Bildergalerie: „Manager malen“

Teeparty beim verrückten Hutmacher

Von Susanne Preuß, Stuttgart

Carl-Jürgen Brandt, Brandt Zwieback-Schokoladen GmbH

Carl-Jürgen Brandt, Brandt Zwieback-Schokoladen GmbH

18. November 2005 Christine Licci hat ihr Problem im Familienkreis besprochen, daheim in Kastelruth. Nicht die Frage, wie sie ihre Karrierepläne bei der HVB nach der Fusion mit Unicredit durchsetzen könnte - das vielleicht auch. Heftig diskutiert wurde bei Liccis zu Hause jedenfalls darüber, was die 41 Jahre alte Bankmanagerin malen könnte, um für die Wohltätigkeits-Aktion "Manager malen für Kinder" ein möglichst schönes Bild abliefern zu können.

"Es sollte bei der Aktion ja um Kinder gehen, aber ich kann keine Gesichter malen", umreißt Licci das Problem: "Da hatte mein Verlobter die Idee: Man kann ja die Menschen auch von hinten zeigen." Nun sitzt da auf Christine Liccis Bild ein Kind mit Opa auf einer Bank und blickt auf den Schlern, das Wahrzeichen Südtirols. In der Nähe des Kindes steht ein Baum in voller Blütenpracht - Symbol des Frühjahrs -, während auf der anderen Seite des Bildes die Blätter sich schon herbstlich färben. "Ich male gern, habe mir aber immer eingeredet, keine Zeit zu haben", sagt Licci. Vor zwanzig Jahren habe sie das letzte Bild gemalt. Jetzt hat es sie wieder gepackt: "Ich habe mir wieder eine komplette Ausstattung gekauft."

Dieter Hundt und die Wasserfarben seiner Enkel

Licci, die gerade ihren Vorstandsposten in München aufgegeben hat und nun zumindest vorübergehend mehr Zeit für ihr neu entdecktes altes Hobby hat, ist nicht die einzige, der es so erging. Die Börse Stuttgart, von der die Initiative zu der "Manager malen"-Aktion ausging (www.manager-malen.de), hat offenbar in so manchem Unternehmensstrategen verborgene Talente geweckt.

Insgesamt 31 Bilder sind so zusammengekommen, die zugunsten der Mentor-Stiftung versteigert werden, die sich der Drogen- und Suchtprävention und der Förderung von Kindern verschrieben hat. "Das ist eine gute Sache: Gezielte Projekte für benachteiligte Jugendliche sind auch in unserem Sinne", urteilte schnell Dieter Hundt, der Präsident der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände. Wenn seine Enkelkinder mit Wasserfarben hantieren, mischt auch der 67 Jahre alte schwäbische Unternehmer ab und zu mit - warum also nicht für eine gute Sache? Als Motiv wählte er ein adrett gekleidetes Mädchen mit Schultüte: symbolhafte Begegnung an jenem Tag im September, als er um die Teilnahme an der Aktion gebeten wurde.

Regine Sixt: „Kunst ist mein Hobby“

Leicht hat es sich keiner gemacht. Viele Bilder wirken professionell, und zwar nicht nur die Werke von den Kreativ-Profis wie Wolfgang Joop oder Murat Günak, Chefdesigner von Volkswagen, oder Bernd Michael, dem scheidenden Chef der Werbeagentur Grey. "Kunst ist mein Hobby. Ich lasse keine Ausstellung und kein Museum aus, wo auch immer ich bin", gesteht Mietwagen-Managerin Regine Sixt, die zwei lebendig und lebensfroh wirkende farbige Kinder gemalt hat.

Auch Ralph Anstoetz, der den Stoffverlag JAB Anstoetz zur Lifestyle-Marke ausbaute, versucht so oft wie möglich von dem befreundeten Bielefelder Künstler Heiner Meyer zu lernen. Er hat zwei Kinder gemalt, Marie und Jan, die aufs Meer hinausblicken - in die Zukunft. Auch Philipp Justus, Europachef des Auktionshauses Ebay, der gemeinsam mit seiner Frau fünf Kinder (als Symbol für fünf Kontinente) mit einem Schaukelpferd gemalt hat, hat nach eigenen Angaben "einige künstlerische Eigenproduktionen zu Hause".

Bilder werden über Ebay versteigert

Einige der malenden Manager haben auch das Sujet ihres Unternehmens auf die Leinwand gebannt: Albert Darboven hat eine lustige Kaffeebohne gemalt, Carl-Jürgen Brandt einen Zwieback am Schreibtisch und Wendelin von Boch, Chef des Porzellanimperiums Villeroy & Boch, hat sich an die Teeparty beim verrückten Hutmacher gewagt. Die bunte, skurrile Szene aus "Alice im Wunderland" müßte Kindern doch gefallen, mutmaßt Boch. Als Kind habe er viel gemalt, und er tue es auch heute noch: "Ich zeichne gerne, auch in Sitzungen, daher brauche ich immer viel mehr Notizpapier."

