Nach der Mindestlohnvereinbarung

Die Kritik an Zumwinkels Aktiengeschäften reißt nicht ab

Zumwinkels Aktienverkäufe stehen weiter in der Kritik

In der Kritik: Post-Chef Klaus Zumwinkel

In der Kritik: Post-Chef Klaus Zumwinkel

06. Dezember 2007 Post-Chef Klaus Zumwinkel steht wegen des Privatverkaufs seines Post-Aktienpakets für 4,73 Millionen Euro weiterhin in der Kritik. Auch führende Politiker der großen Koalition rügten, dass Zumwinkel dabei die nach dem Koalitionsbeschluss zum Post-Mindestlohn deutlich gestiegenen Aktienkurse des Unternehmens ausgenutzt habe. FDP-Chef Guido Westerwelle besteht auf einer Stellungnahme der Bundesregierung zu dem umstrittenen Aktienverkauf.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sagte: „Der Zeitpunkt des Verkaufes ist nicht nur eine Frage des Börsenkurses. Führende Wirtschafts-Persönlichkeiten sollten sich nicht ohne Not dem Verdacht aussetzen, dass sie erwartete Monopolrenditen zu Geld machen.“ Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) betonte: „Wer sich nach der ganzen Vorgeschichte zu solch einer Aktion hinreißen lässt, fügt dem Ansehen der deutschen Wirtschaftsführer schweren Schaden zu.“ Der Junge-Union-Chef Philipp Mißfelder unterstrich: „Es ist einfach unanständig, erst Schutzlöhne durchzusetzen und dann abzukassieren. Herr Zumwinkel hat jetzt seinen Mindestlohn gesichert.“

„Schlechter Beigeschmack“

Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Wend, hob hervor, da die Aktien offenbar Bestandteil von Zumwinkels Vergütung seien, bekomme die Mindestlohnregelung „einen schlechten Beigeschmack“. „Man mag seine persönlichen Motive verstehen können, aber das trägt nicht gerade zur Glaubwürdigkeit der Mindestlohnvereinbarung bei. Es wäre mir lieber gewesen, er hätte das zum jetzigen Zeitpunkt unterlassen“, sagte Wend.

Der Vorsitzende des Bundestags-Arbeitsausschusses, Gerald Weiß (CDU), kritisierte „die Abwesenheit jeden Fingerspitzengefühls“ bei Zumwinkel. „Es kann einem nur noch Leid tun, dass man in höchsten Management-Ebenen offenbar nicht begreift, wie die Menschen empfinden müssen, wenn sich da jemand einen Millionen-Vorteil sichert“, sagte Weiß.

„Ethisch nicht akzeptabel“

FDP-Chef Guido Westerwelle kritisierte die Weigerung der Bundesregierung, den umstrittenen Aktienverkauf zu kommentieren. Er betonte: „Das wirft wirklich Fragen auf, und ich fordere die Koalition auf, dazu Stellung zu beziehen, denn sie hat mit ihrer Politik schließlich diesen Stein ins Rollen gebracht.“

Der Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel von der Universität Bremen sagte, das Verhalten Zumwinkels sei „ethisch nicht akzeptabel“. „Ihm als Vorstandschef muss klar gewesen sein, dass die Einigung über die Postmindestlöhne den Kurs seiner Aktien nach oben treiben würde.“, sagte Hickel.

Text: ddp
Bildmaterial: AP

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