgen Hubbert (Mercedes) und Volker Doppelfeld (BMW) im Rücken, wird für seine Strategie werben. Er sieht die Kuka-Roboter als Basistechnologie für die beiden künftigen Bereiche Automotive und Verpackungsmaschinen, die an Konsumgüterhersteller wie Procter&Gamble oder Bierbrauer wie Annheuser Busch verkauft werden.
Die Prozeßtechnik will auch er verkaufen. Daß er dabei dem Druck von Wyser-Pratte nachgegeben habe, bestreitet er. "Wir haben uns schon vor zwei Jahren Gedanken gemacht", sagt Fahr. Doch damals wären beim Verkauf die Buchverluste zu hoch gewesen.
Fahr wird außerdem damit werben, daß sich die Ertragslage in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert hat, daß er Schulden abgebaut hat und daß es so weitergehen soll. Die Ebit-Rendite soll von derzeit 3,5 Prozent auf 5 Prozent zulegen. Die Leistung der jüngsten Vergangenheit weiß auch Wyser-Pratte zu würdigen. In einem Brief an Fahr soll von Lob für die Leistung im Geschäftsjahr 2003 die Rede sein.
Den geplanten Verkauf der Prozeßtechnik wird Wyser-Pratte auch am Freitag loben, allerdings nur als ersten Schritt. Wenn es nach ihm geht, sollen auch die Verpackungsmaschinen so schnell wie möglich weg. "Wie nur können andere Verpackungsmaschinenhersteller ohne Kuka-Roboter überleben?" wird provozierend in Wyser-Prattes Umgebung gefragt.
Die Synergien zwischen Robotersparte und Verpackungstechnik sind für Wyser-Pratte schlichtweg nicht existent. Fahr will sich dagegen "die Synergien nicht aus der Hand nehmen lassen". Er sieht zahlreiche Parallelen zum Geschäft mit der Automobilindustrie. Auch in der Verpackungsbranche gehe der Trend zum Systemgeschäft. Pharmakonzernen will er künftig ein Komplettangebot von der Tablettenpresse bis zur Verkaufsverpackung machen.
Es wird schwer für Wyser-Pratte
Fahrs Chancen im Duell stehen gut. Selbst wenn Wyser-Pratte die Nichtentlastung des Vorstands fordert, eine Mehrheit in der Hauptversammlung dürfte er nur schwer zusammenbringen. Üblicherweise liegt die Hauptversammlungspräsenz bei IWKA zwischen 40 und 50 Prozent. Eine Mehrheit wäre folglich bei etwas mehr als 20 Prozent gegeben. Wyser-Pratte hält eigenen Angaben zufolge 6,5 Prozent, größter Aktionär von IWKA ist der britische Hermes-Fonds mit vermutlich 7 Prozent.
Wyser-Pratte auf der Suche nach Verbündeten
Weitere Großaktionäre gibt es nicht bei IWKA, allerdings liegt die Aktie bei zahlreichen angelsächsischen Fonds im Depot. Die könnten mit Wyser-Pratte, der dieser Tage auf Werbetour bei ihnen ist, sympathisieren. Ob sie mit ihm stimmen, ist aber nicht sicher. "Man geht als Fondsmanager nicht mit einem Raider ins Bett", ist aus der Fondsbranche zu hören.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 04.07.2004, Nr. 27 / Seite 33
Bildmaterial: dpa
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