So richtig spannend wird es für die Manager am Freitag abend. Während der Vernissage in der Börse Stuttgart wird ein Kunstwerk sofort versteigert: das von einer Kinderjury dafür ausgewählte Bild von Bernd Michael. Alle anderen werden über Ebay versteigert. In den letzten Jahren habe Ebay gemeinsam mit den Non-Profit-Organisationen in Deutschland mehr als fünf Millionen Euro für gute Zwecke eingesammelt, berichtet Justus. Letztlich gehe es aber doch nicht nur um den Erlös, sondern auch um Aufmerksamkeit: "Wenn wir erreichen, daß sich eine große Anzahl von Menschen mit diesem Thema beschäftigt, ist das mehr wert als jedes der Bilder."

Thomas Gottschalk hat abgesagt

Andreas Willius, Chef der Börse Stuttgart, will den materiellen Aspekt aber nicht vernachlässigt sehen: "Wir haben natürlich ganz hohe Erwartungen an den Erlös. Schön wäre es, wenn im Durchschnitt tausend Euro pro Bild zusammenkämen", meint Willius, der auch für sich selbst die Aktion als "freundliche Aufforderung" genommen hat, "auch mal was anderes zu machen". Einige Manager haben schon Freunde, Verwandte und Kollegen zum Mitsteigern angespornt, und auch die Mal-Kollegen treten als Bieter auf. Andreas Kerstan beispielsweise, Geschäftsführer bei IBM Deutschland, hat sich schon vorgenommen, für einige Bilder mitzubieten. Ungeachtet dessen, sagt Kerstan, erwarten seine eigenen Kinder, daß Papas Bild den höchsten Preis erzielt, und er nimmt es gelassen: Schließlich müßten Kinder früh lernen, mit Enttäuschungen umzugehen.

Die Veranstalter haben eine Enttäuschung bereits hinnehmen müssen. Mit Show-Manager Thomas Gottschalk und ENBW-Chef Utz Claassen haben ausgerechnet zwei der bekanntesten Teilnehmer ihr Versprechen nicht gehalten und kein Bild geliefert - aus Zeitgründen, wie sie mitteilen lassen. Zumindest bei Utz Claassen ist bekannt, daß ihm das Motto der Veranstaltung "Unsere Kinder - unsere Zukunft" derzeit in ganz anderer Form begegnet: Der Strommanager ist vor wenigen Wochen Vater geworden.

Text: F.A.Z., 18.11.2005, Nr. 269 / Seite 19
Bildmaterial: Mentor Stiftung

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Dem Brot auch im Bild verbunden: Carl-Jürgen BrandtFarbe statt Baby-Brei: Claus HippSabine Christiansen, ARDDie Kaffeebohne als Motiv: Albert DarbovenRegine Sixt, SixtDieter Hundt, ArbeitgeberpräsidentDr. Friedrich Christian Flick, Kunstsammler Vicky Leandros, Sängerin Andreas Kerstan, IBM Deutschland GmbHGünther H. Oettinger, MinisterpräsidentPeter Voß, SüdwestrundfunkUlrich Wickert , Moderator und SchriftstellerBernd M. Michael, Grey Global Group Europe, Middle East & Africa
Murat Günak, Volkswagen AGWendelin von Boch, Villeroy & Boch AGPhilipp Herzog von Württemberg, Sotheby´s Deutschland
Ralph Anstoetz,  JAB Josef Anstoetz KG Frauke Ludowig, RTLClaus Hipp, Hipp GmbH & CoSarah, Tochter von Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell, Faber-Castell AG 

Albert Darboven, Darboven GmbH & Co. KGUngewohntes Arbeitsgerät: Dieter HundtWolfgang Joop, Designer, Inhaber Wunderkind GmbHPinsel statt Box-Handschuh: Regina HalmichAndreas Willius, Börse-Stuttgart AGDie Farbe der eigenen Partei fehlt: Günther OettingerMarkus Koch, Börsenkorrespondent New York Wall StreetVom Studio ins Atelier: Ulrich WickertAndre Carls, Comdirect BankHolger Jung, Jung von Matt AGChristine Licci, Hypo-Vereinsbank AG
Walter Köbele, Pfizer DeutschlandBane Knezevic, McDonald´sVictoria, Tochter von Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell, Faber-Castell AG